Sport | Fußball
13.05.2017

Premier League: Chelsea und der "Conte-Effekt"

In seiner ersten Saison auf der Insel krönte sich Antonio Conte zum Premier-League-Sieger.

Trainer Antonio Conte hat Chelsea wieder an die Spitze der englischen Fußball-Premier-League geführt. Gleich in seiner Debütsaison auf der Insel holte der ehemalige italienische Teamchef mit den "Blues", die in der Vorsaison nicht über Platz zehn hinausgekommen waren, den Titel und wurde dementsprechend von den britischen Medien gefeiert. So pries etwa die BBC den "Antonio-Conte-Effekt".

Der Erfolgscoach rang nach dem entscheidenden 1:0-Sieg am Freitagabend in West Bromwich um Worte. Mit dem Gewinn der Premier League sei "ein Traum wahr geworden", erklärte Conte. Kurz darauf unterbrachen David Luiz und Diego Costa seine Pressekonferenz mit lauten "Campiones"-Gesängen. Unter dem Gelächter der Journalisten trugen die Spieler ihren Trainer kurzerhand aus dem Presseraum. Schließlich durfte der Chef beim Feiern der sechsten englischen Fußball-Meisterschaft in der Club-Geschichte nicht fehlen.

Conte als Gegenentwurf zu Mourinho

"Der Trainer übernahm ein Durcheinander und hat daraus eine Titel gewinnende Mannschaft geformt - mit seinem taktischen Verstand, strenger Arbeitsmoral und damit, dass er den Spaß zurückgebracht hat", würdigte die Tageszeitung " Guardian" am Samstag die Leistung von Conte, der zum vierten Mal in Serie Meister wurde. Vor seinem Engagement als Italiens Nationaltrainer hatte er mit Juventus Turin von 2012 bis 2014 dreimal en suite den "Scudetto" in der Serie A geholt.

Der 47-Jährige räumte ein, es sei nicht leicht für ihn gewesen, "in England anzukommen, andere Gewohnheiten und eine andere Sprache zu lernen und Spieler nach einer schlechten Saison zu übernehmen". Er ist der vierte Italiener, der die Premier League gewinnt. Im Vorjahr hatte es sein Landsmann Claudio Ranieri sensationell mit Leicester City und dem damaligen ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs geschafft.

"The Independent" sah in Conte den Gegenentwurf zu seinem extrovertierten Vorgänger, der mit dem Club aus dem Westen Londons zuletzt 2015 Meister geworden war: "Antonio Conte zeigt Jose Mourinho, dass man Titel auch anders gewinnen kann", schrieb die Zeitung. Er habe "in den letzten Monaten weniger geredet, weniger ausgegeben und weniger kritisiert und seinen Blick auf das Wesentliche gerichtet."

Schlüsselspieler N'Golo Kante

Im Gegensatz zu Mourinho setzt Conte auf Harmonie. Unter ihm fanden deshalb Spieler wie Diego Costa (20 Tore) und Eden Hazard (15) zu alter Stärke. Und Viktor Moses, der sich zuvor in vier Jahren an der Stamford Bridge nicht durchgesetzt hatte und mehrfach verliehen worden war, ist jetzt Stammspieler. Das Tor zum Titel erzielte "Joker" Michy Batshuayi. Der Belgier twitterte später scherzhaft: "Keine Sorge, ich mach das schon."

Die mitgereisten Chelsea-Anhänger feierten in West Brom auch den Franzosen N'Golo Kante. Der Mittelfeldspieler war in der Vorsaison schon mit Leicester Meister geworden und gilt in England nun als Titelgarant. Zur Melodie von Spandau Ballets 80er-Jahre-Hit "Gold" sangen die Fans: "Du bist unzerstörbar, glaubst immer dran, N'Golo!"

Meistermacher Conte dachte dagegen in der Stunde des Triumphes schon weiter: "Es ist eine großartige Saison, aber jetzt können wir noch den FA Cup gewinnen." Am 27. Mai hat Chelsea im Finale gegen den Londoner Lokalrivalen Arsenal die Chance auf das Double.