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17.01.2013

Prödl: „Haben uns Respekt verschafft“

Sebastian Prödl war 2008 einer der ersten der aktuell 19 Österreicher in der Deutschen Bundesliga.

Bremens Innenverteidiger Sebastian Prödl freut sich auf den Hit gegen Dortmund am Samstag.

KURIER: Herr Prödl, wie haben Sie Ihren kurzen Weihnachtsurlaub verbracht?

Sebastian Prödl: Ich war zuhause in der Steiermark und habe mich erholt. Aber natürlich parallel auch ein wenig trainiert. Nichts tun geht nicht, sonst verliert man ja die Kondition.
Was haben Sie sich für 2013 vorgenommen?
Mit Gelassenheit an die Dinge heranzugehen. Das ist ein wichtiger Punkt. Ich versuche, mir Ziele zu setzen, sie zu erreichen aber dabei nicht zu versteifen. Für mich ist auch wichtig, dass ich fit bleibe und meinen Job genießen kann. Ich bin bei einem tollen Verein und habe ein tolles Umfeld, indem ich mich sehr wohl fühle. Als Spieler möchte ich noch routinierter und abgeklärter werden.
Sie wurden beim Test gegen Osnabrück am Montag verletzt ausgetauscht. Sind Sie fit?
Ja. Es war nur eine Verhärtung. In einem Meisterschaftsspiel hätte ich weitergespielt, die Auswechslung war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Ich geh’ davon aus, am Samstag gegen Dortmund zu spielen.
Ist Dortmund der ideale Gegner, um gut in die Meisterschaft zu starten?
Wann du gegen wen spielst, ist wurscht. Dortmund ist eine Riesenaufgabe, die kommen mit einer brutal starken Offensive. Da wissen wir gleich, wo wir stehen.
Wie stehen die Chancen?
Dortmund ist Favorit, aber wir haben daheim eine positive Bilanz. Es wird ein enges Gezerre. Leider fehlt Marko Arnautovic wegen einer Gelbsperre.
Apropos Arnautovic: Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?
Die Situation, dass sein Vertrag in eineinhalb Jahren ausläuft, beflügelt ihn doppelt. Er hat bis jetzt eine gute Saison gespielt, das ist eine gute Basis. Man darf aber noch mehr Konstanz verlangen und erwarten.
Sie waren 2008 einer der ersten Österreicher von den aktuell 19 in der Deutschen Bundesliga. Sie dürften Pionierarbeit geleistet haben. Freut Sie das?
Ohne arrogant klingen zu wollen, werte ich das schon als persönlichen Erfolg. Ich bin ein wenig stolz darauf.
Mittlerweile treffen Sie fast wöchentlich einen Kollegen aus dem Nationalteam.
Und einige davon sind schon Stammspieler. Wir geben ein gutes Bild ab. Als ich 2008 gekommen bin, wurden wir noch viel öfter als „Ösis“ verniedlicht. Wir haben uns aber Respekt und Anerkennung verschafft, auch weil wir die Deutschen im September an den Rand einer Niederlage gebracht haben. Und unsere Nationalmannschaft wird auch ganz anders wahrgenommen, weil man die Spieler aus der Liga kennt.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Deutschen Bundesliga?
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EPA
Sebastian Prödl
Man braucht nur zu schauen, welche Transfers deutsche Klubs tätigen, welche Topstars hier spielen oder noch kommen wollen. Dass Guardiola zu den Bayern kommt, kann man als Paradebeispiel dafür gelten lassen, dass die Liga großes Interesse geweckt hat. Deutschland verkauft sich einfach extrem gut, durch tolle Stadien und Strukturen.
Und Sie als Spieler müssen sich nicht – wie etwa in Spanien – Gedanken darüber machen, ob das Gehalt überwiesen wird.
Das ist schön, weil ich der Typ bin, der gerne auf der sicheren Seite steht. Generell wirst du in Deutschland keinen Verein in den ersten zwei Ligen finden, der nicht strukturell top aufgestellt ist. Finanzielle Probleme sind minimal. Das würde nie in große Schulden ausarten.
Wie sehen Sie die Deutsche Liga im internationalen Vergleich?
England ist von den Namen der Spieler eine größere Nummer. Aber von den Leistungen haben die deutschen Teams schon ein bisserl mehr erreicht. Dortmund hat Manchester City eliminiert, Schalke hat sich gegen Arsenal durchgesetzt. Okay, Chelsea hat die Champions League gewonnen. Aber wie, das lassen wir mal so dahingestellt.
Gehört Dortmund jetzt zur internationalen Spitze?
Es war schon beeindruckend zu sehen, wie sie international aufgetreten sind. Da hab ich mich schon mitgefreut. Es ist lässig, sich mit diesen Spielern zu messen.
Sie haben bereits in der Champions League gespielt. Ist es ein Ziel, wieder dorthin zu kommen?
Natürlich. Es macht mehr Spaß dabei zu sein, als am Mittwochabend vor dem Fernseher zu sitzen.
Schafft Bremen heuer noch einen internationalen Startplatz?
Wir sind auf Platz zwölf, haben aber nur vier Punkte Rückstand. Die Chancen stehen nicht so schlecht, aber für mehrere Teams. Es wird bis zum Schluss ein enges Rennen. Vor ein paar Jahren noch haben vier oder fünf Mannschaften darum gekämpft. Jetzt sind es zehn. Auch das spricht für die Qualität in der Liga.

Deutschland trägt Rot-Weiß-Rot