Sport | Fußball
05.12.2011

Scharner: "Ich mache den Job kostenlos"

Paul Scharner macht Ernst: Der 31-jährige Teamkicker will als Spielertrainer einspringen und erklärt seine Beweggründe.

Paul Scharner denkt immer an den Erfolg. Um diesen möglich zu machen, nimmt der Teamspieler Aufregung gerne in Kauf.

So wie er sie mit dem im KURIER abgegebenen Angebot erreicht hat: Der 31-jährige England-Legionär will als Spielertrainer für die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele einspringen, damit bereits die Vorbereitung auf die WM-Qualifikation ohne den scheidenden Teamchef Dietmar Constantini begonnen werden kann.

Jetzt legt Scharner nach.

KURIER: ÖFB-Präsident Windtner hat im ORF in der "ZiB2" Ihren Vorschlag als "Gag" abgetan. Können Sie erklären, warum Sie es ernst meinen?
Paul Scharner: Ich habe mich entschieden, diesen Schritt zu wagen, weil jeder Tag, an dem nicht bereits für die WM-Qualifikation 2014 gearbeitet wird, ein verlorener Tag ist. Ich selbst bereite mich schon seit Jahren auf die WM 2014 vor, weil die Qualifikation dafür das oberste Ziel meiner Karriere ist. Es wäre besser, wir hätten im ÖFB eher gestern als heute damit angefangen.

Hat es Sie überrascht, dass Constantini gehen muss, davor aber noch zwei Spiele auf der Bank sitzen soll?
Es hat meine Erfahrung bestätigt, dass herumgemurkst und nicht auf die kostbare Zeit geachtet wird. Das ist leider der typisch österreichische Weg. Schade drum! Deshalb wage ich diesen Schritt. Mir ist bewusst, dass ich mit diesen Aussagen im KURIER ein großes Risiko eingehe. Mal schauen, was rauskommt.

Welche Reaktion erwarten Sie denn jetzt?
Präsident Windtner soll wissen, dass es ein absolut seriöses Angebot von mir ist. Der Teamchefposten ist kein Leckerbissen. Für einen Spieler, der in der Premier League voll gefordert ist, auch sehr zeitintensiv. Aber ich traue mir absolut zu, das für zwei Spiele zu schaffen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass es dazu kommt - wie würden Sie den Spielertrainer anlegen?
Mit dem öfters gefallenen Satz "Es sind die richtigen Spieler und nicht die besten dabei" kann ich gar nichts anfangen. Ich wäre sicher auf der innovativen Welle und habe dazu meine Konzeption in der Schublade. Da bleibt sie auch noch. Aber ich kann noch ein Zuckerl für den ÖFB preisgeben.

Und zwar?
Ich mache den Job kostenlos. Ich würde für die zwei Partien als Spielertrainer nichts verlangen. Und ich wäre im Gegensatz zum aktuellen Trainer auch in der kommenden Quali nahe am Team dran. Mich haben auch schon Teamkollegen kontaktiert. Das Besprochene wird aber nicht öffentlich.

Fürchten Sie, dass Sie wegen Ihrer öffentlichen Kritik aus dem ÖFB eliminiert werden?
Stopp! Mir geht es absolut nicht um Kritik an Personen - sondern nur um die WM 2014 und den Erfolg, der ja scheinbar zweitrangig ist. Diese Qualifikation wird wohl meine letzte Chance.

Besteht die Gefahr, dass sich viele Spieler für die letzten beiden Quali-Partien verletzt melden?
Weil sie ja schon wurscht sind? Ich hoffe nicht, kann es aber nicht abschätzen.

Sie haben 2006 im KURIER Ihren Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt gegeben, weil Ihnen die Professionalität im ÖFB gefehlt hat. Wie ist es denn in den letzten Teamcamps abgelaufen?
Dazu sage ich nichts, weil ich keine öffentliche Vergangenheitsbewältigung betreiben will. Ich bin jedenfalls schon voll auf die WM-Qualifikation für 2014 fokussiert.

Wie beurteilen Sie die Chancen, erstmals seit 1998 auf sportlichem Weg eine Qualifikation zu schaffen?
Der Kader ist absolut in Ordnung. Wir haben auf jeder Position zwei Spieler, die ganz sicher das Potenzial haben, sich für die WM zu qualifizieren. Aber wenn wir so weiterarbeiten, werden unsere Chancen mit jedem Tag geringer.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Analyse

  • Hintergrund

  • Kommentar

  • Analyse

  • Hintergrund