Sport | Fußball
29.03.2017

Rummenigge verteidigt die CL-Reform

Der Bayern-Boss will das Format beibehalten und bezeichnet die Kritik daran als "polemisch".

Sie war der Fußball-Aufreger im Dezember 2016, die von der UEFA im Eilzugtempo durchgeboxte Reform der Champions League. In den Saisonen 2018 bis 2021 werden die vier Top-Ligen Europas (Spanien, England, Deutschland, Italien) zusammen die Hälfte der 32 Teilnehmer am wichtigsten Klubbewerb der Welt stellen. Das ging auf Kosten der kleineren Ligen.

Doch die Reform der Reform wird bereits diskutiert. Das weiß auch Karl-Heinz Rummenigge, der als Vorsitzender der Vereinigung der Europäischen Klubs (ECA) eine treibende Kraft hinter den Veränderungen war. Der Deutsche empfiehlt, das Format beizubehalten. Kritik an dem eingeschlagenen Weg findet er "polemisch".

Absage an die Superliga

Rummenigge setzt auf Kontinuität. Der Bayern-Vorstand geht davon aus, dass die schon viel diskutierte Superliga mit den Topteams als Konkurrent zur Champions League in den kommenden Jahren kein Thema wird.

"Ich glaube, wenn die Klubs der ECA mit der UEFA eine gemeinsame Linie finden, wird das nicht der Fall sein. Dann wird es die Superliga nicht geben. Ich habe den Eindruck, dass speziell die großen Klubs mit diesem Thema sehr verantwortungsvoll umgehen", sagte der 61-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Die ECA diskutiert derzeit in Athen ihre Vorstellungen für die Zukunft der europäischen Klub-Wettbewerbe. "Es gibt innerhalb der Vereine unterschiedliche Standpunkte: reduzieren auf 24 Teilnehmer in der Champions League, erhöhen auf 48. Man kann sich leicht vorstellen, wer für 48 ist und wer 24 präferiert", sagte Rummenigge. Seit fast zwei Jahrzehnten spielen 32 Teams um Europas Fußballkrone.

"Wenn man diese zwei gegensätzlichen Initiativen sieht, dann wäre der logische Kompromiss, bei 32 zu bleiben. Was die Geldverteilung betrifft, würde ich empfehlen, für den nächsten Zyklus jetzt noch keine Entscheidung zu fällen, weil wir noch gar nicht wissen, was auf dem Tisch liegt und was es zu verteilen gibt", sagte Rummenigge, der allerdings mindestens gleichbleibende Erlöse erwartet.

Bei der Reform für die Jahre 2018 bis 2021 wurde der Verteilungsschlüssel für die jährlichen Milliardenprämien geändert. Mehr Gewicht bekommt das bisherige Abschneiden einzelner Klubs. Das Grundstartgeld und die solidarischen Zahlungen innerhalb der Verbände werden hingegen gekürzt.

"Ich bin total überzeugt, dass das, was für 2018 bis 2021 als Reform verändert wurde, die Champions League besser und emotionaler machen wird", sagte der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters. Dagegen müsse man "die Europa League aufpeppen, entwickeln und auf ein höheres Niveau stellen".

Kritik an den Kritikern

Kritik, die Reform mache die Reichen reicher und die Armen ärmer, ärgert den Vorstandschef des FC Bayern. "Das ist faktisch falsch und polemisch", konterte Rummenigge. "Die größten Profiteure sind eher Klubs aus dem Mittelfeld, aus Ländern mit weniger hohen TV-Einnahmen wie Celtic Glasgow oder Ludogorez Rasgrad."

Die Vereinigung der Profiligen (EPFL) hatte zudem kritisiert, dass die Reform einen schädlichen Einfluss auf die heimischen Wettbewerbe habe. Die Reform werde zu einer exponentiellen Vergrößerung der finanziellen und sportlichen Kluft zwischen den größten europäischen Fußballklubs und allen anderen führen, meinte die EPFL seinerzeit.

Knapp zwei Wochen vor dem Hinspiel des Champions-League-Schlagers der Münchner im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Real Madrid wies Rummenigge darauf hin, dass der Königsklassen-Fußball ohne Setzliste besondere Spannung mit sich bringen könne. Wenngleich es solche Setzlisten in vielen Sportarten gebe.

"Als ich vor einem Jahr davon gesprochen habe, habe ich bedauert, dass mit Juventus Turin eine der besten Mannschaften Europas gegen uns sehr früh im Achtelfinale ausgeschieden ist. Ich bin heute kein Freund der Setzliste", sagte Rummenigge. "Das ist möglicherweise nicht das Beste für die Klubs, aber der Zuschauer will diesen Nervenkitzel haben."