Marcel Koller (re.) weiß, was passt und was nicht.

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ÖFB-Auswahl
03/06/2014

Koller weiß, was zu tun ist

Was Hoffnung gibt und was noch fehlt für eine erfolgreiche EM-Qualifikation.

von Bernhard Hanisch, Alexander Strecha

Die Teilnahmslosigkeit des Kärntner Publikums haben sich Österreichs Teamkicker nach dem Remis gegen Uruguay wahrlich nicht verdient. Immerhin machte man gegen die Nummer sieben der Welt eine Hälfte lang sehr gute Figur und bestätigte damit frühere couragierte Auftritte. Übrigens: Das Publikum hat auch während dieser guten Phase seine Anwesenheit geschickt verheimlicht.

Das 1:1 gegen Uruguay darf sehr wohl als kleiner Schritt vorwärts gewertet werden.

Aber nur dann, wenn künftig die Fehler des Aschermittwochs vermieden werden. Denn am Ufer des Wörthersees beging man beinahe identisch jene Fehler, die dem Team schon in Schweden im Rahmen der WM-Qualifikation unterlaufen waren.

Anspruchsvoll

Berücksichtigend, dass ganz Österreich sich eine Teilnahme an der EURO 2016 in Frankreich wünscht und dies auch der Anspruch des Teams an sich selbst ist, gibt es einige Punkte, an denen bis zum Anpfiff der Qualifikation im Herbst mehr als nur gefeilt werden muss. Das wissen Teamchef wie Teamspieler. Marcel Koller zeigte sich zwar grundsätzlich zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft, der Plan jedoch, eine Alternative für die Zukunft zu erproben, scheiterte vorerst. "Wir sind noch nicht so weit", gab der Schweizer unumwunden zu. "Aber wir wissen wenigstens, was zu tun ist." Das macht Hoffnung.

Mit einem offensiven Pressing setzte man von Beginn an Uruguay unter Druck, ließ die Südamerikaner nur ansatzweise ins Spiel kommen und kreierte dafür selbst sehenswerte Kombinationen. Der Versuch, nach der Pause abwartender zu agieren und dem Gegner das Kommando zu überlassen, ging schief. Österreich hatte mit der aufkeimenden gegnerischen Aggressivität Probleme, fand kaum zurück in den eigenen Rhythmus – und schon gar nicht mehr den Weg vor das Tor Uruguays.

Plus/Minus

Erfreulich ist, dass die Innenverteidigung mit Top-Stürmern wie Forlan und Suarez zurechtkam. Schön zu sehen, wie Leitgeb, Junuzovic und Alaba nicht nur Kilometer an Laufarbeit abspulen, sondern stets um eine technische Note im Spiel bemüht sind. Beeindruckend, wie treffsicher ein Marc Janko trotz geringer Spielpraxis bei seinem Verein bleibt. Alternativen? Nicht vorhanden. Das weiß auch Koller.

Die Aktie Arnautovic kann kurzfristig Höhen erreichen, dafür wiederum umso tiefer fallen. Im Tor zeichnet sich ein Wechsel von Almer zu Lindner ab, weil Ersterer in Cottbus kein Leiberl mehr hat und Zweiterer in der Champions League internationale Klasse bewiesen hat.

Das Team kann Fußball auf höherem internationalen Niveau bieten. Allerdings fehlen nach wie vor die Konstanz, die Abgeklärtheit, um nach 90 Minuten einen rundum positiven Eindruck zu hinterlassen. Noch.

Noten für die ÖFB-Auswahl

Marc Janko: "In der ersten Hälfte haben wir es geschafft, die Uruguayer früh unter Druck zu setzen. Sie haben nur weite Bälle spielen können, nicht von hinten heraus kombinieren, daher waren sie nahezu nicht gefährlich. In der zweiten Hälfte hat sich das Spiel ein bisschen gedreht", analysierte der Stürmer. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass die Kicker die Anweisung von Teamchef Marcel Koller - sich nach der Führung zurückzuziehen und den Gegner zu kontrollieren - nicht umsetzen konnten. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir eine Mannschaft von diesem Format 90 Minuten dominieren können. Daran arbeiten wir", erklärte Janko.

Ähnlich äußertesich Zlatko Junuzovic. "Nach dem 1:0 haben wir probiert, uns ein bisschen fallen zu lassen, auf Konter zu agieren. Teilweise ist das gut gegangen, aber nicht zu 100 Prozent. Wir haben noch ein bisschen Probleme, wenn wir das Spiel dem Gegner überlassen. Momentan tun wir uns leichter, wenn wir den Gegner unter Druck setzen. Aber wir sind auf gutem Weg", erklärte der Legionär von Werder Bremen und sprach von einem "Resultat, mit dem wir leben können".

Dieser Meinung war auch Marko Arnautovic, der die Leistung der ÖFB-Auswahl in der ersten Hälfte als "Weltklasse" bezeichnete. "Jeder Spieler wollte in der zweiten Hälfte so weitermachen wie in der ersten, aber manchmal geht es nicht. Doch insgesamt war es okay. Wir haben gegen die Nummer sieben der Welt bestanden."

Bei Aleksandar Dragovic überwog nach der Partie ebenfalls die Zufriedenheit über einen Achtungserfolg gegen den WM-Starter und regierenden Copa-America-Champion. "Es ist kein Schande, gegen Uruguay 1:1 zu spielen", betonte der Abwehrspieler, der am Donnerstag zurück zu seinem Club Dynamo Kiew flog.

Die angespannte Situation in der Ukraine sieht der Wiener gelassen. "Ich freue mich auf meine Kollegen und werde auf dem Maidan spazieren gehen. Wie es mit der Liga weitergeht, werde ich dann sehen", sagte Dragovic. Der Auftakt zur Frühjahrsmeisterschaft ist in der Ukraine bis auf Weiteres verschoben, und weil sich Dynamo bereits aus der Europa League verabschiedet hat, droht Dragovic nun eine längere Phase ohne Pflichtspiele.

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