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Sport Fußball
12/05/2011

Schiedsrichter haben immer Recht

Die Austria fühlt sich nach dem 1:2 in Ried um Punkte geprellt. Das Regelbuch deckt die umstrittenen Entscheidungen.

von Stephan Blumenschein

Keine Bundesliga-Runde vergeht, ohne dass nicht mindestens nach einem Spiel über den Schiedsrichter heftigst gelästert wird. Dieses Mal erwischte es besonders Christian Dintar, den Spielleiter der Partie Ried - Austria.

Im Lager der Wiener war man außer sich. "Der Spielausgang ist unkorrekt", meinte Austria-Trainer Karl Daxbacher nach dem 1:2. Zlatko Junuzovic war verärgert: "Der Elfmeter war ein Geschenk, außerdem wurden uns zwei Tore aberkannt." Und Florian Mader sagte: "Die Entscheidungen des Referees waren phasenweise indiskutabel."

Beschimpfungen

Im Internet ging eine Treibjagd auf Dintar los. In Fanforen wurde dem Schiedsrichter nicht nur Betrug unterstellt, sondern gleich zur Lynchjustiz aufgerufen. Auf Facebook wurde gar eine Fanpage "Christian Dintar du Arsch" gegründet. Und das alles nur wegen eines Fußballspieles. Was hatte der Schiedsrichter angestellt? Warum fühlten sich die Austrianer verschaukelt? Drei Entscheidungen regten auf:

22. Minute: Junuzovic zirkelt einen Freistoß Richtung Rieder Tor. Gorgon und Gebauer versuchen, an den Ball zu gelangen, der Austrianer springt höher als der Ried-Keeper, berührt dabei mit einem Ellbogen Gebauers Kopf. Beide verfehlen den Ball, der im Ried-Tor landet.

Der Treffer zählte nicht, Dintar wandte die Regel 12 ("Fouls und unsportliches Betragen") an. Diese besagt u. a., dass ein Spieler einen direkten Freistoß für das gegnerische Team verursacht, wenn er nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit übermäßiger Härte einen Gegner rempelt. Tormänner sind dazu bei Standardsituationen besonders geschützt, und das nicht nur im Torraum. In den Erläuterungen zu den Regeln heißt es: Das Behindern des Torhüters durch unfaires Bedrängen gilt als Vergehen.

26. Minute: Der Rieder Schreiner will nahe der eigenen Strafraumgrenze klären, Gorgon versucht ebenfalls, an den Ball zu kommen, trifft dabei ein Bein des Rieders. Dintar pfeift ab. Erst nach diesem Pfiff schießt Barazite den Ball ins Rieder Tor. Der Schiedsrichter gab kein Tor. Erneut kam die Regel 12 zur Anwendung, in der es auch heißt: Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er nach Einschätzung des Schiedsrichters einen Gegner fahrlässig, rücksichtslos oder mit übermäßiger Härte tritt oder versucht, ihn zu treten.

68. Minute: Der Rieder Carril hat im Strafraum Körperkontakt mit dem Bein des Austrianers Mader und fällt. Laut Regel 12 ist es ein strafbares Vergehen, einem Gegner das Bein zu stellen oder es zu versuchen. Dintar wertete die Aktion als Beinstellen des Austrianers. Im Strafraum ist bei so einem Vergehen Elfmeter zu geben. Diesen verwertete Hadzic zum 2:1-Siegestor für die Rieder.

Aber war es wirklich ein Beinstellen von Mader? Der Austrianer war über die Entscheidung erbost: "Der Elfmeter ist niemals zu geben." Die TV-Bilder geben Mader vordergründig recht. Der Austrianer scheint sogar zu versuchen, den Fuß wegzuziehen, dies misslingt aber. Die Szene ist aus drei Blickwinkeln zu sehen, aber nicht aus dem wichtigsten: aus jenem Dintars. Der stand nahe am Geschehen und hatte freies Sichtfeld. Wie er die Szene wahrgenommen hat, wird von den TV-Kameras nicht aufgelöst.

Wie bei allen umstrittenen Pfiffen nach einem Körperkontakt kann man das Regelwerk auch in diesem - extremen - Fall so auslegen, dass Dintar richtig gelegen ist. Entscheidend ist für die Regelauslegung nämlich die Sichtweise des Schiedsrichters und sonst nichts.

Parallelen

Am Samstag fühlte sich auch Rapid benachteiligt. "Der Ausgleich ist aus einem Elfmeter gefallen, der für mich sehr fragwürdig war", meinte Peter Schöttel nach dem 1:1 gegen Wr. Neustadt. Der Rapid-Trainer hatte sich schon beim 3:4 gegen Admira über einen Elfer gegen sein Team geärgert. Beide Entscheidungen waren aber durchaus regelkonform.

Am Sonntag war Franco Foda verärgert. Der Sturm-Trainer wollte vor dem 3:3 von Mattersburg "ein klares Foul" an Tormann Cavlina gesehen haben. Das Regelwerk deckt allerdings durchaus die Entscheidung von Schiedsrichter Grobelnik, der aber auch den Regel-Spielraum gehabt hätte, um auf Foul zu entscheiden.

Sind die Trainer und Fußballer vielleicht gar nicht regelkundig? "Die würden bei einem Regeltest alle durchfliegen", meint jedenfalls ein Schiedsrichter, der nicht genannt werden will.