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08.05.2017

"Schlusspfiff": Beppo Mauhart ist verstorben

Der langjährige ÖFB-Präsident und Austria-Tabak-Chef starb am Sonntag im Alter von 83 Jahren.

Die meisten Österreicher kennen ihn nur wegen seines "Nebenjobs": Beppo Mauhart war mit 18 Jahren (1984 – 2002) der mit Abstand längstdienende Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB). Dass der passionierte Zigarrenraucher "daneben" den Großteil seines Berufslebens in der verstaatlichten Austria Tabak verbrachte, deren Generaldirektor er sieben Jahre lang war, wissen schon weniger Menschen.

Seine berufliche Laufbahn startete der in der Wolle gefärbte Sozialdemokrat in der oberösterreichischen Viehverwertungsgenossenschaft. Neben dem Job besuchte er die Arbeitermittelschule, wo er 1954 maturierte. Während des Publizistik-Studiums in Wien zog es Mauhart in die journalistische Praxis, er wurde 1956 Chefredakteur der Neuen Generation, der Zeitung des sozialdemokratischen Studentenverbandes VSStÖ und 1963 der Zeitung des sozialdemokratischen Freien Wirtschaftsverbandes.

Journalistisch ging es dann auch weiter, allerdings auf höchster politischer Ebene. 1970 wurde Mauhart Pressechef des damaligen Finanzministers Hannes Androsch. Obwohl sich die beiden ehemaligen Studentenpolitiker eigentlich nicht mochten. "Beide haben wir uns nicht schmecken können", gestand Androsch anlässlich der Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien an Mauhart im November 2014, "beide fanden wir uns arrogant." Aus der anfänglichen Abneigung wurde eine "lange, verlässliche Freundschaft" (Androsch).

Während der 7-jährigen Tätigkeit im Finanzministerium – in der er unter anderem die Budgetreden für seinen Chef schrieb – baute sich Mauhart sein berufliches Standbein Austria Tabak (AT) auf. 1972 zog er in den Aufsichtsrat der AT ein, 1976 rückte er zum Vizepräsidenten des Kontrollgremiums auf. 1977 wechselte er dann ins operative Zigarettengeschäft und in den Austria-Tabak-Vorstand. 1979 wurde er stellvertretender AT-Chef, 1988 Generaldirektor.

Vater der EURO 2008

1984 wurde Mauhart zum ersten Mal ÖFB-Präsident. Auf Bitte des damaligen Gewerkschaftspräsidenten Anton Benya wollte er es ein Jahr lang bleiben, um den schwer angeschlagenen Fußball-Dachverband zu sanieren. Nach 18 Jahren und fünf Wiederwahlen trat Mauhart trotz der Erfolgsbilanz 2002 nicht mehr an. Nicht ganz freiwillig: Er wollte den Austro-Kanadier Frank Stronach verhindern. Mauharts Deal: Wenn Stronach auf eine Kandidatur für den ÖFB-Boss verzichtet, tritt auch er selbst nicht mehr an. Mauhart gilt als eigentliche Vater der EURO 2008, die in Österreich und in der Schweiz ausgetragen wurde.

Durchwachsen war Mauharts Ära an der AT-Spitze: Nach sieben Jahren musste er gehen. Wegen des Finanzdebakels der AT-Sport-Tochter HTM (Head Tyrolia Mares) trat er 1995 als AT-Chef zurück. Bis zuletzt war er überzeugt, dass HTM saniert hätte werden können, wenn er dafür nur genügend Zeit gehabt hätte.

Bis zuletzt nicht verzeihen konnte Mauhart der Politik den Verkauf der Austria Tabak während der schwarz-blauen Koalition Anfang des Jahrtausends. "Das war eine der größten politischen Sünden", sagte er in einem KURIER-Gespräch. "Dieses Unternehmen wurde zerschlagen und abverkauft." Die letzte Zigarettenfabrik in Österreich wurde 2011 geschlossen.

JOSEF "Beppo" MAUHART:
Geboren: 14. September 1933 in Enns (OÖ)
Familienstand: verheiratet, ein Sohn
Wohnort: Wien-Favoriten
Ausbildung: ab 1952 Arbeiter-Mittelschule, Matura (1956), Studium an der Universität Wien (Germanistik/Zeitungswissenschaft)
Karriere:
ab 1952: Angestellter der OÖ-Viehverwertungsgenossenschaft
1956: Chefredakteur der "Neuen Generation"
1963: Angestellter Freier Wirtschaftsverband und Chefredakteur der Zeitung "Der Selbstständige in der Wirtschaft"
1970: Bundesministerium für Finanzen
1972: Aufsichtsrat der Austria Tabakwerke AG (AT)
1979: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AT
1984: Wahl zum ÖFB-Präsidenten
1988: Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der AT
1995: Niederlegung des Vorstandsmandates der AT
1997: Aufsichtsrat der Salinen Austria
2002: Ende der Amtszeit als ÖFB-Präsident
seit 2002: ÖFB-Ehrenpräsident
2006 bis 2008: Vizepräsident "2008 - Österreich am Ball"
Größte Erfolge in ÖFB-Präsidentschaft:
WM-Teilnahmen 1990 und 1998
Längstdienender ÖFB-Chef nach 1945
Vorbereitung der Bewerbungen um EM-Endrunde 2004 (mit Ungarn als Partner gescheitert) und 2008 (mit Schweiz erfolgreich, bei Vergabe nicht mehr im Amt)