Sport | Fußball
26.02.2015

Der vergessene Red-Bull-Held

Somen Tchoyi war 2009 beim 2:0 gegen Villarreal der überragende Salzburger.

Es war das vielleicht beste Spiel seiner Karriere, jedenfalls seine beste Partie im Dress von Red Bull Salzburg: Somen Tchoyi glänzte im Europa-League-Gruppenspiel gegen Villarreal im Oktober 2009 und war nicht nur wegen seines Traumtores maßgeblich daran beteiligt, dass Salzburg gegen die Spanier 2:0 gewinnen konnte.

Es war sehenswert, wie der Kameruner damals seine Gegenspieler wie etwa Joan Capdevila ein ums andere Mal mit seinen Tricks narren konnte. Und der linke Verteidiger war ja nicht irgendwer, sondern auch im spanischen Team, damals die beste Nationalmannschaft der Welt, Stammspieler.

Etwas mehr als zwei Jahre spielte Tchoyi bei Red Bull. Und es war eine äußerst turbulente Zeit. Geholt wurde er 2008 vom damaligen Sportchef Heinz Hochhauser. Gekommen war er mit dem Prädikat „Fußballer des Jahres 2007 in Norwegen“. Verpflichtet wurde er um zwei Millionen Euro von Stabaek.

Individualist

Tchoyi benötigte kaum Eingewöhnungszeit, schnell war zu sehen, dass da ein Fußballer mit ganz besonderen individuellen Fähigkeiten gekommen war, die danach vielleicht nur noch Sadio Mane und Leonardo in dieser Güteklasse hatten.

Doch der Kameruner glänzte nur auf dem Spielfeld, abseits fiel er immer wieder mit Eskapaden auf. Besonders mit Co Adriaanse, seinem Trainer in seiner ersten Saison in Salzburg, gab es Probleme, weil Tchoyi sich wiederholt disziplinäre Verfehlungen leistete.

Bald war aber auch klar, dass die Bundesliga für den Kameruner eine zu kleine Fußballwelt ist. Er machte nie einen Hehl daraus, dass er sich für höhere Aufgaben berufen fühlte. Nach zwei Meistertiteln, einem Europa-League-Gruppensieg, 89 Pflichtspielen, 18 Toren und 27 Torvorlagen war Tchoyi nicht mehr zu halten.

Egoist

Legendär war sein Verhalten im Abschlusstraining vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel bei Omonia Nikosia im Sommer 2010. Beim Aufwärmen war Tchoyi derart desinteressiert, dass der damalige Trainer Huub Stevens zum Schluss gekommen war: „Wir müssen ihn verkaufen.“

Das passierte auch kurz danach. Tchoyi wechselte in die Premier League zu West Bromwich Albion – um drei Millionen Euro. Damit war Tchoyi neben Marc Janko und Ramazan Özcan einer der wenigen Spieler der Pre-Rangnick-Ära, die Red Bull mit Gewinn verkaufen konnte.

In England blieb Tchoyi aber nur zwei Jahre. Zunächst spielte er beim Klub aus der Stadt nordwestlich von Birmingham regelmäßig. Doch von Monat zu Monat fand sich der Offensivspieler wegen schwankender Leistungen öfters auf der Tribüne wieder. Im Sommer 2012 wurde sein auslaufender Vertrag nicht verlängert.

Arbeitsloser

Mehr als ein halbes Jahr war Tchoyi danach vereinslos. Dann nahm ihn am letzten Tag der Wintertransferzeit 2012/’13 der stark abstiegsbedrohte deutsche Bundesliga-Klub Augsburg unter Vertrag. Die Bayern schafften zwar den Klassenerhalt, aber Tschoyi kam nur zu zwei Kurzeinsätzen.

Nach sechs Monaten war er wieder arbeitslos und schon 30 Jahre alt. Nun war die Suche nach einem neuen Klub noch schwerer. Fast eineinhalb Jahre dauerte diese, bis in den Dezember 2014. Tchoyi kam beim Arema Cronus Football Club unter, einem Verein aus der indonesischen Super League.