Sport | Fußball
08.11.2015

Hinteregger steht im Schmollwinkel

Will der Teamverteidiger, der gegen die Austria nicht im Aufgebot war, seinen Abgang aus Salzburg provozieren?

Er war der große Abwesende beim durchaus sehenswerten Schlager Austria gegen Salzburg (1:1): Martin Hinteregger. Red-Bull-Trainer Peter Zeidler hatte den Innenverteidiger zu Hause gelassen - offiziell wegen dessen Trainingsleistungen unter der Woche. "Es geht um die letzten zwei Trainingseinheiten, wo er nicht ganz bei der Sache war. Wir sind froh, dass er bei uns spielt, er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Aber es war so diese Woche, dass es im Moment für ihn sehr schwer ist, sich zu 100 Prozent zu konzentrieren", sagte der Deutsche.

Trainingsabbruch

Aber es steckt natürlich mehr dahinter, sonst hätte der Meister wohl kaum in einem der wichtigsten Spiele der gesamten Bundesliga-Saison auf den angeblich besten Verteidiger der Liga freiwillig verzichtet. Laut KURIER-Informationen schmollt der Teamspieler seit Wochen, weil Salzburg das Ziel Europacup-Gruppenphase in diesem Herbst verpasst hat. Am Donnerstag brach Hinteregger das Training ab - offiziell wegen Knieschmerzen. Dass er noch am selben Tag nach Deutschland geflogen sein und sich im Großraum Köln mit einem deutschen Bundesligisten (Borussia Mönchengladbach?) getroffen haben soll, davon weiß man bei Red Bull nichts. Eine Anfrage für Hinteregger gibt es jedenfalls keine.

Es ist nicht einmal ein Jahr her, da verlängerte Hinteregger völlig überraschend vorzeitig seinen langfristigen Vertrag bei Red Bull noch einmal bis Sommer 2019 - und das ohne Ausstiegsklausel, wie der damalige Salzburger Sportchef Ralf Rangnick extra betonte. Dass dieser neue Vertrag den Teamverteidiger, der mehrmals öffentlich ein Bekenntnis zu Red Bull abgab, zu einem der Spitzenverdiener in der Bundesliga machte, war eines der Zuckerln für den Kärntner, an dem er sich scheinbar verschluckt hat. Denn plötzlich scheint die Liebe abgekühlt zu sein.

Leistungsstagnation

Das Jahr 2015 ist nicht das Jahr Hintereggers. Seit der Vertragsverlängerung stagniert seine sportliche Entwicklung. Gerade in den Europacupspielen machte er alles andere als eine gute Figur. Beim Ausscheiden aus der Champions-League-Qualifikation in Malmö war er beim 0:3 sogar einer der Hauptverantwortlichen für die ersten beiden Gegentore. Dazu kam noch Verletzungspech. Wegen einer Bauchmuskel- und einer Meniskusverletzung fehlte er im Hebst wochenlang. Erst vor knapp zwei Wochen feierte er sein Comeback im Cupspiel gegen Ried (4:2) und patzte dabei fürchterlich.

Wie geht es nun weiter mit Hinteregger?

Zeidler verordnete ihm quasi eine Auszeit im ÖFB-Team. Mit diesem reist der 23-Jährige am Montag ins Trainingscamp im spanischen Alicante. "Er wird sicher wieder positive Erlebnisse haben, den Kopf freibekommen und dann werden wir gemeinsam mit Martin die Situation analysieren, wie es weitergeht", erklärte Zeidler. Man solle daraus aber "keine große Geschichte machen". Er wollte betont wissen, dass der Verteidiger "keine schlimmen Dinge" getan habe. "Momentan ist es einfach für ihn schwierig, das sind auch seine eigenen Aussagen." Danach wird es ein klärendes Gespräch geben.