Sport | Fußball 05.12.2011

Rapidler auf Reisen

Zehn Talente warten über ganz Österreich verteilt auf die Rückkehr nach Hütteldorf.

24 Profis - und damit laut Peter Schöttel zu viele - stehen im Rapid-Kader. Nur der aktuelle Erfolgslauf verhindert das Wehklagen unzufriedener Reservisten. Der Trainer wirkt deshalb gar nicht unglücklich über gesperrte Spieler (wie in Kapfenberg Christopher Drazan und Markus Heikkinen). "Stefan Kulovits soll im Zentrum neben Prager statt Heikkinen spielen. Er hat sich das aufgrund seiner Trainingsleistungen verdient, fehlte am Montag aber krank", sagt Schöttel über den Teamspieler, der seit 1. Oktober nicht drankam.

Angesichts dieser Personaldichte stellt sich die Frage, wann die verliehenen Hoffnungsträger jemals in Hütteldorf ihre Chance bekommen sollen. Zehn Feldspieler zwischen 18 und 23 Jahren, also ein ganzes Team ohne Tormann, hat Rapid quer durch Österreich und die beiden Bundesligen verteilt. Besonders im Mittelfeld gäbe es viele Möglichkeiten zu Rückholaktionen, wie das im Rieder 3-3-3-1-System angeordnete Talente-Team (Grafik) beweist.

Umweg

Peter Schöttel will den Kader im Winter nicht grundlegend verändern.
© Bild: ap

Ex-Sportdirektor Alfred Hörtnagl baute dieses Netzwerk auf, damit niemand in der Kluft zwischen den drittklassig spielenden Amateuren und den hohen Ansprüchen beim Profiteam abstürzt. Perfekt funktioniert hat der Umweg für Tanju Kayhan. Der Außenverteidiger wurde in Wiener Neustadt (damals noch von Schöttel) aufgebaut, nach der Rückkehr zum Stammspieler und im Jahr darauf um eine Million Euro an Besiktas Istanbul verkauft.

Doch das Import-Export-Geschäft mit den Talenten kam ins Stocken. Pacult war gegenüber Spielern aus der zweiten Liga skeptisch. Und Schöttel will, wenn im Winter wie geplant Profis abgegeben werden, Amateure hochziehen. Die besten Chancen haben der 17-jährige Dominik Wydra (defensives Mittelfeld), der 19-jährige Spielmacher Kristijan Dobras und der 19-jährige Stürmer Lukas Grozurek.

"Unsere Amateure sollen sehen, dass ihre Leistungen honoriert werden", stellt Schöttel klar und vertröstet die Verliehenen: "Im Winter ist keine Rückkehr von Leihspielern geplant."

Kosten

Zehn Rapidler auf Reisen ohne Rückkehrticket? Manager Stefan Ebner beruhigt: "Die Leihverträge sind ohnehin bis Sommer abgeschlossen und wir haben bei jedem eine Option auf eine Verlängerung des Vertrages bei Rapid."

Doch Schöttel ist mit dem Leih-System nicht restlos glücklich. Zum einen entstehen für Rapid Kosten, weil oftmals Teile des Grundgehalts weiterbezahlt werden. Zum anderen sieht er "nicht bei allen das Potenzial für Rapid". Hoch im Kurs stehen bei Schöttel Muhammed Ildiz (Innsbruck) und Konstantin Kerschbaumer (Vienna), der in den Länderspielpausen stets ins Training integriert wird.

Pech für Rapid: Beide spielen am besten im zentralen Mittelfeld. Wie Stefan Kulovits - womit sich der Kreis schließt.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011