Sport | Fußball
05.12.2011

Salzburg: "Erst bei 80 Prozent"

Trotz des überzeugenden 2:0-Sieges über die Austria sieht Bullen-Coach Moniz seine Mannschaft noch nicht in Bestform.

Vizemeister Red Bull Salzburg hat gleich in seinem Bundesliga-Auftaktspiel mit dem 2:0 (0:0) über Austria Wien seine Favoritenrolle unterstrichen. Das Team von Trainer Ricardo Moniz war von Beginn weg die klar tonangebende Mannschaft und ließ nur eine einzige Torchance der Gäste in der Nachspielzeit zu. Dabei sind die "Bullen" noch gar nicht in Bestform. "Wir sind noch nicht auf 100 Prozent - ich denke, im Moment liegen wir bei 80", gab Moniz nach dem überzeugenden Erfolg zu Protokoll.

Nach dem ersten Heimsieg über die Austria seit 19. Juli 2009 (2:1) stehen die Salzburger - ex aequo mit Rekordchampion Rapid - erstmals seit der 36. und letzten Runde der Saison 2009/10 beziehungsweise dem 13. Mai 2010, als man in Graz mit einem 2:0 den Titel geholt hatte, wieder an der Tabellenspitze. Und wenn es nach Kapitän Eddie Gustafsson geht, dann wird sein Team diesmal nur schwer vom Platz an der Sonne verdrängen zu sein. "Die Abstimmung zwischen Defensive und Offensive passt mittlerweile. Wir werden heuer sehr schwer zu schlagen sein", betonte der schwedische Tormann, der eigentlich keiner ist, der große Töne spuckt.

"Salzburg ist offensichtlich in dieser Saison unheimlich stark, hat uns überhaupt nicht ins Spiel kommen lassen", lautete der fast schon resignierende Kommentar von Austria-Kapitän Roland Linz. Auch sein Coach war sichtlich beeindruckt von der Leistung des Gegners. "Es macht mich sehr nachdenklich, wenn ich die vielen Individualisten sehe, so einen Spieler wie Leonardo gibt es in Österreich nicht", sagte Karl Daxbacher über den brasilianischen Ersatzmann von Matchwinner Jakob Jantscher, der vor seiner Auswechslung in Minute 74 mit seinem insgesamt 20. Liga-Treffer (6. für Salzburg) das Führungstor erzielt und das 2:0 durch Torjäger Alan aufgelegt hatte.

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer"

Simon Cziommer stieg dagegen wie sein Trainer auf die Euphoriebremse. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Nach dem 2:0 haben wir Gas rausgenommen, das ist ein Punkt, an dem wir noch arbeiten müssen", betonte der deutsche Mittelfeldmann. Eine solche Einstellung begrüßt Moniz. "Wichtig ist die Selbstkritik, nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei mir selber", outete sich der Niederländer als Fan der Selbstreflexion.

Gleichzeitig weiß er aber natürlich um das Potenzial seiner Truppe. "Dieses Jahr ist ein Schlüsseljahr für unsere Talente, denn jede Position ist doppelt, teilweise sogar dreifach besetzt. Und wenn Zarate, Alan und Leonardo weiter hart an sich arbeiten, dann ist in dieser Saison noch sehr viel möglich", lautete die Einschätzung von Moniz, unter dem die Roten Bullen saisonübergreifend nun schon seit sieben Meisterschaftsspielen (sechs Siege, ein Remis) ungeschlagen sind.

Vor allem die Entwicklung von Alan sticht ins Auge, seit der mittlerweile 47-Jährige am 8. April die Nachfolge von Stevens auf der Trainerbank angetreten hat. Sein Tor gegen die Austria war sein insgesamt elfter Bundesligatreffer im 25. Match, jedoch der bereits zehnte in der achten Liga-Partie unter Moniz. Dazu hatte der 22-Jährige am vergangenen Donnerstag beim 4:1-Triumph im Europa-League-Quali-Hinspiel in Liepaja mit einem lupenreinen Hattrick vor der Pause geglänzt.

Leitbullen

"Wir haben dort fortgesetzt, wo wir taktisch in der ersten Hälfte in Liepaja aufgehört haben. Es war ein guter Schritt, wir müssen jetzt so weiterarbeiten, wir stehen ja erst am Anfang der Saison", forderte Jantscher. Neben dem Matchwinner, der jedoch in der ersten Hälfte durch Schwächen aufgefallen war, überzeugten auch die neuverpflichteten Skandinavier Petri Pasanen und Rasmus Lindgren. Moniz hatte erwartet, dass der finnische Verteidiger und der schwedische Mittelfeldspieler so schnell zu "Leitbullen" werden. "Denn dafür habe ich sie geholt."

" Salzburg war eindeutig die aktivere Mannschaft, wir hätten sicherer Fußball spielen müssen. Wir haben vor allem aus der Defensive schlecht herausgespielt", analysierte Daxbacher. Summa summarum sah der 58-Jährige den Fehlstart aber nicht "so tragisch, denn wir werden in den nächsten Runden nicht auf so starke Gegner wie Salzburg treffen. Für die Mannschaft war dieses Spiel ein Lernprozess."

Auf die Frage, was der auffälligste Unterschied im Vergleich zur Ära des ehemaligen Salzburg-Betreuers Huub Stevens ist, lautete Daxbachers Antwort: "Die Mannschaft tritt selbstbewusster auf, geht mit weniger Druck ins Spiel." Auch in punkto Qualität habe sie zugelegt. Diese Tatsache sprach auch Gustafsson an: "Wir haben nach diesen elf, die in Liepaja und nun gegen die Austria von Beginn an gespielt haben, noch sehr gute gleichwertige Spieler im Talon."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Reaktion

  • Hintergrund

  • Ergebnisse