Mario Balotelli traf 2010 gegen Salzburg.

© EPA/FOTOSPORTS - ROBIN PARKER

Fußball
10/18/2016

Salzburg: Das Wiedersehen mit dem Skandal-Stürmer

Europa League: Mario Balotelli gastiert mit OGC Nizza am Donnerstag in der Red-Bull-Arena.

von Stephan Blumenschein

Schnee ist im Nordwesten Englands ein Elementarereignis: Ein paar Zentimeter reichen, um den Verkehr lahmzulegen. Was da aber ein Star von Manchester City am 1. Dezember 2010 beim Aufwärmen trug, als Red Bull Salzburg bei Schneefall in der Europa League im Stadium of Manchester gastierte, war trotzdem bizarr.

In Moonboots war Mario Balotelli, damals erst 20 Jahre alt und trotzdem schon als Enfant terrible verschrien, zum Warmmachen auf das Spielfeld gekommen. Es folgte eine seiner besten Vorstellungen in den drei Jahren beim Scheichklub. Der Italiener degradierte die Salzburger Verteidiger zu Statisten, zwei Tore erzielte er beim 3:0 der Engländer. Nicht mehr in Moonboots, aber immerhin in weißen Fußballschuhen, auch typisch für den Exzentriker.

Tiefen

Sechs Jahre sind seitdem vergangen. Am Donnerstag kommt es wieder zum Duell zwischen Balotelli und Salzburg: Mit Nizza gastiert der Stürmerstar in der Red-Bull-Arena (19 Uhr). Der mittlerweile 26-Jährige hat mehr Tiefen als Höhen erlebt. Startrainer wie Roberto Mancini oder José Mourinho konnten den in Palermo geborenen Sohn ghanaischer Immigranten nicht wirklich bändigen.

Nun versucht sich ein stoischer Schweizer an Balotelli. Nizza-Coach Lucien Favre sieht es pragmatisch: "Wenn er mit mir ein Problem hat, dann hat er mit anderen viele", sagt der Ex-Coach von Gladbach, der auch Red-Bull-Erfahrung hat: 2006 schied er mit dem FC Zürich gegen Salzburg in der Champions-League-Qualifikation aus.

Fettnäpfchen

Balotellis Skandalliste ist lang. Mitspieler, Gegenspieler, Fans, Journalisten, Trainer, Manager – es gibt niemanden im Fußballgeschäft, mit dem er sich nicht angelegt hat. Und auch privat lässt er kein Fettnäpfchen aus.

Da musste in Manchester schon einmal die Feuerwehr ausrücken, weil er in einem Badezimmer Feuerwerkskörper abfeuerte. Oder es wurde von Nachbarn die Polizei gerufen, weil zwei Männer Elektrogeräte aus seiner Luxusvilla schafften. Wie sich später herausstellte, war einer der Hausherr selbst.

Fans droht er gerne in den sozialen Medien. 2014 sorgte ein Foto für Aufregung, das er auf Instagram postete. Balotelli ließ sich mit einer Pumpgun im Anschlag ablichten – gerichtet auf seine "Hasser".

Lieblingsfeind

Legendär ist seine Privatfehde mit Roberto Mancini, der länger als jeder andere sein Trainer war – bei Inter und ManCity. Da sind im Training sogar die Fäuste geflogen. "Ich habe oft mit ihm gesprochen, und er hat immer zugehört. Aber manchmal war es eben so, dass die Worte bei ihm ins eine Ohr hinein- und aus dem anderen sofort wieder hinausgingen", sagt Balotellis Landsmann heute.

Auch wenn es sportlich nicht immer lief, in einem Spiel hat er Fußballgeschichte geschrieben: 2012 beendete Balotelli die EM-Titelträume der Deutschen im Alleingang. Er schoss beide Tore zum 2:1-Semifinalsieg der Italiener. Das Foto seines Oberkörpers, den er nach seinem zweiten Treffer in Bodybuilder-Pose präsentierte, zierte weltweit Titelseiten.

In Nizza läuft es jetzt auch gut – verglichen mit seinen letzten Stationen FC Liverpool und AC Milan. Nur zwei Tore schoss er in den vergangenen zwei Saisonen in 36 Ligaspielen, für Frankreichs Überraschungsleader gelangen ihm schon fünf Treffer in vier Ligapartien.

Sonnenanbeter

Die ganz große Fußballwelt ist die Stadt an der Côte d’Azur aber nicht – anders als Manchester, Liverpool oder Mailand, wo Balotelli seine Spuren hinterlassen hat. Warum es ihn ausgerechnet zu einem Klub verschlagen hat, der zuletzt 1959 Meister wurde, erklärt Balotelli in der ihm typischen Art: "Es ist das Meer. Ich wollte einen ruhigen und schönen Ort. Auch wenn das dumm klingt, ich habe nach dem richtigen Klima gesucht."

Von seiner schönsten Seite wird sich Salzburg am Donnerstag nicht zeigen. Fünf Grad sind für den Abend prognostiziert. Wenigstens schneit es – anders als in Manchester – nicht. Seine Moonboots kann Balotelli also in Südfrankreich lassen.

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