Gegen Middlesbrough traf Stefan Maierhofer im Doppelpack.

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Legionär bei Millwall
05/07/2014

Maierhofer: "Das ist genau meins"

Stefan Maierhofer über die 2. Liga Englands, berüchtigte Fans und seine Zukunft.

von Andreas Heidenreich

Stefan Maierhofer schaffte am Samstag mit dem FC Millwall aus dem Südosten Londons den Klassenerhalt in der League Championship, der 2. Liga in England. Der KURIER sprach mit dem 31-jährigen Stürmer über ein weiteres geglücktes Kapitel seiner Karriere.

KURIER: Der Klassenerhalt ist geschafft. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Stefan Maierhofer:
Das waren zwei super Monate. Ich bin neun Jahre Profi und noch nie abgestiegen. Mein Ziel war, dass das so bleibt und das habe ich geschafft.

Dass Sie nach zehn Monaten ohne Klub in der 2. englischen Liga unterkommen, hätten Ihnen viele Kritiker nicht zugetraut.
Einige haben gesagt, den Maierhofer will keiner mehr. Aber ich habe einige Angebote ausgeschlagen, die andere sofort unterschrieben hätten. Ich habe auch vier Tage bei den Queens Park Rangers, einem Topklub der Liga, trainiert. Sie konnten mich leider nicht verpflichten. Queens-Park-Trainer Harry Redknapp hat mich aber seinem Freund Ian Holloway, dem Millwall-Coach, empfohlen.

Und dann ging alles ganz schnell.
Nach einer Niederlage gegen Blackpool hat Holloway zur Mannschaft gesagt, dass er einen großen Stürmer braucht. Zwei Tage später war ich da, vier Tage später bin ich gegen Charlton eingetauscht worden. Ich bin von Null auf Hundert eingestiegen. Nach einem Remis, zwei Niederlagen und wieder einem Remis stand ich zum ersten Mal in der Startelf und habe meinen Platz nicht mehr hergegeben. Wir haben bis zum Schluss nicht mehr verloren, in sieben Spielen 15 von 21 möglichen Punkten geholt und die Klasse gehalten.

Und Sie haben auch zwei Tore gemacht und zwei vorbereitet.
Richtig. Natürlich kann ich als Stürmer sagen: ‚Ich hätt’ eine paar mehr machen können.‘ Aber das ist nicht leicht, vor allem wenn du nach so langer Zeit wieder einsteigst. Und wir reden von England, zweite Liga. Da wird 90 Minuten lang gerackert und gerutscht.

Wie ist es Ihnen nach der Auszeit körperlich ergangen?
Ich bin einer, der sich gesund ernährt, wenig Alkohol trinkt, nicht raucht und ich habe auch sechs Mal pro Woche trainiert. Ich habe in den ersten zwei Wochen Zusatzeinheiten gemacht und war schnell wieder auf einem guten physischen Niveau. Denn auf dem Platz sind andere Intervalle gefragt.

Man sagt, dass in der 2. englischen Liga noch immer "Kick and Rush" dominiert, dass nur hohe Bälle gespielt werden. Klischee oder ist es wirklich so?
Die Topteams spielen ganz guten Fußball. Aber klar soll der hohe Ball kommen, wenn nach drei oder vier Mal hin und her spielen nichts geht oder der Gegner zu gut organisiert ist. Und die Fans wollen es auch so. Die schimpfen, wenn die eigene Mannschaft einen Stil pflegt wie es derzeit die Bayern tun. Die wollen 25 Meter vor dem Tor einen Torschuss sehen.

Der Spielstil passt also und Ihre Körpergröße von 2,02 Metern kommt Ihnen entgegen?
Ja, hohe Bälle, Flanken, viel ackern, viel laufen. Das ist genau meins. Und es ist vergleichbar mit der zweiten Liga in Deutschland. Dort wird auch großteils so gespielt: Hau die Kugel vor und schau was passiert. Wir haben uns mit Millwall aber in den letzten Wochen auch spielerisch weiterentwickelt.

Wie hat Ihnen das Umfeld des Klubs gefallen? Die Fans von Millwall sind ja berüchtigt.
Die sind noch immer wild, aber vor 20 Jahren war das schlimmer. Das Lied "No one likes us, we don’t care" ist legendär. Es war sehr schön, zwei Monate ein Teil dieses Vereins zu sein. Der Klassenerhalt war wichtig und ein Erfolg für diesen geilen Klub, bei dem die Möglichkeiten ja eingeschränkt sind.

Konnten Sie die Zeit in London auch genießen? Es soll schlechtere Städte zum Leben geben.
Ich habe im Hotel gewohnt und bin zu Fuß zum Training gegangen. Freie Tage habe ich in der Stadt verbracht, auch im Hyde Park relaxt. Die Menschen sind toll, die Möglichkeiten unbeschränkt. Auch kulinarisch. Jedes zweite Lokal bietet glutenfreie Kost an, das kommt mir mit meiner Unverträglichkeit entgegen.

Ihr Vertrag läuft aus. Wie soll es weitergehen?
Jetzt bin auf Heimaturlaub, dann geht es nach Ibiza. Aber ich habe auch von Millwall einen Trainingsplan bekommen. Derzeit wird das Budget geplant, dann wird es Gespräche geben. Ein paar Jahre möchte ich noch spielen und danach Trainer werden. Die B-Lizenz hab ich schon.

Der 2,02-Riese

Stefan Maierhofer wurde am 16. August 1982 in Gablitz geboren. Der Stürmer schaffte 2005 von Langenrohr via Probetraining den Sprung zu den Bayern Amateuren. 2006 feierte er gegen Frankfurt sein Debüt bei den Profis.

Über Koblenz und Fürth kam er 2008 zu Rapid und wurde Meister. 2009 wechselte er für 2 Millionen Euro Ablöse zu Wolverhampton, er spielte später noch für Bristol City, Duisburg, Salzburg, Köln, zuletzt Millwall und 19-mal im österreichischen Nationalteam (1 Tor).

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