Fingerzeig: Terrence Boyd will mit Rapid das Maximum erreichen – drei Punkte in Thun etwa.

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Europa League
09/19/2013

Rapid: Nur dabei sein ist längst nicht alles

Rapid will in der Gruppe G mitplaudern – in Thun soll damit begonnen werden.

von Alexander Huber

Auffallend entspannt und zuversichtlich präsentierten sich die Rapidler bei der Reise über Bern nach Thun zum Auftakt der Europa League auf Kunstrasen (21.05 Uhr/ORFeins, Sky, SRF2 live). Während beim Start in Tripoli für viele Talente das Europacup-Debüt und in Tiflis gegen Gori die finanzielle Zukunft des Vereins auf dem Programm stand, geht es gegen die heimstarken Schweizer in der Gruppenphase um die Kür.

„Das Maximum zu geben, ist dabei das Minimum. Ich bin sicher, dass wir von den positiven Erfahrungen dieser Saison schon profitieren können“, erklärt Trainer Zoran Barisic, der nach vielen Wochen mit einem Rumpfkader wieder taktieren kann und echte Alternativen auf der Bank hat. Stürmer Terrence Boyd, der nicht nur auf dem Feld offensiv agiert, nimmt seine Kollegen in die Pflicht: „Wir fahren sicher nicht nach Thun, um nur einen Punkt mitzunehmen. Wir müssen uns lediglich schnell an den Kunstrasen gewöhnen.“

Allerdings hat Rapid von neun Auswärtsspielen in der Gruppenphase sieben verloren und nur eines (2010 in Sofia) gewonnen. Negative Überraschungen sollte es nicht geben: Barisic hatte neben Chef-Scout Fritz Riedmüller auch einen jungen Kollegen aus der Trainerausbildung als Insider-Quelle und „weiß alles über Thun“.

Teuer verkauft

Neu ist für die Hütteldorfer die Umgebung: Thun wirkt wie die Idylle auf dem Land, in der gesamten Region wohnen nur 50.000 Menschen. Während die 1000 Tickets für Rapidler schon lange ausverkauft sind, wurden die 9000 Karten der Heimischen noch nicht abgesetzt. Die Schweizer wissen hingegen die schöne Landschaft mit Blick auf Jungfraujoch und Thuner See gut zu verkaufen: Von Rapid-Fans werden in einer Jugendherberge für einen Platz im Fünfer-Gemeinschaftszimmer ohne Dusche 90 Euro pro Nacht verlangt, ohne dabei rot zu werden. Dafür soll immerhin das Müsli inklusive sein.

Boyd hat diese europäische Bühne der zweiten englischen Liga und dem Angebot aus Bournemouth vorgezogen: „Die wollten mich im August verpflichten. Aber ich wechsle nicht nur wegen eines höheren Gehalts.“ Im Vorjahr hatte der US-Teamspieler noch Ex-Trainer Schöttel mit seinem extremen Optimismus überrascht. „Terrence würde am liebsten aufs Triple losgehen: Meister, Cupsieger und Europacup-Sieg“, erzählte Schöttel. Auch heuer hat der 22-Jährige nach seiner Verletzung und zwei Toren in den letzten beiden Liga-Spielen Großes vor: „Ich gehe in jeden Bewerb, um möglichst viel zu gewinnen. Vom Olympischen Geist halte ich in der Europa League nichts – nur dabei sein, ist zu wenig.“

FC ThunRapid Wien
(SR Kakos/Grie).

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Der FC Thun ist unberechenbar

Heinz Peischl, 49, kennt den Schweizer Fußball wie kaum ein anderer. Der einstige Teamchef-Assistent von Dietmar Constantini saß von 2006 bis 2007 beim heutigen Rapid-Gegner FC Thun auf der Trainerbank. Derzeit ist Peischl als Sportchef von St.Gallen auf Erfolgskurs. Der Traditionsverein hat sich ebenfalls für die Europa League qualifiziert und spielt zum Auftakt gegen Krasnodar (Rus).

KURIER: Herr Peischl, was erwartet Rapid heute in Thun?
Heinz Peischl: Einmal ein Kunstrasenplatz, auf dem sich die Thuner Spieler sehr wohlfühlen. Und dazu eine Mannschaft, die sehr unberechenbar ist und deshalb unangenehm werden kann.

Inwiefern unberechenbar?
Erstens: Das ist ein Kollektiv ohne Stars. Und zweitens: Thun hat alles im Repertoire. Konterfußball, kreativen Fußball, dazu sind sie sehr kampfstark. Rapid und Thun sind zwei Teams auf Augenhöhe. Ich finde den Quervergleich Schweiz gegen Österreich jedenfalls sehr spannend. Beim letzten Mal hat Salzburg zwar den FC Zürich besiegt, aber Zürich war eigentlich um zwei Klassen stärker.

Keine Freikarten für Rapid und Salzburg

Die Generalprobe für den ersten Europa-League-Abend der Saison haben beide österreichische Mannschaften mit Bestnoten bestanden. Während die Hütteldorfer in der jüngsten Runde der Meisterschaft Wacker Innsbruck mit 4:0 abfertigten, demütigte Salzburg den Tabellendritten aus Ried mit einem souveränen 5:0-Erfolg. Auf internationalem Parkett warten auf die heimischen Europacup-Starter jedoch vermeintlich stärkere Gegner. Rapid muss gegen den FC Thun auf Kunstrasen in der Schweiz bestehen, Salzburg empfängt den sechsfachen schwedischen Meister IF Elfsborg in Wals-Siezenheim.

FC Thun
Der FC Thun erreichte in der vergangenen Spielzeit der Schweizer Super League zwar nur den fünften Tabellenplatz, startete heuer aber recht gut in die Saison. Nach sieben Spielen liegen die Eidgenossen nur drei Zähler hinter dem Tabellendritten FC Basel zurück. Auch die letzte nationale Hürde vor dem Europa League-Heimspiel gegen Rapid wurde mit Bravour genommen: Der Kleinstadtklub, dem vor drei Jahren der Wiederaufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse gelungen war, stieg mit einem 3:0 beim Zweitligisten Locarno mühelos ins Cup-Achtelfinale auf. „Thun ist eine sehr gut organisierte, gefestigte Mannschaft, die im Spiel einen hohen Aufwand betreibt", analysierte Rapid-Coach Zoran Barisic. „Sie agieren sehr gut gegen den Ball, viele Spieler schalten sich in die Offensive ein.“

Gefährlich werden könnte vor allem der 21-jährige Josef Martinez, der bereits elf Mal für das Nationalteam von Venezuela aufgelaufen ist und für den FC Thun in sieben Ligaspielen sechs Mal traf. Die Schwachstelle der Schweizer liegt eindeutig in der Defensive, mit zwölf Gegentoren kassierten sie die zweitmeisten der Liga. Auf dem Weg in die Europa League zeigten die Eidgenossen, dass sie auch gegen größere europäische Klubs bestehen können. Mit einem Gesamtscore von 3:1 warfen sie den serbischen Meister Partizan Belgrad aus dem Europacup-Rennen.

"Thun ist nicht umsonst in der Europa League, hat gute Gegner ausgeschaltet, aber wir wollen mit drei Punkten heimkommen", zeigt sich Rapids Offensivspieler Guido Burgstaller dennoch siegessicher.

IF Elfsborg
Salzburgs Gegner, der schwedische Meister IF Elfsborg hat bereits 23 Ligaspiele in den Beinen, denn das erste Spiel der Allsvenskan-Liga wurde Ende März angepfiffen. Mit 37 Punkten befindet sich der sechsfache schwedische Meister derzeit nur auf dem fünften Tabellenplatz. „Elfsborg ist ein sehr kompaktes und körperlich robustes Team, von daher ein sehr unangenehmer Gegner“, warnt jedoch Salzburg-Trainer Roger Schmidt. „Wenn es uns aber gelingt, auch in diesem Spiel jenen Fußball zu zeigen, den wir zuletzt gespielt haben, bin ich sehr optimistisch.“

Von den letzten neun Ligaspielen konnte der Klub aus der südschwedischen Stadt Boras nur drei gewinnen. Zuletzt feierte Elfsborg jedoch einen 4:1-Heimerfolg gegen den Tabellenneunten Norköpping. Für Salzburgs schwedischen Ersatztorhüter Eddie Gustafsson wird der Europa League-Auftakt ein besonderes Spiel: „Seit ich in Salzburg bin, hatte ich immer den Wunsch, dass wir einmal einen schwedischen Gegner bekommen”, freut sich Gustafsson. Auf die leichte Schulter nehmen, möchte der 36-Jährige den Gegner trotzdem nicht: „Elfsborg ist eine sehr gute Mannschaft. Wir dürfen sie auf keinen Fall unterschätzen, sie sind so weit gekommen wie wir.“

(von Kordian Prokop)

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