Sport | Fußball 24.04.2012

Rapid-Fan attackierte Okotie

© Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Sturms Okotie wurde vor dem Hanappi-Stadion angegriffen. Die Polizei sah zu, Sturm leitet rechtliche Schritte ein.

Die Partie Rapid gegen Sturm hat ein Nachspiel. Und zwar als Fall für die Polizei. Rund eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff beim 1:1 wurde Sturm-Angreifer Rubin Okotie vor dem Hanappi-Stadion auf dem Weg zum Mannschaftsbus von einem vermummten Rapid-Fan attackiert. Okotie, der unverletzt blieb, erzählt: "Es ist alles sehr schnell gegangen. Ich habe einen Schlag auf den Kopf bekommen, die Polizisten standen nur da und haben zugeschaut."

Michael Neugebauer vom Zentrum für Sport­angelegenheiten im Innenministerium bestätigt einen Polizeibericht über "eine Ohrfeige für Okotie von einem unbekannten Täter, der flüchten konnte".

Entschuldigung

Sturm reagierte am Montag. "Wir haben bei der Bundesliga und bei der Polizei Anzeige erstattet. Hier geht es nicht um Rapid oder Sturm, hier geht es um Gewalt", sagt Sturm-Geschäftsführer Christopher Houben. Rapid entschuldigte sich in einer offiziellen Aussendung bei Okotie, der aus dem Rapid-Nachwuchs kommt und seit seiner Austria-Zeit als Feindbild vieler Fans in Hütteldorf gilt.

"Wir verurteilen diesen Zwischenfall aufs Schärfste. Ich will bei diesem Angreifer bewusst nicht von einem 'Fan' sprechen, weil so ein Verhalten einfach nicht zu akzeptieren ist", erklärt Rapid-Sprecher Peter Klinglmüller.

Absolut kein Verständnis hat Okotie für die Provokationen der Rapid-Fans. "Ich bin die ganze Zeit über beschimpft worden. Wenn dabei auch meine Mutter beleidigt wird, überschreitet das die Grenzen."

Doch keine Gelbe

Als der Ex-Teamspieler nach seinem Treffer demonstrativ vor der Westtribüne jubelte, vermerkte Liga-Partner Impire im Spielbericht dafür eine Gelbe Karte. "Wenn ich nach einem Tor nicht mehr jubeln kann, verstehe ich die Welt nicht mehr", wunderte sich der von Nürnberg bis Sommer Ausgeliehene.

Am Montagabend stellte sich heraus, dass Okotie in Wahrheit von Schiedsrichter Gangl lediglich verbal ermahnt wurde, die Fans nicht zu provozieren. "Gottseidank! Alle haben mir gesagt, dass es Gelb war", sagte Okotie erleichtert, als er vom KURIER vom Missverständnis informiert wurde.

Noch unklar ist, ob Rapid erneut für diese Fan-Verfehlung zahlen muss. Alleine seit Februar fielen beim Verein 40.000 Euro für Strafen aufgrund des eigenen Anhangs an. Erst vergangene Woche versuchten Fans vor dem Derby, die Fan-Räume der Austria in der Generali-Arena zu stürmen.

30.000 Euro

Laut den Statuten der Bundesliga ist der Gastgeber für die "Sicherheit im Zusammenhang mit dem Spiel" verantwortlich. Rapids Klub­service-Leiter Andy Marek erklärt: "Bei der Sicherheitsbesprechung hat der Liga-Beauftragte unterschrieben, dass der Gäste-Bus von der Polizei gesichert wird." 30 bis 35 Uniformierte waren auch vor Ort, konnten den Täter aber weder bremsen noch nach der Attacke stellen.

30.000 Euro kostet Rapid das Sicherheitsaufgebot pro Heimspiel. Michael Neugebauer vom Innenministerium sagt: "Personenschutz für Spieler wäre noch teurer und ist auf Kosten der Steuerzahler nicht finanzierbar. Ob in diesem Fall Rapid zu zahlen hat, muss die Liga entscheiden." Trotz der Causa Okotie sieht Neugebauer, der selbst aus der Fan-Szene kommt, eine positive Entwicklung: "Seit drei Jahren ist die Gewaltbereitschaft in Österreichs Stadien statistisch gesehen rückläufig."

 

Erstellt am 24.04.2012