Frühstarter: Hans Rinner steht seit Wochen als Kandidat fest und will sich in jedem Fall der Wahl stellen.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Bundesliga-Präsident
12/04/2013

Rinner: „Ich hab’ die breite Zustimmung“

Bundesliga-Präsident Hans Rinner ortet keinen Gegenkandidaten und stellt sich am Freitag zur Wiederwahl.

von Bernhard Hanisch

Hans Rinner ist der Name des aktuellen Bundesliga-Präsidenten. Daran hätte die Wahl auf der Bundesliga-Hauptversammlung am Freitag eigentlich auch nichts ändern sollen. Rinner galt lange als einziger Kandidat für die nächste vierjährige Amtsperiode. So lange, bis plötzlich Karlheinz Kopf ins Spiel kam und als möglicher Nachfolger aufgetaucht ist.

Als Gegenkandidat will der Vorarlberger ÖVP-Politiker und zweite Nationalratspräsident aber nicht auftreten. Rinner äußert sich zur dennoch veränderten Lage kämpferisch. Nur Taktik? Oder weiß Rinner (noch) nicht, was sich hinter den Kulissen tut?

KURIER: Ist es für Sie ein Thema, Karlheinz Kopf den Vortritt zu lassen?

Hans Rinner: Noch vor sechs Wochen hab’ ich von den Klub-Präsidenten die breite Zustimmung erhalten. Was soll sich daran geändert haben? Warum sollte ich zurückziehen? Ich kandidiere.

Dazwischen kam leider der Wettskandal. Hat sich die Bundesliga-Führung in dieser Causa nicht ziemlich ungeschickt verhalten, die Situation zu lange verharmlost?

Die letzten Vorfälle sind natürlich tragisch. Ich glaube aber, die Medien hatten eine vielfach falsche Kenntnis der Sachlage. Wir bekamen keine umfassende Einsicht in die Akten, und wir besitzen ohne rechtliche Grundlage gar keine Handhabe.

Aber hätte man nicht Initiative ergreifen, mehr Flagge zeigen müssen?

Was sollte ich denn machen? Herumschreien, alle sollen jetzt eingesperrt werden? Wir können ohne Beweise auch niemanden sperren lassen. Die Sache ist nicht so transparent, wie manche meinen. Daran kann auch ein Karlheinz Kopf nichts ändern. Ich hab’ ihn zum Beispiel vor einiger Zeit gebeten, ein Treffen mit der Finanzministerin zum Thema Steuerschlüssel zu bekommen. Es ist nie zu einem Termin gekommen.

Möglich wäre trotzdem gewesen, dass Sie zur Meinung gelangen, ein anderer, zum Beispiel Herr Kopf, sollte es einmal probieren.

Ich finde es sonderbar, dass um ihn so ein Thema aufgebaut wird. Das hat mit Hintergrundpolitik zu tun. Zuerst hat er ja auch nicht gewusst, ob er möglicherweise ein Ministeramt bekommt. Und vor ein paar Tagen habe ich mit ihm telefoniert. Er hat dabei ganz klar gesagt, dass er keinesfalls gegen mich kandidieren wird.

Ihr Vorschlag, den endgültigen Punkteabzug für die Admira erst nach Saisonende bekanntzu­geben, hat auch nicht unbedingt für Begeisterungsstürme gesorgt. . .

Da bin ich nach einem Interview falsch interpretiert worden. Ich habe ganz allgemein die Frage aufgeworfen, was passiert, wenn beispielsweise bei einem Klub im Oktober ein schweres Vergehen festgestellt wird. Soll ein sofortiger Lizenzentzug stattfinden? Wann ist die Sanktion am sinnvollsten? Ich meine, der Schaden wäre massiv, würde die Meisterschaft mit neun Klubs fertig gespielt. Das hatte mit der Admira nichts zu tun.

Ist es zeitgemäß, den Job des Bundesliga-Präsidenten weiterhin ehrenamtlich auszuüben?

Das denke ich schon. Ich habe mich in den letzten vier Jahren in kein Verfahren eingemischt. Ich bin einer von acht Aufsichtsräten und akzeptiere, was ein Senat der Bundesliga entscheidet.

Rinner und Kopf

Der Unternehmer

Hans Rinner (50) ist Eigentümer und Geschäftsführer der Frigopol Kälteanlagenbau. Der ehemalige Sturm-Präsident (2007–’10) ist seit 2009 Bundesliga-Boss.

Der Politiker

Karlheinz Kopf (56) avancierte im Oktober vom ÖVP-Klubchef zum 2. Nationalratspräsidenten. Seit 2009 ist er Aufsichtsratsvorsitzender von Altach.

Der lange Weg zum Präsidenten

Wie bestimmt die Bundesliga ihren ehrenamtlich tätigen Präsidenten? Da die Wahl diesmal mehr ist als ein Formalakt, erkundigten sich auch Klubvertreter zuletzt vermehrt über den durchaus komplizierten Ablauf.

Der erste Schritt war die Abgabe von schriftlichen Vorschlägen bis 7. November. Der amtierende Präsident Hans Rinner konnte damals noch auf eine breite Mehrheit bauen. Es kann am Freitag aber auch noch bei der vor der Hauptversammlung angesetzten Klubkonferenz zur Wende kommen.

Denn jeder der zehn Vereine der obersten Spielklasse ist berechtigt, einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung mit einem neuen Wahlvorschlag einzubringen. Die Zweitligisten haben nur ein Nominierungsrecht für einen Vizepräsidenten. Altach, der Klub von Karlheinz Kopf, kann also nicht aktiv werden.

Damit der neue Antrag auch tatsächlich zur Abstimmung gelangt, bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit an Stimmen. Wobei zu beachten ist, dass die Stimmen der Vereine aus der obersten Spielklasse mehr „wert“ sind als jene der zweiten Liga. Außerdem hat der zweite Red-Bull-Klub FC Liefering gar kein Stimmrecht.

Einfacher als die Nominierung verläuft dann die Wahl des Präsidenten: Es reicht eine einfache Mehrheit an Stimmen. Eindeutig ist auch die Position von Kopf: Laut KURIER-Informationen wird sich der zweite Nationalratspräsident nur nominieren lassen, wenn keine Kampfabstimmung bevorstehen würde.

Fixer Zeitplan

Markus Kraetschmer (Austria) sagt in seiner Funktion als Vorsitzender des Wahlausschusses: „Ich bin zur Neutralität verpflichtet, kann aber allen nur raten: In diesen schwierigen Zeiten ist für die Bundesliga ein geschlossenes Auftreten besonders wichtig.“ Mit lange Streitigkeiten wurde – zumindest bisher – nicht gerechnet. Um 18 Uhr und damit schon vor der Weihnachtsfeier soll das Wahlergebnis verkündet werden.

Granitköpfe

Der ehemalige Tormann Karlheinz Kopf hatte im Herbst 2002 Frank Stronach (und dessen Doppelfunktion als Austria-Boss und Bundesliga-Präsident) im KURIER dermaßen kritisiert, dass der damalige ÖFB-Präsident Stickler den Wahrheitsgehalt der Kopf-Zitate anzweifelte und empört über den KURIER war. Doch Kopf stand zu seinem Wort.

Jetzt könnte Kopf der Nach-Nach-Nachfolger von Stronach, nämlich Liga-Präsident werden. Mittlerweile ist Kopf zweiter Nationalratspräsident. Ein ÖVPler war er immer schon. Allein schon deshalb hat Wahlwerbung auf einer Sportseite nichts verloren. Daher sei nur lakonisch festgestellt: Kopf ist Vorarlberger. Olympia-Präsident Stoss ist Vorarlberger. ÖOC-Generalsekretär Mennel, der am 11. Dezember auch zum Präsidenten der Eishockey-Liga gekürt werden soll, ist Vorarlberger. Herren-Ski-Chef Berthold ist Vorarlberger.

Vielleicht ist das westlichste Bundesland auch deshalb im Sport in Relation zur Einwohnerzahl überrepräsentiert, weil ein bissl Wahrheit steckt im Gerücht, wonach in jedem Vorarlberger ein Oberlehrer und ein Polizist stecke.

Eine Polizistennatur täte der Liga im Moment ganz gut. Trotzdem: Es wäre ungerecht, allein wegen des Wettskandals den Kopf des schuldlosen Liga-Präsidenten Rinner zu fordern. Nur sollte er sich den Kopf darüber zerbrechen, warum er mit seinen TV-Äußerungen gar so schlecht ankommt. Verniedlichen ist die falsche Form zur Bewältigung einer Krise.

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