2005 traf Petrzalka noch auf Inter und Superstar Figo.

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Fußball
07/20/2015

Der tiefe Fall in der Nachbarschaft

2005 spielte Petrzalka wie Rapid in der Champions League, heute ist der Klub aus Bratislava nur mehr ein Fünftligist.

von Stephan Blumenschein

Es ist zehn Jahre her, da machte die Champions League nicht nur in Wien Station, sondern auch im nahen Bratislava. Zum ersten und bisher letzten Mal qualifizierte sich im Sommer 2005 ein Klub aus der slowakischen Hauptstadt für die europäische Eliteliga.

Und zwar nicht die renommierten Klubs Slovan oder Inter, sondern Artmedia Petrzalka. Der Verein aus der Plattenbausiedlung südlich der Donau, die man kilometerweit sieht, wenn man von Wien Richtung Slowakei fährt, machte in der Champions League 2005/’06 eine wesentlich bessere Figur als Österreichs Meister.

Während Rapid in einer Gruppe mit Bayern, Juventus und FC Brügge punktelos Letzter wurde, blieb Petrzalka gegen Porto (3:2 und 0:0) sowie die Glasgow Rangers (0:0, 2:2) ungeschlagen. Nur gegen Inter Mailand setzte es zwei Niederlagen (0:1, 0:4). Der slowakische Meister wurde Gruppendritter.

Zehn Jahre danach ist das ganz anders. Während Rapid wieder von der Champions League träumen darf und in der 3. Qualifikationsrunde auf Ajax trifft, erinnert in Petrzalka nur mehr ein Transparent am Eingang des "Stadion FC Petrzalka Akademia" an glorreiche Zeiten.

Mini-Stadion

Das Stadion, in dem der Klub seit 2012 spielen muss, ist eigentlich ein Schulsportplatz mit einer kleinen Stahlrohrtribüne, die gerade einmal 450 Fans Platz bietet – versteckt hinter der "Ecole française de Bratislava".

Der tiefe Fall des zweifachen slowakischen Meister erlebte 2014 seinen negativen Endpunkt mit dem finanziellen Kollaps. Der Klub musste ganz neu beginnen – in der V. Liga Bratislava-Stadt. Statt Inter, Porto oder den Rangers waren vergangene Saison Volkswagen Bratislava, TJ Jarovce oder SK Krasnany die Gegner.

Dass es heute, ein Jahr nach dem Konkurs, noch einen Verein gibt, der die Tradition des schon 1898 gegründeten zweifachen slowakischen Meisters fortführt, liegt alleine an der Nachwuchsabteilung. Die Kinder aus den Dutzenden Hochhäusern in der nächsten UmgebungPetrzalka hat die höchste Bevölkerungsdichte der Slowakei – sollten weiter eine Freizeitbeschäftigung haben.

Der Abstieg war ein schleichender. Zwar hatten nach den Erfolgen in der Champions League einige Leistungsträger und Erfolgstrainer Vladimir Weiss Petrzalka verlassen, aber die Mannschaft war noch immer stark genug, um in der Slowakei vorne mitzuspielen und sich regelmäßig für den Europacup zu qualifizieren.

Noch vor sieben Jahren reichte es zum zweiten Meistertitel der Klubgeschichte – erneut unter dem aus Moskau zurückgekehrten Weiss, der aber gleich danach Teamchef wurde und die Slowakei zur WM 2010 führte.

Als im Sommer 2008 auch noch der Klubsponsor sowie Klubbesitzer Ivan Kmotrík (er übernahm Slovan) Petrzalka verließen und in der Champions-League-Qualifikation gegen Juventus Turin Endstation war, ging es abwärts.

Das "Stadion Petrzalka" in den Donauauen unweit des Einkaufszentrums Aupark wurde zum Spekulationsobjekt, 2010 geschlossen und zwei Jahre später abgerissen. Ein Luxushotel sollte errichtet werden. Bis heute ist es ein leerer Bauplatz.

Auch sportlich ging es rasant bergab. Der Klub, der nun FC Petrzalka 1898 hieß, wurde bis 2012 in die 3. Liga durchgereicht. Dort kam nach zwei Saisonen das Aus, nachdem der Schuldenberg zu groß geworden war.

Ende Mai gab es aber doch wieder Grund zum Jubeln. Mit einem 2:1 gegen FA Bratislava wurde Petrzalka Meister – vor immerhin 1000 Zuschauern und damit fünf Mal so vielen als sonst bei Heimspielen. 2005 waren zu den Champions-League-Spielen allerdings noch je fast 30.000 gekommen.

Die Loser der Champions League

Absteiger

Nicht nur Artmedia Petrzalka ist nach der Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase tief gefallen. Einige andere Klubs hat es noch ärger erwischt ...

1. FC Kosice
1997/’98 qualifizierte sich der Stammklub von Vladimir Janocko als erster Klub aus der Slowakei für die Gruppenphase. 2003 stieg der zweimalige Meister aus der obersten Liga ab und wurde bis in die 3. Liga durchgereicht. Im Juli 2004 wurde der 1. FC Kosice aufgelöst. Der Nachfolgeklub MFK Kosice spielt mittlerweile wieder in der 1. Liga der Slowakei.

Unirea Urziceni
Nur zwei Jahre nach der Champions-League-
Teilnahme wurde der rumänische Meister des Jahres 2009 auf- gelöst. Der Klub aus der Klein- stadt im Südosten Rumäniens. Mäzen Dumitru Bucsaru hatte die Lust an seinem Spielzeug verloren.

AC Parma
Der Klub aus Nord- italien war eine große Nummer in Europa, bis Geldgeber Parmalat 2004 in den Konkurs schlitterte. Als FC Parma ging es in der Serie A weiter. Bis im März 2015 der zweite Konkurs folgte. Nun gibt es als Parma Calcio 1913 einen Neustart in der vierten Liga.