APA9736716 - 08102012 - BAD TATZMANNSDORF - ÖSTERREICH: ÖFB-Teamspieler Andreas Ivanschitz am Montag, 08. Oktober 2012, während des Trainings der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in Bad Tatzmannsdorf. Österreich bestreitet am 12.10.2012 in Astana ein WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Nationalteam
08/12/2013

Testspiel ohne Testspielcharakter

Österreich will sich gegen Griechenland Respekt für die WM-Qualifikation verschaffen.

von Christoph Geiler

Es gibt Tage, da kommt Andreas Ivanschitz sein Spanisch ziemlich griechisch vor. Immer wieder ertappt er sich dabei, dass er mitten in der Konversation mit seinem Spanisch-Privatlehrer tief in seinem Sprachschatz herumkramt und wie von Geisterhand einige griechische Brocken zum Vorschein kommen. „Schon komisch: jetzt, wo ich eine neue Sprache lernen muss, erinnere ich mich auf einmal wieder an griechische Wörter“, lächelt der ehemalige Panathinaikos-Legionär, der neuerdings für UD Levante am Ball ist.

Nach Jahren der Krankls, Jaras, Polsters und Kühbauers sind österreichische Fußballer mittlerweile in der Primera Division so exotisch wie spanische Skifahrer auf der Streif. Andreas Ivanschitz ist eine Ausnahmeerscheinung und seit Jahren wieder der erste heimische Kicker im Land des Welt- und Europameisters. „Aber es geht nicht um die Nationalität, sondern nur darum wie du dich verkaufst und was du leistet“, weiß der 29-Jährige.

In der Vorbereitung hatte der Österreicher trotz Sprachbarriere und Trainingsumstellung („in Deutschland sind wir viel mehr gerannt“) bei seinem neuen Verein jedenfalls bereits ein Leiberl. „Ich hoffe schon sehr, dass ich beim Auftakt dabei bin“, meint Ivanschitz, der lügen würde, wenn er behaupten würde, dass er jetzt beim Nationalteam in Salzburg nicht auch ab und an einen Gedanken an den spanischen Ligastart am Sonntag verschwendet. „Ein Spiel im Nou Camp gegen den FC Barcelona ist schon etwas ganz Besonderes“, gesteht Ivanschitz.

Applaus von Hirscher

Ein Ländermatch gegen Griechenland, obendrein in aller Freundschaft, kann da naturgemäß nicht ganz mithalten. Auch wenn Spiele der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft inzwischen durchaus hohen Unterhaltungswert besitzen und die Nation zu begeistern wissen. Der ÖFB vermeldete zuletzt einen neuen Publikumsrekord (mehr als 200.000 Besucher für die aktuelle WM-Qualifikation), auch gegen die Griechen darf das Team am Mittwoch mit der Unterstützung von 20.000 Fans rechnen. Auch den besten Skifahrer der Gegenwart hat das Fußballfieber längst gepackt. „Mir taugt der positive Trend unseres Nationalteams“, erklärte Marcel Hirscher vor seinem Abflug ins Trainingslager in Südamerika bei einem spontanen Treffen mit seinem Namenskollegen Marcel Koller.

Schon allein deshalb fordert der Teamchef für das Vorbereitungsmatch volle Konzentration und höchsten Einsatz. Es geht darum, „nicht nur so nebenbei ein Freundschaftsspiel zu absolvieren“, erklärt Koller. Vielmehr sieht er das Duell mit der Nummer elf der Weltrangliste als willkommenen letzten Härtetest für die beiden WM-Qualifikationsspiele in Deutschland (6. September) und daheim gegen Irland (10. September). Deshalb verzichtet der Teamchef gegen Griechenland auch auf personelle Experimente. „Es geht darum, die Abläufe auf dem Platz zu verfeinern“, erklärt der österreichische Teamchef, „außerdem kann man in so einem Spiel mit einem Sieg Selbstvertrauen holen.“

Lob von Löw

Mehr noch: Für Marcel Koller hätte ein Erfolg gegen die Griechen sogar Signalwirkung. „Wenn wir ein gutes Ergebnis liefern, dann schauen die anderen Nationen schon auch darauf“, weiß der Schweizer, „es ist wichtig, dass wir uns bei den Gegnern Respekt erarbeiten.“

Bei den Deutschen wird das österreichische Team inzwischen sehr ernst genommen. „Diese Mannschaft hat sich extrem gut entwickelt“, lobt auch Bundestrainer Joachim Löw, der einen Scout nach Salzburg schickt.

Und Andreas Ivanschitz? Dem wird es auch nicht spanisch vorkommen, wenn er am Mittwoch wie zuletzt nur auf der Ersatzbank Platz nehmen darf. „Ich stelle das Persönliche ganz klar hinter den Teamerfolg“, erklärt er mit der Gelassenheit eines Routiniers. „Wir verfolgen ein klares Ziel: Wir wollen gemeinsam nach Brasilien.“

Die teuersten Österreicher-Transfers

Ein Vorbild namens Griechenland

Drei österreichische Spieler rückten erst mit Verspätung am Nachmittag ins Teamcamp ein. Eine erfolgreiche Generalprobe für den Länderspiel-Auftritt am Mittwoch war keinem der Nachzügler vergönnt: Martin Harnik erzielte zwar zum Ligaauftakt einen Treffer, verlor aber mit Stuttgart in Mainz 2:3; Christian Fuchs erreichte mit Schalke 04 daheim gegen Hamburg nur ein 3:3. Und das Debüt von Aleksandar Dragovic in der Ukraine ging überhaupt daneben: mit Dynamo Kiew verlor der Verteidiger das Österreicher-Duell mit Markus Berger (Odessa) überraschend 1:2.

Dafür erfreuten Teamchef Marcel Koller der Siegestreffer von Zlatko Junuzovic für Bremen gegen Aufsteiger Braunschweig („er wollte dieses Tor unbedingt“), die Kaltschnäuzigkeit von David Alaba vom Elfmeterpunkt („wir wissen, wie sicher er Elfmeter verwandelt“) sowie die starken Leistungen von Goalie Robert Almer für Cottbus. „Wir waren immer von ihm überzeugt. Auch wenn er vorher in Düsseldorf wenig Spielpraxis hatte, hat er bei uns in der Nationalmannschaft immer gezeigt, dass auf ihn Verlass ist“, lobt der Schweizer, der weiter mit Almer als Nummer 1 plant.

Julian Baumgartlinger wird hingegen am Mittwoch gegen die Griechen (20.30 Uhr, live in ORF 1) nicht über die ganze Spielzeit auf dem Feld stehen. Der Grund: Der Mittelfeldspieler ist für das Qualifikationsmatch gegen Deutschland in München gesperrt. Baumgartlinger nimmt sich die Griechen als Vorbild: „Die waren zuletzt oft bei WM und EM dabei. Die sind da, wo wir hinwollen. “

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.