Sport | Fußball 05.12.2011

Machtkampf zwischen Fans und Rapid

© Bild: apa

Der harte Fan-Kern ist beleidigt und setzt auf einen Stimmungs-Boykott, der Verein weiter auf Dialog.

Bis zur letzten Instanz kämpfte Rapid, um als Strafe für den Platzsturm im Derby doch nur ein Geisterspiel austragen zu müssen. Auf das Samstagsspiel gegen die Admira könnten dennoch weitere Partien ohne Unterstützung durch die Fans folgen. Denn der harte Kern des Anhangs ist beleidigt und setzt auf einen Stimmungsboykott.

Die Stimmungsmacher von den Fan-Tribünen West und Ost wollen ihren stillen Protest nach dem 0:0 gegen Hoffenheim auch in der Meisterschaft fortsetzen. 17 Fan-Klubs unter der Führung der "Ultras" schlossen sich zur Initiative "United we stand" zusammen, die sich in einer öffentlichen Stellungnahme gegen die "kriminalisierende und medienhörige Behandlung von Rapidfans" ausspricht.

Kritisiert werden neben dem Zehn-Punkte-Programm von Rapid infolge des Derby-Skandals auch das Klubmanagement ("Netzwerk der Not") und kritische Aussagen von Funktionären zu den Platzstürmern.

Unter Druck

Rapid versucht nach dem Derby-Skandal einen Neustart, doch die Mitglieder der "aktiven Fanszene" ziehen nicht mit, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen.
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Damit ist ein Machtkampf ausgebrochen, bei dem es im Kern um die Frage geht: Wie stark ist der Einfluss der Fans auf den unter Druck gesetzten Verein?

Klubservice-Leiter Andy Marek stellt klar: "Wir werden nicht einknicken, setzen aber weiter auf den Dialog mit den Fans". Manager Werner Kuhn erklärt: "Wir wollen Fairness und Respekt. Dazu müssen Spielregeln eingehalten werden." Unter dem Motto "Durchs Reden kommen die Leut' zam" versammelt sich beim Fanklub-Treffen Montagabend die gesamte Klubspitze. Mehr als 80 (und damit die Hälfte aller) Fanklubs waren angemeldet. Am Dienstag folgt das Mitgliedertreffen.

Die Rolle des Vermittlers kommt Mitglieder-Referent Stefan Singer zu: "Die Faninitiative fühlt sich durch manche Aussagen und Aktionen des Klubs brüskiert. Sie fordert keine Entschuldigung, aber die Anerkennung ihres Einsatzes." Weitere Rapid-Spiele ohne lautstarke Unterstützung sind laut Singer "definitiv möglich. Aber die Fans wissen, dass der neue Trainer und sein Team nichts dafür können. Deshalb glaube ich an einen Kompromiss."

Geisterspiel

Fest steht, dass beim Geisterspiel gegen die Admira (außer den berichtenden Medien) neben den Offiziellen nur 150 Zuschauer zugelassen sind. Eine Bannmeile zum Stadion ist in den UEFA-Richtlinien, die von der Liga umgesetzt werden, nicht vorgesehen.

Beide Vereine bekommen je 75 Tickets. Ob Rapid diese Karten an VIPs, Spielerfrauen oder beleidigte Hardcore-Fans weitergibt, ist Sache des Vereins.

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Erstellt am 05.12.2011