Sport | Fußball 05.12.2011

Rassismus-Vorwürfe im Westderby

Aufregung nach dem Schlusspfiff: Tiroler Kicker sollen angeblich farbige Salzburg-Spieler rassistisch beleidigt haben.

Am Ende wurde es richtig turbulent. Wortgefechte, Handgreiflichkeiten, Schreiduelle, Rudelbildung, einige Innsbrucker Fans sprangen sogar über die Barrikaden und konnten gerade noch von den Sicherheitskräften gebändigt werden. Das Westderby, das über weite Strecken ohne sichtbare Gehässigkeiten verlaufen war, ging in eine äußerst emotionsgeladene Verlängerung.

Eine Verlängerung, in der sich alles nur mehr um ein Thema drehte: Um Rassismus gegen farbige Spieler im Salzburger Trikot. "Wenn das wirklich so gewesen ist, dann ist das überhaupt nicht okay", erklärte Wacker-Sportchef Prudlo. Salzburg-Trainer Moniz hatte einen Tipp für seine Spieler: "Als Profi musst du das überhören."

Die Hektik und Hysterie nahm kurz vor dem Schlusspfiff ihren Ausgang. Inaki Bea, ausgefuchster baskischer Verteidiger in Diensten von Innsbruck, lag plötzlich im Strafraum auf dem Boden. Ibrahim Sekagya hatte den Basken in den Unterleib geschlagen, nachdem Inaki Bea ihn zuvor beleidigt haben soll. "Es hätte noch einmal Elfer geben müssen", meinte Wacker-Trainer Walter Kogler.

Diskussionen

Doch die Diskussionen in den Katakomben des Tivolistadions drehten sich nach Schlusspfiff nicht um die Elfmeterszene. Das Thema Nummer 1 waren die rassistischen Vorwürfe, die Salzburg-Kapitän Eddie Gustafsson auch vor laufender Kamera äußerte. "Wenn ein Tiroler Spieler zu einem farbigen Spieler von uns Neger sagt, dann gehört das nicht zum Fußball", erklärte der Torhüter.

Seine Kritik war an Georg Harding gerichtet, der während der Partie angeblich mehrmals seinen dunkelhäutigen Gegenspieler Leonardo beleidigt haben soll. Der Brasilianer stand nach dem Abpfiff auch im Mittelpunkt Verbalduelle auf dem Spielfeld.

Als Harding im Fernsehen die Vorwürfe aus dem Mund von Gustafsson hörte, stürmte er wutentbrannt aus der Kabine und wollte auf direktem Weg in die Kabine der Salzburger. "Die sollen runter von ihrem hohen Ross", maulte Harding, "das ist alles erstunken und erlogen. Ich arbeite mit vielen Mitteln, aber Rassismus gehört nicht dazu."

Harding forderte Gustafsson zu einer Aussprache auf. "Es ist eine riesige Frechheit, dass er so etwas vor der laufenden Kamera sagt. Ich erwarte mir eine Entschuldigung."

Sprach's und schickte an die Adresse des Brasilianers Leonardo gleich noch eine Botschaft: "Was glaubt der eigentlich, wer er ist? Der jammert bei jeder Berührung. Der wird bei uns in der Liga viele Freunde finden."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011