RB Leipzig: Mateschitz im Visier der Fans

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Foto: APA/AFP/JOHN MACDOUGALL Die Leipziger Fans sind mit ihrem Geldgeber nicht immer einverstanden.

Beim Sensationsaufsteiger entsteht eine Fankultur, die auch vor dem Big Spender keinen Respekt hat.

RB Leipzig hat sich in dieser Saison sportlich enormen Respekt verschafft. Der Aufsteiger steht schon vor dem letzten Meisterschaftsspiel am Samstag bei Eintracht Frankfurt als Kronprinz von Meister Bayern München fest.

Während die Spieler und Trainer Ralph Hasenhüttl in der Liga mittlerweile gefürchtet sind, werden die Fans von RasenBallsport Leipzig e.V. kaum ernst genommen. Aber es gibt eine aktive, junge Szene. Die sich auch nicht davor scheut, Geldgeber Dietrich Mateschitz zu kritisieren. Dabei hatte der Aue-Anhang vor zwei Jahren noch ein Spruchband in die Höhe gehalten, auf dem stand: "Ein Österreicher ruft, und ihr folgt blind. Ihr wärt gute Nazis gewesen!"

Interview des Anstoßes

Der Leipziger Fanklub Red Aces hat Ende April beim Auswärtsspiel gegen Schalke ein Transparent entrollt mit Kritik am Big Spender des eigenen Klubs: "Der Mäzen des autoritärsten Vereins, welch Witz, nennt sich selbst Pluralist." Grund der Kritik war eines der raren Interviews des 72-Jährigen. Der reichste Österreicher (laut Forbes Magazine beläuft sich sein Vermögen auf 12,6 Milliarden Euro) sagte dabei Dinge wie: "Ich bin Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist." Aber zur Flüchtlingskrise fiel ihm nur ein: " Ich rede darüber, dass keiner von denen, die ,Willkommen‘ oder ,Wir schaffen das‘ gerufen haben, sein Gästezimmer freigemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können."

Im Internet erklärten die Red Aces ein paar Tage, nachdem sie das Transparent entrollt hatten: "Akzeptanz für fremdenfeindliche und reaktionäre Positionen, mit denen Mateschitz nicht sparsam umgeht, scheinen der heilen Welt der Roten Bullen innewohnend zu sein."

Das wird Mateschitz wohl nicht sonderlich gefallen haben. Bei Widerspruch reagiert er teils ungehalten. Er wollte Servus TV schließen, weil Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollten. Fans, die RB Leipzig ablehnen, unterstellte er pauschal "Konflikt- und Gewaltbereitschaft". Und jetzt kommt Kritik direkt aus seinem Herzeigeverein. Dort ist die Fanszene allerdings noch in der Selbstfindungsphase, umfasst im harten Kern wohl nur ein bisschen mehr als 100 Aktive.

Sie gelten als links, machen Choreografien und Banner gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nicht alle Transparente mit politischen Inhalten durften sie im Stadion entrollen. "Dafür sind ein Stadion und ein Fußballspiel nicht gedacht", teilte Klub-Präsident Oliver Mintzlaff der Zeit mit. Die Wochenzeitung erinnert aber an einen Auftritt in der zweiten Bundesliga, als Mintzlaff vor einem Spiel in St. Pauli ein Trikot mit "Kein Fußball den Faschisten" hielt.

Gefahr von rechts

Auf jeden Fall müssen die Transparente, die die Fanklubs im Stadion entrollen wollen, vom Verein genehmigt werden. 2015 fiel dabei durch: "Ligaspiel und Legida – der Montag ist zum Kotzen da." Der Verein erlaubt also Transparente gegen Rassismus, hat aber auch solche gegen die islamfeindliche "Legida"-Bewegung verboten.

In den sozialen Medien schlug den Red Aces nach den jüngsten Statements teils Ablehnung entgegen, vereinzelt mit Nazi-Vokabular. Der Tenor: Sollen sie sich doch einen anderen Klub suchen, wenn ihnen die Aussagen und das Engagement von Mateschitz nicht passen. Zumal es auch rechte Gruppen von RB-Fans gibt. "Klar steht auch im Zentralstadion ein Schnitt der Gesellschaft. Leipzig liegt immer noch in Ostdeutschland, und da kommt natürlich auch Rassismus oder Sexismus ins Stadion. Aber wir als aktive Fans wollen das so nicht hinnehmen", erklärte ein Mitglied der Red Aces.

(kurier) Erstellt am
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