Zwist: Rapid-Präsident Krammer kritisiert Ligavertreter Rinner (l.) und Ebenbauer

© APA/BARBARA GINDL

Fußball-Ligareform
05/14/2016

Rapid sagt Stopp: "Keine überhastete Reform"

Präsident Krammer kritisiert die Liga und will "sauberen Reformprozess bis 2017".

von Alexander Huber

Seit Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer vor zwei Wochen im KURIER-Interview eine Ligareform als unausweichlich beschrieb, ist die Diskussion in vollem Gang. Die meisten Klubs haben sich positioniert, bereits Ende Mai soll das Ende der "Ersten Liga" mit Sommer 2017 beschlossen werden.

Weil sich in der zweiten Spielklasse die Gegner formieren, wäre für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit grünes Licht von Rapid immens wichtig. Im KURIER-Gespräch positioniert sich Klub-Präsident und Liga-Aufsichtsrat Michael Krammer erstmals: "Rapid ist für einen sauberen Reformprozess. Aber dieser überhasteten Reform werden wir nicht zustimmen. Das Vorgehen der Bundesliga ist hochgradig unprofessionell. Außerdem verstehe ich nicht, warum der Panikknopf gerade jetzt gedrückt werden musste."

Viele offene Fragen

Krammers Kritik umfasst mehrere Punkte. Am meisten enttäuscht ihn, dass so viele Fragen offen seien: "Nach einem Rundruf weiß ich, dass von den vielen Konsequenzen und Problemen durch die Umstellung auf das Format 12 + 16 nichts geklärt wurde."

Wie soll der TV-Vertrag angepasst werden? "Bis zum letzten Wochenende wurde der ORF-Sportchef nicht einmal kontaktiert." Auch bei Sky ist nicht alles geklärt. Wer soll die zweite Spielklasse im TV übertragen? "Da brechen Einnahmen weg. Das wird der ÖFB sicher nicht alles ausgleichen. Selbst im Reformpapier steht, dass die Finanzierung der zweiten Liga ,fraglich‘ sei." Wie soll in der Zwölferliga der Einnahmenverlust durch 32 Spiele (statt 36) aufgefangen werden? "Wir haben es für Rapid durchgerechnet. Das Minus beträgt über eine Million."

Umwidmung gefordert

Das Hauptargument der Bundesliga und den Reform-Befürwortern ist der Wartungserlass: Die Vereine müssen auf Kapitalgesellschaften umbauen, viele Zweitligisten wären damit finanziell überfordert. "Es geht dabei um rund 200.000 Euro pro Jahr", rechnet Krammer, der vorschlägt: "Alle Klubs zahlen 4,5 % Ticketabgabe an die Bundesliga und die Landesverbände. Dieses Geld soll für den Wartungserlass umgewidmet werden. Außerdem ist mit dem Finanzministerium ja gar nicht geklärt, ob eine Halbprofi-Liga wirklich vom Wartungserlass ausgenommen werden würde."

Krammer nimmt auch die Bundesliga in die Pflicht: "Seit 2009 ist der TV-Vertrag nicht besser geworden. Das Liga-Sponsoring sogar schlechter. Und anstatt um mehr Fans bei den Klubs zu kämpfen, werden lieber Auswärtsfahrer prämiert. Kann dort jemand ,Marketing‘ überhaupt buchstabieren?"

Wie geht’s weiter? Nach Krammers Vollbremsung wäre es typisch für Österreich, dass der Reformprozess versandet und die Erste Liga langsam wegstirbt. Krammer widerspricht: "Wenn alle Stakeholder beteiligt werden, also auch Sponsoren und TV-Partner, können wir im kommenden Jahr eine Reform schaffen, die ab 2018 statt 2017 gilt. Da 2018 die TV-Verträge auslaufen, wäre das ohnehin der geeignetere Zeitpunkt für die Reform."

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