Sport | Fußball
05.12.2011

Säumel: "Wir haben keine Schwächen"

Jürgen Säumel spricht im KURIER-Interview über den Traum Champions League und seine Nationalteam-Ambitionen.

Er kam gerade rechtzeitig nach Hause. Die Wanderjahre in Italien und Deutschland sind vorbei, auf die Sturm-Familie wartet der Zug Richtung Europa. Jürgen Säumel kehrte nach drei eher ungemütlichen Jahren zurück und darf am Mittwoch im vierten Spiel seiner zweiten Sturm-Ära mithelfen, einen Platz in der Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Für die Grazer gilt es am Mittwoch gegen BATE Borisow, ein 1:1 vom Hinspiel zu verteidigen.

KURIER: Sie könnten mit Sturm in der Champions League spielen. Ist das Spiel gegen Borisow das wichtigste in ihrer Laufbahn?
Jürgen Säumel: Sicher eines der wichtigsten. Jeder weiß, was auf dem Spiel steht. Jeder ist professionell genug, um mit einer Top-Einstellung ins Spiel zu gehen. Wir haben keine Schwächen. Die Stärke ist das Kollektiv.

Auf was wird es gegen Borisow ankommen?

Wir müssen ähnlich gut verteidigen wie im Hinspiel. Wichtig ist, dass das Umschalten von Defensive auf Offensive klappt und wir die Räume besser nützen.

Trainer Foda gilt als Perfektionist. Können Sie mit seinem Stil umgehen?
Er ist absolut erfolgsorientiert, das merkt man schon an der Professionalität im Training. Er kann manchmal ungemütlich werden, aber es bleibt im Rahmen.

Am 3. August sagte Foda, dass Jürgen Säumel kein Thema mehr ist. Vier Tage später waren Sie Sturm-Spieler. Auch für Sie ein Geduldsspiel?
Es hat bereits im Mai die ersten Gespräche gegeben. Damals hat man in Graz noch abgewartet. Aber spätestens seit dem Aufstieg gegen Videoton im Juli war die Sache konkret. Ich habe natürlich Abstriche in Kauf nehmen müssen, aber ich wollte unbedingt wieder zu Sturm, weil hier das Umfeld passt.

Und in Graz haben Sie sofort Fuß gefasst...
Ich habe im Urlaub sehr viel im Ausdauer- und Kraftbereich gearbeitet. Die Hierarchie bei Sturm ist mittlerweile eine andere geworden, aber die Mannschaft macht es mir sehr leicht. Ich war deshalb so schnell integriert, weil ich weiß, was Trainer Foda von einem defensiven Mittelfeldspieler verlangt. Außerdem kenne ich schon das ganze Umfeld. Vom Zeugwart angefangen bis hin zur medizinischen Abteilung hat sich nichts geändert.

Medizinische Hilfe haben Sie zuletzt auch in Duisburg gebraucht, als Sie sich einen Muskelfaserriss zugezogen haben. Zuvor waren sie fast drei Jahre in Italien. Würden Sie diesen Schritt aus heutiger Sicht wieder wagen?
Es war eine wertvolle Erfahrung, auch außerhalb des Platzes. In Italien habe ich mit Torino ein Jahr lang gegen den Abstieg gespielt. Wir haben einen enormen Druck von den Medien bekommen und sind ums Überleben gerannt. Das letzte Jahr inklusive meines halbjährigen Gastspiels bei Duisburg hätte ich mir natürlich lieber erspart, aber grundsätzlich hab' ich mich in Italien wohlgefühlt.

Sie haben auch in Italiens zweiter Liga gespielt - bei Brescia. Ist der italienische mit dem österreichischen Fußball vergleichbar?
Schwer. In Italien hat die taktische Komponente eine viel größere Bedeutung. Bei uns wollen alle Mannschaften gewinnen, in Italien wird eher ergebnisorientiert gespielt. Dort zählt eher die Technik, bei uns wird körperbetonter gespielt.

Hoffen Sie auf eine Rückkehr ins Nationalteam?

Dass ich die vergangenen Jahre nicht dabei war, versteht sich von selbst. Wer nominiert einen Spieler, der in einem halben Jahr auf sieben Einsätze kommt? Natürlich will ich ins Team zurück. Erst wenn man lange nicht dabei war, weiß man, wie schön es ist, für Österreich zu spielen. Jeder, der das nicht will, hat seinen Beruf verfehlt.

Angenommen, Sturm packt die Hürde Borisow, hätten Sie einen Wunschgegner in der Gruppenphase?

Es wäre schön, gegen eine italienische Mannschaft zu spielen. Ich bin nach wie vor ein Italien-Fan, verfolge auch die Spiele.

Sie haben jetzt für ein Jahr unterschrieben, mit einer Option für ein weiteres. Werden Sie noch einmal irgendwann den Schritt ins Ausland wagen?

Ich bin absolut auf Sturm fokussiert und will verletzungsfrei bleiben. Hier können wir noch viel erreichen.

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