Religion versus Regelwerk

Ruqaya al-Ghasara in Aktion.
Foto: rts Vorstoß: Ruqaya al-Ghasara im eigens angefertigten Anzug.

Im Vorjahr wurden Irans Fußballerinnen von der Olympia-Qualifikation ausgeschlossen, weil sie mit ihren Kopftüchern gegen die Kleiderordnung verstoßen hatten.

Im Vorjahr wurden Irans Fußballerinnen von der Olympia-Qualifikation ausgeschlossen, weil sie mit ihren Kopftüchern gegen die Kleiderordnung verstoßen hatten. 2007 hatte die FIFA die traditionelle muslimische Kopfbedeckung aus Sicherheitsgründen aus den Stadien verbannt.

Aber am Wochenende siegte dann doch die Religion über das Regelwerk: Auf Forderung der UNO entschied der Weltverband, ein neues Schleier-Modell, das sich beim Ziehen öffnet, zu erlauben. Vorerst zumindest – bis 2. Juli muss die Klettverschluss-Version den Testlauf bestehen.

Frauen in muslimischen Regionen haben prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder sie betreiben Sport in geschlossenen Räumen, zu denen Männer keinen Zutritt haben.

Verhüllt

Oder sie tragen in der Öffentlichkeit entsprechende, weite Bekleidung, die den gesamten Körper inklusive Haupthaar verhüllt. Bei Sportarten wie Taekwondo (im Iran populär) ist das dank Uniform und Kopfschutz leicht. Auch Schießen, Rudern oder Ballsportarten sind mit Kopftuch und Ganzkörper-Bekleidung möglich.

Und seit Sportartikelhersteller wie Nike Modelle nach muslimischen Standards entwickeln, steht auch einer Teilnahme an Leichtathletik-Bewerben nicht mehr im Weg. Bestes Beispiel dafür: Ruqaya al-Ghasara aus Bahrain, die bei den Asienspielen 2006 über 200 Meter die Goldmedaille holte (siehe Bild).

Pionierinnen

Im Vergleich zu anderen islamischen Ländern hat der Frauensport im Iran eine lange Tradition. Seit Anfang der Neunziger ist die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen erlaubt; seit 2005 gibt es im fußballverrückten Land auch ein weibliches Nationalteam.

Auch Pakistan hat 2005 eine weibliche Profiliga eingeführt. Saudi Arabien bleibt hingegen hart: Das Fußballspielen ist Frauen nach wie vor verboten.

"Wir müssen diesen Ländern Zeit geben. Nicht zu viel, aber ausreichend", sagt Nawal El Moutawakel, die 1984 im 400-Meter-Hürdenlauf als erste Muslimin Olympia-Gold geholt hat. Heute ist die Marokkanerin im Internationalen Olympischen Komitee für die Vergabe der Spiele verantwortlich und wird als Nachfolge-Kandidatin von Präsident Jacques
Rogge gehandelt.

Christina Leitner

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(kurier) Erstellt am
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