© REUTERS

Sport Fußball
03/04/2012

Servette Genf, eine Admira-Kopie

Majid Pishyar führte schon die Südstädter in den finanziellen Ruin. Nun droht Servette Genf ein ähnliches Schicksal.

von Stephan Blumenschein

Es ist gar nicht so lange her, da wurde in Österreich über eine gemeinsame Liga mit der Schweiz spekuliert. Im Frühjahr 2003 gebar Peter Westenthaler, damals Bundesliga-Vorstand, die Idee eines länderübergreifenden Wettbewerbes der beiden Veranstalterländer der EURO 2008. Dazu ist es aber nie gekommen.

Zum Glück, werden sich 2007 die Schweizer Klubs gedacht haben, als die österreichische Liga infolge der finanziellen Turbulenzen bei den Grazer Klubs Sturm und GAK eine Farce war.
Zum Glück, können sich die österreichischen Klubs jetzt denken. Denn in der Schweizer Axpo Super League herrscht Chaos.

Lizenzentzug

Derzeit muss jede Runde ein Team zuschauen, wenn die anderen acht Mannschaften gegeneinander spielen. Denn dem zehnten Klub im Liga-Bunde, Xamax Neuchatel, wurde wegen mehrerer Verstöße die Lizenz in der Winterpause entzogen. Der Xamax-Hauptaktionär, der tschetschenische Geschäftsmann Bulat Tschagajew, sitzt seit Ende Jänner in Untersuchungshaft.

Nun deutet aber vieles darauf hin, dass bald kein Team mehr zuschauen muss, wenn die anderen spielen. Denn nach Xamax hat auch Servette Genf die Bilanzen vor einen Konkursrichter offengelegt.

"Wir haben alles versucht, um den Klub zu retten. Aber letztendlich musste ich diese schwierige Entscheidung treffen. Nur wenige unserer Sponsoren waren bereit, weiter für den Erfolg zu arbeiten", sagt Majid Pishyar.

Der iranische Besitzer von Servette ist auch in Österreich kein Unbekannter. Im Dezember 2004 war Pishyar bei der Admira eingestiegen. Es hörte sich damals vieles an wie ein Märchen aus 1001 Nacht, was der Geschäftsmann, dem das Firmenkonglomerat 32group gehört, so alles versprach: ein tolles Stadion, tolle Spieler und natürlich sportlichen Erfolg in der Champions League.

Doch es kam anders. Pishyar investierte tatsächlich Geld in die Admira, aber ohne Konzept. Spieler kamen und gingen im Halbjahres-Takt, Trainer ebenfalls. Dazu durfte ein dubioser Manager schalten und walten. Am Ende landete die Admira 2007 in der Regionalliga und vor dem Konkursrichter.

Bei Servette waren die Versprechungen Pishyars, der den Klub 2008 übernommen hatte, ähnlich. Aber statt auf iranische Berater setzte der gebürtige Perser mit kanadischem Pass in Genf auf Portugiesen. Mittlerweile hat er mit dem SC Beira-Mar auch noch einen Klub aus Portugal im Portfolio. Auch dort gibt es schon Zahlungsschwierigkeiten.

Aufstieg

Der Erfolg in Genf sollte sich zunächst auch einstellen. Im Sommer schaffte Servette nach sechs Jahren die Rückkehr in die oberste Liga. Nach dem Relegationsspiel gegen Bellinzona im Stade de Genève feierte Pishyar mitten unter den 25.000 Fans überschwänglich den Aufstieg.

Doch die Euphorie war schnell verfolgen. Wie bei Admira war Pishyar alles andere als zuverlässig, wenn es um Zahlungen ging. Mittlerweile drücken den Klub laut Auskunft eines Anwaltes, der den abgetauchten Iraner vertritt, sieben Millionen Franken (5,8 Mio. €) Schulden. 1,5 Millionen benötigt man sofort, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Sollte Servette in Konkurs gehen, dann würde sich der FC Sion nicht nur den Abstieg, sondern auch die Relegation gegen den Vizemeister der zweiten Liga ersparen. Und das, obwohl dem Klub aus dem Walis nach einem monatelangen Streit mit dem Weltverband FIFA insgesamt 36 Punkte abgezogen wurden.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.