Die Fußballfans in Albanien hatten in der EM-Quali einiges zu feiern.

© APA/EPA/ARMANDO BABANI

Österreichs Gegner
03/26/2016

Albaniens Europa-Auswahl hat viele Schweizer Wurzeln

Der italienische Teamchef De Biasi ist der Baumeister des Erfolgsteams.

von Günther Pavlovics

Für Betreuer und Spieler des albanischen Nationalteams gab es für die erfolgreiche EM-Qualifikation Orden. Staatspräsident Bujar Nishani sagte bei der Verleihung: "Ihr habt das Ansehen Albaniens und der Albaner in der Welt gehoben und uns stolz und geeint gemacht wie niemals zuvor." Die EM wird das erste Großereignis sein, an dem Albanien teilnimmt. Der Schweiz ist das schon 14 Mal gelungen. Und der Schweizer Anteil am Erfolg der Albaner ist groß.

Burim Kukeli kam im Kosovo auf die Welt. Er und seine vier Geschwister übersiedelten nach dem Tod des Großvaters im Jahr 1987 in die Schweiz, wo sein Vater arbeitete. Drei Millionen Einwohner hat Albanien, 1,6 Millionen Albaner leben im Kosovo, 500.000 in Mazedonien, mehr als 60.000 in Serbien und gut 30.000 in Montenegro. Armut, der Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur 1990 und der Krieg im Kosovo vertrieben viele Albaner, vor allem nach Italien (rund 570.000), Griechenland (460.000), Deutschland (320.000) und in die Schweiz (250.000). 50 Prozent der gebliebenen Albaner wollen noch immer auswandern, unter den Jugendlichen liegt der Prozentsatz sogar bei 85 Prozent. Ein Grund: Das Durchschnittseinkommen liegt bei nicht einmal 300 Euro pro Monat.

Mustafi sagte ab

Giovanni De Biasi ist seit 2012 albanischer Teamchef. Der hemdsärmelige Norditaliener aus der Provinz Treviso setzte nicht nur auf Teamgeist und Disziplin: Der bald 60-Jährige kümmerte sich besonders um die kickenden Auslandsalbaner. Und auch um die Kosovaren. Von einem Deutsch-Albaner erhielt er aber eine Absage: Shkodran Mustafi wurde 2014 mit Deutschland Weltmeister.

Viele andere sehen in ihrer Heimat keine sportliche Perspektive puncto Nationalteam: Mavraj ist im deutschen Hanau geboren, Shala in Norwegen. Der Großteil der Spieler wie Kukeli ist aber in der Schweiz geboren oder aufgewachsen: Ajeti, Aliji, Dijmsti, Cana, Lenjani, Veseli, Abrashi, Basha, Gashi und Taulant Xhaka. Bei der EM kommt es zu einem Bruder-Duell – Granit Xhaka wird im Schweizer Dress im ersten Gruppenspiel auf seinen Bruder Taulant treffen. Die Eidgenossen selbst haben sechs Spieler mit albanischen Wurzeln: Shaqiri, Behrami, Granit Xhaka, Dzemaili, Kasami und Mehmedi. Teamchef ist Vladimir Petkovic, der Schweizer mit bosnisch-kroatischen Wurzeln.

Grasshoppers-Stürmer Shani Tarashaj wartet auf seine erste Einberufung, er wollte sich noch nicht für Albanien entscheiden. De Biasi: "Wenn die Schweizer wirklich interessiert gewesen wären, dann hätten sie sich früher um meine jetzigen Spieler bemüht. Wer nicht zur Schweiz kann, kommt zu uns." Der 52-jährige Sozialarbeiter Petkovic kennt Giovanni De Biasi aus seiner Zeit als Trainer bei Lazio Rom. "Albaniens Kapitän Lorik Cana spielte damals unter mir, weshalb ich Gianni oft in Rom angetroffen habe. Cana wäre übrigens der einzige Albaner, der in meinem Team einen Stammplatz hätte."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.