Sport | Fußball
17.08.2017

Salary Cap: Die Hürden für die Gehaltsgrenze

In den USA sind Salary Caps seit Jahrzehnten Standard. Im Fußball stehen solchen Deckelungen jedoch zahlreiche Hürden im Weg.

Als der 222 Millionen Euro schwere Rekordtransfer Neymars zu Paris Saint-Germain Anfang August Schlagzeilens schrieb, sorgte auch das kolportierte Gehalt des Brasilianers für Debatten: 30 Millionen Euro netto soll die jährliche Entlohnung des 25-Jährigen betragen. Cristiano Ronaldo erhält laut Forbes ein Brutto-Jahresgehalt von rund 50 Millionen Euro, Lionel Messis beträgt rund 45 Millionen (inklusive Bonuszahlungen).

Summen wie diese haben nun erneut Forderungen nach einer Regulierung des europäischen Fußballs laut werden lassen. Gehaltsobergrenzen nach amerikanischem Vorbild („Salary Caps“) wurden schon als mögliches Instrument ins Spiel gebracht. Der Anwalt und Sportrechtsexperte Johannes Öhlböck schätzt die Chancen auf Umsetzbarkeit aber als sehr gering ein.

Das EU-Recht, speziell das Kartellverbot, erlaubt Eingriffe in den Wettbewerb nur unter ganz bestimmten, streng zu prüfenden Voraussetzungen, legte Öhlböck im Interview mit der APA (Austria Presse Agentur) dar. "Jede neue Regelung, die eine Deckelung von Gehältern der Fußballspieler vorsieht, ist am Maßstab des Kartellverbots zu prüfen. Das Kartellverbot verbietet Beschränkungen des Wettbewerbs, hierzu gehören etwa Preisabsprachen, Wettbewerbsverbote oder Marktaufteilungen", so der Jurist.

Das EU-Recht als Hürde

Würden Fußballvereine Salary Caps einführen, würde dies laut Öhlböck den Wettbewerb um die Spieler beeinflussen: Diese könnten nicht mehr jene Beträge aushandeln, die bei einem freien Wettbewerb erzielbar wären. Die Motivation vonseiten der Spieler, aufgrund eines höheren Gehalts den Verein zu wechseln, würde somit sinken. Die Einführung von Gehaltsobergrenzen hätte laut Öhlböck "eine künstliche Preissenkung und einen künstlichen Nachfragerückgang" zur Folge. Somit könnte ein Verstoß gegen das Kartellverbot vorliegen - die getroffenen Vereinbarungen würden nichtig werden.

Diese "Nichtigkeitssanktionen" könnten nur umgangen werden, wenn sich aus dem Einsetzen der Gehaltsobergrenzen "gesamtökonomische Vorteile" ergeben würden und die absolute Notwendigkeit dieses Schrittes bewiesen werden könnte. Dies sei laut Öhlböck jedoch schwer zu bewerkstelligen.

Deckelung der Ablösesummen als Option?

Eine Variante zur Umgehung des Kartellrechts wäre die Einführung von Kollektivverträgen. „Doch auch in diesem Fall müssten Rahmenbedingungen und Organisationen geschaffen werden, die aktuell noch nicht existieren“, sagte der Jurist. "Konkret wären das kollektivvertragsfähige Vertragspartner, und schließlich müsste dargelegt werden, dass auch im Spitzenbereich des Fußballs dieselben Parameter gelten wie im klassischen Arbeitsrecht."

Für eine Deckelung der hohen Ablösezahlungen, die im heutigen Fußball gang und gäbe sind, gilt das Gleiche wie für eine Gehaltsobergrenze. "Letztlich ist auch das eine Maßnahme zur Beschränkung des Wettbewerbs der Vereine um die besten Spieler, die mit dem Kartellrecht in Konflikt steht“, so Öhlböck.

Eine klare Absage für Obergrenzen bei Gehältern und Ablösesummen im Fußball? "Zusammenfassend ist es nicht sonderlich realistisch, dass es gelingen kann", so Öhlböck.