Sport | Fußball
27.01.2015

Red Bull: Das Eigentor FC Liefering

Der Wechsel von Nils Quaschner nach Leipzig ist an einem Red-Bull-Spezifikum gescheitert.

Jedes Ding hat zwei Seiten – eine positive, aber auch eine negative Seite. Diese Erfahrung musste am Dienstag auch die Fußballabteilung von Red Bull machen. Der konzerninterne Transfer von Nils Quaschner von Salzburg nach Leipzig ist geplatzt, weil der Deutsche diese Saison schon vom FC Liefering und von Salzburg eingesetzt wurde. Für Leipzig hätte er laut FIFA-Transferregulativ nicht mehr spielen dürfen, weil es verboten ist, länderübergreifend in einer Saison für mehr als zwei Vereine zu spielen.

Erstmals hat Red Bull durch den Kunstverein FC Liefering Nachteile. Dieser war nur gegründet worden, um die Bestimmung zu umgehen, dass die zweiten Mannschaften der Klubs aus der obersten Liga nicht in der zweithöchsten Liga mitspielen dürfen. Das war nur bis ins Jahr 2010 möglich, damals mussten neben den Austria Amateuren auch die Red Bull Juniors aus der Ersten Liga zwangsabsteigen.

Der FC Liefering ist zwar de facto Salzburgs Amateurteam, allerdings de jure ein eigenständiger Klub, der von Österreichs Meister als Kooperationsverein genützt wird. Insgesamt 18 Spieler der Salzburger haben momentan den Status „Kooperationsspieler“. Diese dürfen laut ÖFB-Meisterschaftsregeln während der Saison vom Stamm- als auch vom Kooperationsklub alternierend eingesetzt werden.

Ein Spiel zu viel

Einer dieser Salzburger Kooperationsspieler beim FC Liefering war im Herbst Nils Quaschner. Der Stürmer spielte in der 1. Runde der Ersten Liga für die Lieferinger in Hartberg. Danach wurde er bis zur Winterpause in neun Pflichtspielen von Salzburg eingesetzt. Vor zwei Wochen war der Deutsche dann nach Leipzig transferiert worden. Allerdings bekam er von der Deutschen Fußball-Liga keine Spielerlaubnis. Diese hatte bei der FIFA nachgefragt, der Weltverband wiederum winkte ab und berief sich in einer schriftlichen Stellungnahme auf das für internationale Transfers gültige FIFA-Transferregulativ.

Wäre der FC Liefering übrigens das, was er in der Realität ist, nämlich die Amateurmannschaft der Salzburger, dann wäre der Transfer möglich gewesen. Dann hätte Quaschner in Österreich diese Saison nicht für zwei Klubs, sondern nur für zwei Mannschaften eines Vereins gespielt – für Salzburg in der Bundesliga und für die Red Bull Juniors, allerdings nicht in der zweithöchsten Liga, sondern maximal in der Regionalliga West.

Beispiel Prevljak

Innerhalb Österreichs könnte Quaschner in dieser Transferzeit hingegen nicht nur den Klub wechseln, sondern würde laut KURIER-Informationen von der Bundesliga auch noch für einen dritten Verein die Spielberechtigung bekommen, da er eben nur als Kooperationsspieler für Liefering gespielt hat.

Es gibt auch in dieser Saison mindestens schon einen Spieler, der für drei Vereine gespielt hat, sogar einen bei Red Bull. Smail Prevljak wurde zunächst von RB Leipzig in der 2. Deutschen Bundesliga eingesetzt. Im August wechselte der Stürmer dann nach Salzburg und wurde als Kooperationsspieler vom FC Liefering in der Ersten Liga eingesetzt. Im November debütierte der Bosnier dann auch bei Salzburg. Beim 1:4 in Altach kam Prevljak 28 Minuten zum Einsatz.

Zum Unterschied von Quaschner vollzog der Bosnier einen internationalen Transfer, nachdem er erst für einen Klub und nicht für zwei Klubs gespielt hatte. Und dies korreliert mit dem FIFA-Transferregulativ. Dass er danach für zwei Vereine in Österreich spielte, ist wiederum laut ÖFB-Meisterschaftsregeln möglich.

Auch in anderen Ländern ist es übrigens durchaus üblich, dass ein Spieler für mehr als zwei Vereine in einer Saison spielt. In England ist das sogar durchaus Normalität. Ein aktuelles Beispiel: Darren Bent spielte im Herbst zunächst für Aston Villa in der Premier League. Ende November wurde er dann nach Brighton verliehen und absolvierte fünf Partien in der Championship. Derzeit spielt Bent ebenfalls in der zweithöchsten englischen Liga, mittlerweile aber als Leihspieler für Derby County.