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20.09.2017

Lionel Messi: Der Boss gibt wieder den Ton an

Der Argentinier wirkt nach dem Abgang von Neymar befreit und jagt nun Gerd Müller.

Es ist erst einen Monat her, dass der FC Barcelona im Supercup von Real Madrid gedemütigt worden ist. 1:3 hat man daheim verloren, 0:2 im Bernabéu-Stadion. " Neymar weg. Form weg. Krise da", war zu lesen. Oder in der Zeitung El Mundo: "Barça depresivo". "Seelenlos", titelte die Sport, "Was für ein Desaster", schrieb die katalanische L’esportiu. Das Sportblatt El Mundo Deportivo befand: "Supercup für Real, Superproblem für Barça".

Selbstkritik

Sogar Abwehrspieler Gerard Piqué stimmte in den Chor der Kritiker ein. "Weder auf Team- noch auf Klubebene erleben wir gerade eine gute Zeit", sagte er. Und: "Wir müssen jetzt so eng wie möglich zusammenrücken und lernen, mit Niederlagen umzugehen, akzeptieren, dass Madrid besser ist. Vielleicht ist es auch gut für uns, dass wir endlich aufwachen."

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Katalanen nur einen Teil der 222 Millionen Euro ausgegeben, die sie für Neymar bekommen hatten. 40 Millionen kostete Herr Paulinho, ein 29-jähriger Brasilianer, der aus China geholt wurde. Der portugiesische Außenverteidiger Nelson Semedo kostete 30 Millionen.

Neuverpflichtungen

Für Gerard Deulofeu überwies man zwölf Millionen an Everton, der 23-jährige Angreifer war vor vier Jahren aus dem Barça-Nachwuchs dorthin gewechselt. Manager Pep Segura versprach zu dem Zeitpunkt noch den einen oder anderen Kracher. Es wurde der Dortmunder Ousmane Dembélé, der sich aber schwer verletzte und bis Ende des Jahres ausfällt. Nur Ernesto Valverde, der neue Trainer, blieb damals gelassen. Er hatte wohl Vertrauen in den von ihm veränderten Kader. Und er hatte auch Vertrauen in seinen Superstar Lionel Messi. Der ist mittlerweile 30. Dessen Vertrag hätte im Sommer geendet, die Unterzeichnung des bis 2021 verlängerten Kontrakts zog sich in den September hinein. Inzwischen sind laut Klubchef Bartomeu jedoch drei Verträge unterzeichnet: einer mit der Stiftung Messis, den deren Präsident, der Bruder von Lionel Messi, unterschrieben hat. Einer über Messis Bildrechte, unterzeichnet von Vater Jorge Horácio.

Und schließlich Messis neuer Arbeitsvertrag, ebenfalls von dessen Vater unterschrieben. Und es ist wohl nicht nur die Wertschätzung, die Messi aufblühen lässt, denn der Vertrag beinhaltet nicht nur ein Wochengehalt von rund 600.000 Euro (macht 30 Millionen im Jahr), sondern auch eine Ausstiegsklausel für 300 Millionen Euro.

Rekordjagd

Auch sportlich ist Messi jetzt wieder der Alleinherrscher im Angriffsspiel von Barcelona. Messi spielte im Zentrum, an seiner Seite Deulofeu und der ebenfalls 23-jährige Denis Suárez, letzten Sommer von Villarreal geholt. Neymar ist weg. Uruguays Luis Suárez saß gegen Eibar nach Verletzungspause erst auf der Bank. Also ist Messi wieder das Um und Auf, er erzielte beim 6:1 vier Tore.

Er ist unermüdlich auf Rekordjagd. Neun Tore in den ersten fünf Spielen. Bisheriger Rekord waren sechs Tore – gehalten von Lionel Messi. In Spanien hat er den Rekord an Ligatoren schon vor drei Jahren gebrochen. Mit 358 Ligatoren hat er nun Jimmy Greaves überholt, der in England von 1957 bis 1971 357 Mal getroffen hat. Nun fehlen Messi nur sieben Tore auf Gerd Müller – der Deutsche ist der erfolgreichste Torjäger der Geschichte in den besten fünf Ligen (England, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien).