Sport | Fußball
30.07.2017

Pfeiler: "Einstieg nach der Schwangerschaft war schwer"

Österreichs Torfrau Jasmin Pfeiler ist eine der wenigen, die nach der Babypause ein Comeback wagten.

Jasmin Pfeiler ist im österreichischen Teamcamp im niederländischen Städtchen Wageningen so etwas wie die Mutter der Truppe. Die Wienerin wurde am Freitag 33, Teamküken Klein ist 18. Und damit um sechs Jahr älter als Pfeilers Tochter.

Jasmin Pfeiler ist die einzige Mutter im österreichischen Team. Sie ist nicht nur einmal nach der Babypause zurück in die österreichische Bundesliga gekommen. Sie gab auch vor drei Jahren ein Comeback nach der Geburt ihres Sohnes. "Der Einstieg nach der Schwangerschaft war schwer, vielleicht von der Pause her ähnlich wie nach einem Kreuzbandriss", sagt Pfeiler. Sie spielt beim niederösterreichischen Bundesligaklub Altenmarkt. Einmal hatte sie die Chance, ins Ausland zu wechseln. Und was ist passiert? "Es kam ein Kind dazwischen."

Spitzensport nach der Babypause? 368 Spielerinnen schienen in 16 EM-Kadern auf. "No mothers. No mothers." Die ersten Antworten der Pressesprecher der teilnehmenden Länder trudelten schnell ein. Bis sich England meldete: Casey Stoney ist Mutter von Zwillingen. Allerdings ergab die Nachfrage, dass die Babypause fehlte. Stoneys Partnerin Megan Harris hatte die Kinder zur Welt gebracht.

Mutterland Island

Und so bekam die Geschichte einen zweiten Aspekt: Mutterrolle und Spitzensport einerseits.Und Comeback nach der Schwangerschaft andererseits. Zweiteres gibt es nur in den EM-Kadern von Österreich und Island. Málfríður Sigurðardóttir hat drei Kinder zur Welt gebracht. Harpa Þorsteinsdóttir hat ihren zweiten Sohn (das dritte Kind hat ihr Mann in die Ehe mitgebracht) im Februar bekommen und war bei der EM noch nicht in Topform. Sif Atladóttir ist die vierte Spielerin, die nach Schwangerschaft und Geburt bei der EM dabei ist. Die Liebe zum Fußball hat sie wieder auf den Platz getrieben. Pfeiler: "Ich habe die Schwangerschaft zwar genossen, aber es hat mir auch ein wichtiger Teil des Lebens gefehlt."

Die Mutterrolle ohne Schwangerschaft hat nicht nur die Engländerin Stoney inne. Die niederländischen Teamspielerinnen gratulierten im April Sherida Spitse zur Geburt ihres Sohnes, die Pressesprecherin schrieb: "We have one mother in our team. The girlfriend of Sherida Spitse gave birth to a baby boy this year." Die Mutter des Jungen heißt Joleen.

Die Isländerin Sandra Sigurðardóttir hat eine registrierte Partnerschaft mit der ehemaligen Spitzenhandballerin Hafdís Hinriksdóttir und hat mit ihr zwei Kinder, 12 und 4 Jahre alt.

Der schwedische Verband gab sich bei so privaten Dingen wie Mutterschaft verschlossen. "Zwei Mütter", ließ sich der Pressesprecher aber letztendlich entlocken. Recherchen ergaben, dass beide Mütter keine Babypause eingelegt haben. Torfrau Hedvig Lindhal ist seit 2011 mit ihrer Ehefrau Sabine verheiratet und hat einen 2014 geborenen Sohn. Lisa Dahlqvist hat mit ihrer Frau Jessica Danielsson eine Tochter mit dem Namen Penny.

Demnächst wird auch Nilla Fischer Mutter, ihre Frau Mika ist schwanger. Die Schwedin ist mit ihren bald 33 Jahren eine Kämpferin für die Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Dieses Jahr lief sie gegen Bayern München als Kapitänin von Wolfsburg mit einer regenbogenfarbenen Schleife auf.

Im isländischen Team ging es besonders familiär zu. Harpa Þorsteinsdóttir hatte ihren fünf Monate alten Sohn auch bei den Interviews in der Mixedzone dabei. Auch die Frau von Sandra Sigurðardóttir war mit den Kindern im EM-Land.

Geburtstagskind Pfeiler

Jasmin Pfeiler hingegen wollte die Kinder nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen. Die beiden sind bei den Großeltern und beim Vater. Sie selbst konzentriert sich voll auf die EM, um bereit zu sein, falls Manuela Zinsberger einmal doch nicht das Tor hüten kann. Vom Teamgeist im Teamcamp ist sie begeistert. Am Freitag bekam sie zum Frühstück von den Mitspielerinnen ein Ständchen serviert anlässlich ihres 33. Geburtstages. Pfeiler: "Unter den Spielerinnen herrscht enormer Zusammenhalt, der Altersunterschied ist kein Thema. Ich kann jederzeit auch zu den jungen Spielerinnen gehen, wenn ich etwas brauche. Und natürlich umgekehrt."

Das Leben nach der EM bringt für Pfeiler eine neue Herausforderung: Sie möchte sich als Installateurin selbstständig machen.