Sport | Fußball
23.08.2017

Marcel Koller setzt auf Max und Moritz

Der unbekannte Moritz Bauer und (Noch-)Rapidler Max Wöber sind neu im Kader von Marcel Koller.

Zwei neue Spieler im Kader und drei Neue auf der Abrufliste – das wirkt für Marcel Koller’sche Verhältnisse schon beinahe revolutionär. Der Schweizer hat sich Zeit seines Amtes nicht gerade den Ruf erarbeitet, besonders sprunghaft zu sein in seinen Personalentscheidungen.

Bereits im Juni hatte Koller mit Danso und Laimer zwei Neue geholt. Diesmal sind es vor allem Verletzungen, die zur Veränderung veranlassen. Die Liste der Ausfälle ist nicht kurz: Zlatko Junuzovic, Alessandro Schöpf, Andreas Lukse, Stefan Stangl und Valentino Lazaro werden dem Nationalteam nicht zu Verfügung stehen, wenn am 2. September in Cardiff gegen Wales und drei Tage später in Wien gegen Georgien versucht werden wird, doch noch auf den Zug in Richtung Weltmeisterschaft 2018 aufzuspringen.

Gebürtiger Schweizer

Auf dem Weg nach Russland soll einer helfen, der sich dort auskennt: Moritz Bauer, 25 Jahre alt und Legionär bei Rubin Kasan, wurde erstmals nominiert. Bereits beim jüngsten Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin stand der gebürtige Schweizer auf der Abrufliste. Diesmal ist er dabei und damit der wohl erste Teamspieler, der nie zuvor bei einem österreichischen Klub oder in einem Nachwuchs-Nationalteam spielte.

Die österreichische Staatsbürgerschaft hat der Sohn einer Schweizerin und eines Österreichers erst seit knapp einem Jahr. In seiner Jugend spielte der rechte Außenverteidiger vier Mal für Schweizer Nachwuchsteams. Wieso er eine Team-Karriere beim ÖFB anstrebt? Der Schweizer Teamchef Vladimir Petkovic meldete sich noch nie bei ihm, dazu ist die Konkurrenz mit Kapitän Stephan Lichtsteiner (Juventus), Silvan Widmer (Udinese) und Michael Lang (FC Basel) groß. "Wir haben in der Schweiz fantastische Spieler auf meiner Position. Ich habe einige Male für die Nachwuchs-Nati gespielt, aber Kontakt zur ersten Mannschaft hatte ich noch nie", sagte Bauer gegenüber der Schweizer Zeitung Blick.

Im Sommer 2016 war der Blondschopf Rubin Kasan eine Ablösesumme von vier Millionen Euro wert, die man an Marcel Kollers Lebensklub Grasshoppers Zürich überwiesen hat. Bei den Russen konnte sich Bauer auf Anhieb durchsetzen. Zunächst in einer Viererkette als klassischer Außenverteidiger. Und in dieser Saison nach einem Trainerwechsel auch in einem 3-5-2-System ein Stück weiter vorne auf dem rechten Flügel. Beide Positionen könnte er auch unter Marcel Koller bekleiden. "Er hat in Kasan Fuß gefasst, ist sehr diszipliniert und taktisch gut ausgebildet", sagt der Teamchef über seinen einstigen Landsmann.

Ob der Debütant in Cardiff auflaufen wird, darf aber bezweifelt werden. Zuletzt machte Stefan Lainer in Dublin gute Figur auf dieser Position. Für Bauer spricht jedenfalls auch, dass er den linken Fuß nicht nur zum Stehen hat und auf beiden Seiten spielen kann. Bei den Grasshoppers kam der Rechtsfuß auch einige Male auf der linken Abwehrseite zum Einsatz. Und diese ist in Kollers Team seit dem Rücktritt von Christian Fuchs die größte Baustelle.

Aufstellungssorgen

Dass sich Marcel Koller ob der Position links hinten nach wie vor Gedanken macht, hat der Teamchef mit der Nominierung des zweiten Neuen bestätigt. "Max Wöbers beste Position ist grundsätzlich die des linken Innenverteidigers. Er hat aber auch schon linker Außenverteidiger gespielt. Es gibt die Möglichkeit, ihn dort zu bringen." In der Tat hat Wöber ein einziges Bundesligaspiel auf dieser Position bestritten: Es war das 0:1 von Rapid gegen den WAC am 6. November des Vorjahres und zugleich das letzte Spiel von Trainer Büskens.

Viel Zeit, um Neues einzustudieren, hat Koller wie gewohnt nicht. Am Montag trifft sich das Team in Wien. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wird in der Südstadt trainiert, am Freitag geht es dann nach Cardiff.

Erstmals auf Abruf bereit halten dürfen sich die zwei Admiraner Max Sax und Christoph Knasmüllner sowie Salzburgs 18-jähriger Stürmer Hannes Wolf.