APA7777164 - 05052012 - MARIA ENZERSDORF - ÖSTERREICH: Tipp3-Bundesliga-Begegnung zwischen FC Trenkwalder Admira und FK Austria Wien am Samstag, 5. Mai 2012, in Maria Enzersdorf. Im Bild: Admira Spieler bedanken sich bei ihren Fans APA-FOTO: ANDREAS PESSENLEHNER

© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Stadiontest – Teil 2
07/27/2013

Zu Besuch in der Südstadt

Die Liga-Serie des KURIER geht im Stadion Südstadt der Admira in die zweite Runde.

von Christina Pertl

Ich wünsch’ Ihnen einen guten Appetit“, sagt der junge Mann hinter der rot-schwarzen Theke überraschend höflich und lächelt. Fast stolz, als würde er eine kreative Köstlichkeit präsentieren und nicht ein Semmerl mit drei Blatt Extrawurst und einem Gurkerl in der Hand halten. So ist man eben in der Südstadt – freundlich. Das fängt am Parkplatz an, wo es der Einweiser nicht so eng sieht („Passt scho’. Bleiben’s ruhig in da Wies’n stehen“) und setzt sich bei Einlass („Eigentlich ist das hier nicht der richtige Eingang, aber macht ja nichts“) fort. Und eben bei der Essensausgabe. Das Arbeitsklima scheint zu stimmen im Stadion der Admira.

Zugegeben, ein architektonisches Highlight ist es nicht, das Stadion Südstadt des niederösterreichischen Bundesligisten. Eher unscheinbar, wie die Arena der Bundesstraße in Maria Enzersdorf den mausgrauen Betonrücken entgegenstreckt. Aber die Zweckmäßigkeit des Standortes nahe der Südautobahn hat auch etwas Beruhigendes: Wie sich am Horizont die Windräder drehen und die Autos über die A2 brausen während die Sonne untergeht – fast romantisch.

Mix & Match

Ein Fußballnachmittag in der Südstadt wirkt entspannend, das Publikum ist gut gemischt: Da sitzt der bierbäuchige Langzeitfan mit Herbert-Prohaska-Gedächnis-Schnauzer neben einem jugendlichen Liebespaar, das sich vom Geschehen am Rasen eher unbeeindruckt zeigt; da nützt die Familie mit drei Kindern die Gelegenheit für einen gemeinsamen Ausflug; da rüttelt ein unzufriedener Jugendlicher vor lauter Aufregung wild am Stahlgeländer. „Geh’ bitte schiaß!“, ruft er erbost. Den Vater lässt sowohl das Spielgeschehen als auch das wild gewordene Kind eher kalt.

Für den kleinen Marcel hatte sich der Stadionbesuch bereits vor Anpfiff gelohnt, als „Wacki“, der schwarze Panther, das Spielfeld betrat und für Fotos bereitstand. Der Fell-Gesell entpuppt sich als aufmerksamer Verfolger des Spielgeschehens: Unermüdlich panthert das Maskottchen die Seitenlinie entlang, mal die schwarzen Pfoten entrüstet in die Seiten gestemmt, mal fröhlich hüpfend in den schwarzen Fell-Patschen – Wacki ist gelebte Südstadt-Emotion.

Auch die Fans legen sich ins Zeug: Mit Gebrüll, Gesang und Getrommel, wie es sich gehört. „Deine Mutter schreit Admira!“, unterstellt der Aufkleber auf einer Fan-Trommel, die auf dem Spint in der Damentoilette liegt. Auch Fahnen, Banner und Sessel warten hier auf ihren Einsatz. „Wir sind Wacker und ihr nicht“, tönt es derweilen aus dem Fansektor im Norden. Die Botschaft ist nicht ganz eindeutig, wo sich doch gerade Innsbruck auf dem Rasen abmüht.

Ein Spiel in der Südstadt endet, wie es begonnen hat: Mit einem freundlichen Gruß: „Auf Wiedersehen, einen schönen Abend“, sagt der junge Mann am Ausgang. So ist man eben in der Südstadt: höflich.

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