In der Europa League schied Markus Berger (li.) mit Odessa zuletzt gegen Olympique Lyon aus, jetzt ist er auf dem Heimweg.

© Reuters/ROBERT PRATTA

Interview
03/04/2014

Politische Unruhen: Berger löst Vertrag in Odessa auf

"Es liegt eine Spannung in der Luft, dass es fast knallt", sagt der Salzburger, der mit seiner Familie auf dem Weg nach Österreich ist.

von Andreas Heidenreich

Markus Berger ist seit Mittwoch arbeitslos, aber um einige Sorgen erleichtert. Der 29-Jährige löste seinen Vertrag bei seinem Klub Tschernomorez Odessa aufgrund der politischen Situation in der Ukraine auf. Der KURIER erreichte den Salzburger auf der Heimreise.

KURIER: Herr Berger, Sie haben Ihren Vertrag aufgelöst. Wie ist es dazu gekommen?

Markus Berger: Meine Familie steht jetzt für mich im Vordergrund. So wie momentan die Situation in Odessa ist, war es für mich unmöglich, weiter zu machen. Deshalb hab’ ich mich – so wie vier andere Legionäre auch – dazu entschieden, meinen Vertrag, der noch bis Ende Dezember gelaufen wäre, aufzulösen.

Hat sich der Verein gegen die Vertragsauflösung gewehrt?

Nein, im Gegenteil. Der Verein hat uns diese Option angeboten. Und das obwohl man überglücklich mit uns war. Aber an Fußball ist derzeit überhaupt nicht zu denken. Der Verein hat auch allen anderen Spielern eine Woche Pause gegeben, um einfach abzuwarten, was passiert. Im ukrainischen Fußball weiß kein Mensch, wie es weitergeht. Man muss einfach die nächste Zeit abwarten. Die nächsten Spiele wurden einmal abgesagt.

Wie können Sie die Lage in Odessa beschreiben?

Es liegt eine Spannung in der Luft, dass es fast knallt. Ich habe in Odessa in der Stadt gewohnt und daher auch relativ viel mitbekommen, wenn einmal eine Demonstration war. Es gibt irrsinnig viele Proteste, zig tausende Leute stehen auf der Straße. Teilweise mit Baseballschlägern. Jeder vertritt seinen Standpunkt. Gewalt ist noch keine ausgebrochen, aber es kann jederzeit etwas passieren. Wenn man mit dieser Angst leben muss, ist das nicht angenehm. Das möchte ich nicht miterleben.

Wie geht es für Sie jetzt weiter?

Ich bin gerade mit meiner Frau und meinem 18 Monate alten Sohn mit dem Auto unterwegs nach Hause nach Salzburg. Wir werden in Rumänien übernachten und morgen weiter fahren. Für mich ist wichtig, dass für uns jetzt wieder Ruhe einkehrt. Die letzten Tage waren nicht einfach.

Sie waren seit Jänner 2012 in Odessa. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Ich war irrsinnig glücklich in der Ukraine, weil wir mit dem Klub große Erfolge hatten. Wir waren zuletzt in der Europa League im Sechzehntelfinale und gegen Lyon im Rückspiel sogar die bessere Mannschaft. Die ukrainische Liga ist auch extrem stark, die finanziell starken Klubs wie Donezk, Charkiw, Dnjepropetrowsk oder Dynamo Kiew haben alle sehr viele tolle Fußballer. Deshalb hat es mir auch getaugt, hier zu spielen.

Am Mittwoch trifft das Nationalteam auf Uruguay. Sie waren bisher kein Thema bei Marcel Koller. Enttäuscht?

Enttäuscht nicht. Ich habe in den letzten Jahren mit Leistungen auf internationalem Niveau auf mich aufmerksam gemacht. Ich möchte mich weiterhin empfehlen und weiterhin super Leistungen bringen. Es bleibt ein Traum von mir, dass es irgendwann mit der Nationalmannschaft klappt. Ich bin jetzt mit 29 Jahren im besten Fußballeralter. Ich hoff’, dass mich der Herr Koller einmal dazu nimmt. Das wäre ganz stark. Kontakt gab es bisher leider noch keinen.

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