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Sport Fußball
09/18/2012

Rosenborgs große Tage sind vorüber

Rosenborg Trondheim war jahrelang Gast in der Champions League, heute zählt bei den Norwegern das Kollektiv.

Der Chef schickte seinen seinen besten Analytiker aus. Rapids Co-Trainer Thomas Hickersberger flog im Auftrag des Trainers Peter Schöttel nach Norwegen, nahm Europa-League-Gegner Rosenborg beim 3:0-Sieg über Vålerenga zum zweiten Mal genau unter die Lupe und gab alsbald seinen Bericht ab.

Schöttel zeigt Respekt vor dem Gegner, den es am Donnerstag im Geisterspiel (21.05 Uhr, KURIER-Ticker) zu besiegen gilt, aber keine Angst: "Wir haben vor niemandem Angst. Und wenn Rosenborg eine große Mannschaft wäre, würden sie noch immer Champions League spielen. Aber sie sind eine kompakte Mannschaft, die gegen Vålerenga sehr gut gespielt hat, auch wenn der Gegner eine Hälfte lang mit einem Mann weniger auskommen musste."

Struktur

Besonders das Toreschießen werden sie Rapid nicht leicht machen. "Sie sind in der Defensive sehr gut strukturiert, haben starke, groß gewachsene Verteidiger", sagt Schöttel, der sich Gedanken über die Leistungsträger des auswärts im Jahr 2012 noch ungeschlagenen Gegners gemacht hat. "Stürmer Elyounoussi geht enorme Laufwege, auch US-Mittelfeldspieler Diskerud, den unser Stürmer Boyd gut kennt, war gegen Vålerenga sehr gefährlich. Natürlich der Tscheche Borek Dockal, der als Mittelfeldspieler sehr torgefährlich ist und der Doppeltorschütze Prica."

Für den schwedischen Stürmer Prica ist die Zeit in Trondheim bald beendet. "Er weiß, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird und wirkt nicht mehr ganz so gefährlich", verrät der Ex-Rapidler Ragnvald Soma aus Norwegen, der für den dänischen Meister Nordsjælland unterschrieben hat und sogar in der Champions League spielen darf. "Sie bauen auf ihr Kollektiv, aber wenn Rapid Druck macht, bekommen sie Probleme."

Stars, wie es einst Rune Bratseth oder John Carew waren, sind kaum noch bei Rosenborg. Über der Nr. 11 des Trikots steht zumindest ein Name, den man in Fußballerkreisen kennt: Steffen Iversen, mittlerweile fast 36, spielte bei Tottenham und 77-mal im Team. "Er ist der cleverste Spieler, zumeist als Joker im Einsatz", erklärt Soma über die Norweger, die sich in der Qualifikation äußerst knapp gegen Shymkent aus Kasachstan, Servette Genf und Legia Warschau durchgesetzt haben. "Immer wenn es eng wurde, haben sie im Finish getroffen", warnt Schöttel.

Krisen

Früher hatte der 22-fache Meister (zuletzt 2010), der von 1995 bis 2003 ohne Unterbrechung in der Champions League zu Gast war, andere Kaliber zu bekämpfen. "Die Finanzkrise hat auch den norwegischen Fußball erfasst, Rosenborg konnte sich in den letzten Jahren auch deshalb weniger Stars leisten", sagt Roman Kienast, der an Trondheim sehr gute Erinnerungen hat. In seiner Zeit mit Ham Kam in der Ersten Liga Norwegens erzielte er drei seiner insgesamt fünf Tore gegen den damaligen Vorzeigeklub, zwei davon beim 3:0 in Trondheim. "Das war mein größtes Highlight in Norwegen", erinnert sich der Ex-Rapidler und gegenwärtige Austria-Stürmer.

Soma war wiederum vor einem Jahr dabei, als Rapid zum Liga-Saisonstart ein Geisterspiel gegen die Admira absolvieren musste. "Im riesigen, leeren Happel-Stadion wird es ganz schrecklich wirken. Entscheidend ist, welche Mannschaft damit besser umgehen kann."

Das weiß auch Schöttel: "Fußball lebt von Emotionen. Aber wir müssen damit umgehen, genauso wie mit den Witterungsverhältnissen. Der Gegner hat die selben Bedingungen."

Zumindest Somas Tipp sollte die Hütteldorfer beflügeln. "Ich traue Rapid gegen Trondheim in den beiden Spielen vier Punkte zu."

Norwegen: 5 Spieler und 2 Teamchefs

Fremdgänger Martin Pusic ist derzeit der einzige Österreicher in Norwegen (ging im Sommer von Vålerenga zu Fredrikstad). Weiters spielten: Paul Scharner (Brann Bergen, 2005), Roman Kienast (Ham Kam, 2006–’09), Markus Kiesenebner (Lillestrøm, 2007–’09) und Dominique
Taboga (Tromsø, 2009–’10).

Entwicklungshelfer Mit Willibald Hahn (1953–’55) und Wilhelm Kment (1960–’62, 1967–’69) waren zwei Österreicher Teamchefs in Norwegen.

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