Die Fans halten zu Schalke 04.

© APA/dpa/Bernd Thissen

Fusßball
09/28/2016

Schalke 04 ist und bleibt ein Phänomen

Salzburgs Europa-League-Gruppengegner zieht trotz sportlicher Erfolglosigkeit die Massen an.

von Stephan Blumenschein

Die Stadt Gelsenkirchen hat 260.000 Einwohner, der Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V. 145.000 Mitglieder. Dass ein Verein aus so einer kleinen Stadt nach Bayern München, Benfica Lissabon und FC Barcelona der viertgrößte Sportverein der Welt ist, das allein beweist die Bedeutung von Schalke für die Stadt und die Region.

Mit sportlichem Erfolg ist das Phänomen Schalke sicher nicht erklärbar. Schon fast 60 Jahre warten die Gelsenkirchner auf eine Meisterschaft. Trotzdem strömen Ligaspiel für Ligaspiel mehr als 60.000 Fans in die Veltins Arena. Und auch am Donnerstag wird das 15 Jahre alte Stadion in der Europa League gegen Salzburg gut gefüllt sein – obwohl der Saisonstart völlig misslungen ist.

Nicht normal

"Schalke ist nicht normal, und das wird immer so bleiben. Wenn sie zwei Mal gewinnen, sind sie vom Titel überzeugt, wenn sie zwei Mal verlieren, vom Abstieg", erzählt Rapid-Manager Andreas Müller, der über 20 Jahre als Spieler und Funktionär bei Schalke gearbeitet hat.

In Gelsenkirchen wird Fußball gelebt. Und noch mehr für Fußball gelebt. 10.000 Fußballer in 70 Vereinen gibt es in der Stadt, die jahrzehntelang vom Bergbau geprägt wurde.

Im Schatten der Zeche Consolidation entstand auch das Phänomen Schalke. "Die Leute sehen den Klub nicht als Verein, sondern als Familie", versucht Müller jene Emotionen zu erklären, die diesen Fußballklub zu einem besonderen machen. Und der jedes Jahr zum "Schalke-Tag" 100.000 Fans lockt.

Glorreiche Jahrzehnte

Es waren die 1930er- und 1940er-Jahre, die die Schalke bis zum heutigen Tag prägten. Zwei Namen sind untrennbar mit der Erfolgsära verbunden: Ernst Kuzorra und Fritz Szepan.

Das "erfolgreichste Schwagerpaar der Fußballgeschichte"entwickelten das als "Schalker Kreisel" in die Fußballhistorie eingangene Kurzpassspiel zur Perfektion.

Beide stammten von eingewanderten Bergleuten ab. Beide spielten nur für die "Knappen". Beide holten sechs der sieben Schalker Meisterschaften. Und beide blieben Schalke auch nach ihrer 25-jährigen Spielerkarriere in anderen Funktionen treu.

Auf und Ab

Nach dem 2. Weltkrieg folgte eine ewige Berg- und Talfahrt, die irgendwie auch den Reiz des Klubs ausmacht. 1958 wurde Schalke zum letzten Mal Meister – trainiert vom Wiener Edi Frühwirth. Im Bundesliga-Skandal 1971 war Schalke hauptbeteiligt. In den 1980ern stieg man drei Mal aus der Bundesliga ab, 1997 wurde der Klub dann aber UEFA-Cup-Sieger unter jenem Trainer, der es fast geschafft hätte, ein Trauma zu beenden: Huub Stevens.

2001 war man unter dem "Schalker Jahrhunderttrainer", der ja auch in Salzburg arbeitete, schon vier Minuten Meister, dann trafen die Bayern in der Nachspielzeit beim HSV und schnappten Schalke noch den achten Titel der Klubgeschichte weg.

Katastrophaler Start

Auf diesen warten die Fans noch immer. Und auch in dieser Saison schaut es nicht danach aus, dass das Trauma beendet wird. Große Hoffnungen waren an den neuen Manager Christian Heidel und den neuen Trainer Markus Weinzierl geknüpft worden.

Doch der Saisonstart war mit fünf Niederlagen in der Bundesliga katastrophal. Trotzdem herrscht beim Schlusslicht, das normalerweise im Jahresrhythmus den Trainer wechselt, eigentlich Gelassenheit - völlig untypisch für das Phänomen Schalke.

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