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Sport Fußball
12/05/2011

Kühbauer, der Dirigent im Jubelchor

Nach den Siegen gegen die Top-Teams beginnt die Suche nach Admiras Geheimrezept.

von Philipp Albrechtsberger

Stille herrschte nach der Sensation. Auch nach dem bisher größten Coup mussten sich die Admiraner in Geduld und Zurückhaltung üben. 4:3 hatte der Aufsteiger Rekordmeister Rapid in einem dramatischen Spiel vor prächtiger, weil ausverkaufter Kulisse besiegt und dann diese bangen Minuten nach Schlusspfiff.

Wie immer blieb das Anstimmen der Jubel-Arie in der Kabine dem obersten Lautsprecher vorbehalten: Dietmar Kühbauer, der Trainer. Wer voreilig einstimmt, der muss im Extremfall mit einer Strafe, jedenfalls aber mit einer Rüge rechnen. Es ist nicht mehr als ein Ritual, als albern mögen es manche gar bezeichnen, und doch verdeutlicht es die besondere Beziehung zwischen der Mannschaft der Stunde im österreichischen Fußball und ihrem Trainer.

Kommuniziert

Kühbauer, 40 Jahre jung, Familienvater, ehemaliger Teamkicker, WM-Teilnehmer, Legionär sowie Spieler der Jahrhundertelf von Rapid ist für die Admiraner Respektsperson und Unterhalter, Mentor und Vorbild in Personalunion. "Jedes Problem wird offen angesprochen", sagt Mittelfeldspieler Stefan Schwab, "und zwar vor der gesamten Mannschaft."

Potenzielle Problemzonen gibt's im Fußball wie Freistöße, und zwar auch bei Sensationsteam wie dem Aufsteiger aus der Südstadt. Der Kader ist qualitativ gut bestückt, auch in der zweiten Reihe. Spieler, die im Aufstiegsjahr noch Sieggaranten gewesen sind, müssen heuer auf der Bank Platz nehmen. "Der Trainer ist sehr korrekt in diesem Punkt", sagt Rene Schicker, ein Opfer dieser Personalplanung. Vor drei Wochen fand sich der Steirer gar im Kader der Amateurmannschaft wieder, gegen Rapid war er einer der spielbestimmenden Akteure auf dem Feld. "Wir wissen alle, dass auch Leistungen bei den Juniors in der Ostliga vom Trainer bemerkt und honoriert werden", sagt Schicker.

Nicht nur bei der Kaderentwicklung bewies Kühbauer in seiner ersten Trainersaison in der obersten Spielklasse bisher Feingefühl, sondern auch bei der Kaderplanung. Die Neuzugänge Ouedraogo und Hosiner sind derzeit das aufregendste Sturm-Duo der Liga. "Ich hätte die beiden damals auch gerne im Wiener-Neustadt-Dress gesehen", gestand der frühere Neustadt- und aktuelle Rapid-Trainer, Peter Schöttel.

Polarisiert

Nach den aufreizenden Gala-Abenden gegen die großen Vier (Sturm, Salzburg, Austria und Rapid) gibt's nach der Länderspielpause wieder Zünftiges im Liga-Alltag: Kapfenberg, Innsbruck, Mattersburg, Wr. Neustadt. "Die Außenseiterrolle wird uns da niemand mehr abkaufen", sagt Rene Schicker. Die Erwartungshaltung und der Druck werden weiter steigen, viel davon hat bisher der polarisierende Trainer aufgefangen.

Als Gegenleistung erwartet er lediglich ein bisschen Geduld beim Singen.

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