Sport | Fußball
08.04.2013

"Austria scheißt sich schon an"

Insgeheim spekuliert nicht nur Salzburgs Hinteregger mit einem Einbruch der Austria.

Die im Meisterschaftsrennen bereits abgeschriebenen Salzburger üben sich dieser Tage in Bescheidenheit. Mit einem 3:0 gegen Sturm Graz verkürzte der Meister bei acht ausstehenden Runden den Rückstand auf Spitzenreiter Austria auf zehn Zähler. Nach außen hin bemühten sich fast alle Beteiligten, das Thema Aufholjagd herunter zu spielen. Platz zwei und der Cupsieg lauten offiziell die Ziele des Titelverteidigers.

Insgeheim spekuliert man in Wals-Siezenheim trotzdem mit einem Einbruch der Austria. Zum Saisonabschluss gastieren die Wiener am 26. Mai in der Red-Bull-Arena. Will Salzburg noch einen Showdown, müsste der Tabellenführer bis dahin sieben Punkte abgegeben. Salzburg könnte dabei in den beiden kommenden Runden Druck aufbauen. Während der Meister in Mattersburg und zu Hause gegen den WAC jeweils am Samstag im Einsatz ist, warten auf die Austria Sonntag-Partien bei Sturm Graz bzw. daheim gegen Rapid.

Der Meister baut im Liga-Finish auf den psychologischen Aspekt. Den Druck von außen niedrig halten, lautet die Devise. "Wir wollen das letzte Viertel auf allerhöchstem Niveau zu Ende spielen. Wir wollen auch den Cupsieg, und dann kann man durchaus von einer halbwegs gelungenen Saison sprechen", sagte Trainer Roger Schmidt. In Zurückhaltung übten sich auch die beteiligten Salzburger Akteure.

"Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, das Wichtigste war, dass wir den zweiten Platz abgesichert haben", sagte Torhüter Alexander Walke den Titelkampf betreffend. Der zur Champions-League-Qualifikation berechtigte zweite Platz scheint bei zwölf Punkten Vorsprung auf das Duo Rapid und Sturm fixiert. Valon Berisha monierte, dass die Chance auf den Titel nur mit einem Sieg in Wien (1:1) bestünden hätte. Und Kevin Kampl ergänzte: "Wir schauen nicht nach oben, da soll die Austria ihr Ding machen."

Für Stirnrunzeln wohl auch bei seinem Trainer sorgte jedoch der derzeit verletzte Martin Hinteregger. "Es ist auf jeden Fall noch was drinnen, weil die Austria scheißt sich schon an", erklärte der Defensivspieler im Sky-Pauseninterview mit Verweis auf das 0:4 des Konkurrenten gegen den WAC am Vortag. Austria-Trainer Peter Stöger wäre schlecht beraten, diese Aussage nicht in der Kabine der Wiener zu plakatieren.

"Ein rabenschwarzer Tag"

Sturm Graz plagen indes andere Probleme. Die viertplatzierten Grazer sollten den Auftritt beim Meister rasch abhaken. Vor allem offensiv klappte überhaupt nichts bei den Gästen, 19:0 Schüsse Richtung Tor zugunsten der Salzburger verdeutlichten die Harmlosigkeit der Grazer. "Das war heute ein rabenschwarzer Tag. Wir müssen jetzt sehr aufpassen, dass wir den internationalen Startplatz nicht verlieren", sagte Verteidiger Michael Madl.

Mit dem krisengeschüttelten Dritten Rapid ist Sturm punktegleich, der WAC sitzt den Steirern aber bei einem Zähler Rückstand im Nacken. Am kommenden Sonntag wartet das Heimspiel gegen Tabellenführer Austria. "Ab jetzt heißt es um jeden Punkt raufen. Gegen die Austria müssen wir ein anderes Gesicht zeigen und mit Sicherheit anders auftreten", sagte Sturms Kapitän Jürgen Säumel.

Wieder einmal Sündenbock für die unzufriedenen Sturm-Anhänger war Trainer Peter Hyballa. Der Deutsche zeigte sich davon weiter unbeeindruckt und nahm seine Mannschaft in die Pflicht. "Jetzt ist es wichtig, dass wir uns sofort auf die Austria konzentrieren. Die Jungs müssen sich in dieser Woche gut präsentieren", sagte Hyballa. Er gab auch Durchhalteparolen aus: "Jetzt heißt es endlich punkten. Es wird ein Kampf bis zum Schluss."

Dieser Kampf wird ohne Leonhard Kaufmann über die Bühne gehen. Der Flügelspieler erlitt bei einem Zusammenstoß mit Salzburgs Torhüter Alexander Walke einen Kreuzbandriss und soll laut einer Sturm-Mitteilung in den kommenden Tagen operiert werden.