Sport | Fußball
16.04.2012

Sportförderung: Rumoren in der Bundesliga

Zwei kritische Prüfberichte legen nahe, dass eine Million Euro Sportförderung nie die Klubs erreicht hat.

In der Bundesliga rumort es: Vorstand Georg Pangl hat – wie berichtet – an seinem ersten offiziellen Arbeitstag im September 2004 eine entlarvende Bestätigung für den Wirtschaftsprüfer der Bundesliga unterzeichnet. Inhalt: Eine für die Jugendförderung vorgesehene Euro-Million diene in Wahrheit zur Zahlung an die Finanz.

Pangl rechtfertigt sich heute damit, dass ihm das Schriftstück von einem Mitarbeiter zur Unterschrift vorgelegt worden sei. Er sei "als Unbedarfter" zum Handkuss gekommen. Interessant ist weiters: Der für Finanzen eigentlich zuständige Vorstand Reinhard Herovits hat das Papier nicht unterfertigt.

Die Auszahlung der Sonderförderung des Bundes erfolgte in mehreren Tranchen, die letzte Rate wurde 2005 vom Sportministerium über den Dachverband ÖFB an die Bundesliga weitergeleitet – allerdings erst, nachdem die Bundesliga den Beamten Unterlagen über die Verwendung der angeblichen Talenteförderung übermittelt hatte.

Die vorgelegten Belege dürften – vorsichtig formuliert – von höchst zweifelhafter Qualität und Aussagekraft gewesen sein: Mittlerweile existieren zwei Prüfberichte, die den Verdacht nähren, dass diese Million von der Liga nie widmungsgemäß an die Klubs weitergeleitet wurde.

Im Februar 2011 hat die Revision des Sportministeriums den Fördervorgang noch einmal aufgerollt. Dabei stellten die Kontrollore fest, dass "die widmungs­gemäße Verwendung nicht geklärt werden kann". Nachsatz: "Eine Einschau kann nur auf Einladung durch die Bundesliga ausgelöst werden."

Dies hat sich mittlerweile erübrigt. Denn die Staats­anwaltschaft hat Hausdurchsuchungen durch­geführt und Buchhaltungs­unterlagen beschlagnahmt. In einem Bericht zu den sichergestellten Unterlagen vom 29. März 2011 kommt das Finanzministerium, Abteilung Großbetriebsprüfung, zu dem Schluss, dass diese Million von der Liga als außerordentlicher Ertrag verbucht wurde: "Ein Bezug zur Jugendförderung (...) konnte in der Buchhaltung (...) nicht festgestellt werden."

Die Frage lautet nun: Welche Unterlagen hat die Bundesliga dem Sportministerium übermittelt, um den "außerordentlichen Ertrag" als Jugendförderung zu tarnen?

Offensichtlich eine simple Einsatz-Statistik, die Bundesliga-intern zur Aufteilung von Fernsehgeldern herangezogen wird. ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig teilte am Sonntag mit, dass der Fußballbund die Causa gelassen sehe. Der ÖFB habe zwar den Jugendfördervertrag mit dem Sportministerium unterzeichnet, sei aber durch einen Kontrakt mit der Liga abgesichert. Ludwig: "Die Bundesliga hatte stets dafür Sorge zu tragen, die Mittel ordnungsgemäß zu verwenden."

 

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