Sport | Fußball 22.12.2011

"Koller-Bestellung war Abnicktest"

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Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbands, kritisiert Windtners Vorgangsweise.

Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußball-Verbandes und aktuelles Mitglied des ÖFB-Direktoriums, hat in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung (Freitag-Ausgabe) die Art und Weise der Bestellung von Marcel Koller zum österreichischen Teamchef bemängelt.

"Präsident Leo Windtner hat sich größte Mühe gegeben und den vorgeschlagen, den er für den Besten hält. Auch Marcel Koller kann nichts dafür. Nur dieses Direktorium hat den Elchtest nicht bestanden, weil es letztlich zu einem Abnicktest gekommen ist", erklärte Geisler.

Dass er gegen die Vorgehensweise von Windtner im Direktorium nicht aufbegehrte, begründete der ÖVP-Politiker mit seiner Loyalität zum ÖFB-Boss. "Man muss zuweilen auch opportun sein und bleiben, wenn der Präsident etwas vorschlägt."

Kritik an Ruttensteiner

Weiters ließ Geisler Unzufriedenheit mit ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner erkennen. "Mit der Umstrukturierung hat auch er noch mehr Kompetenzen bekommen und damit auch mehr Verantwortung. Er hat Einfluss bis ganz oben. Wenn der Teamchef scheitert, muss er das Schicksal des Teamchefs teilen", meinte Geisler.

Geisler hatte schon in den letzten Tagen der Constantini-Ära mit Kritik an den "Intellektuellen" aufhorchen lassen: "Ich persönlich bin der Meinung, dass die Mannschaft am besten aufgehoben ist bei den Praktikern, die im Moment die Verantwortung haben, also Herrn Constantini und Herrn Zsak. Denn wie heißt es so schön: "Grau ist alle Theorie" – sie bringt den Fußball sicherlich nicht weiter", so Geisler im Sommer.

Mit der Nachwuchsarbeit im ÖFB ist Geisler nicht zufrieden: "In der U21-EM-Quali sind wir nur vor Luxemburg. Keiner hat den Sportdirektor gehindert, der Nachwuchsarbeit seinen Stempel aufzudrücken. Generell: Mit dem Schönreden wurde noch keine Nation groß."

Auch die Spieler nahm Geisler in die Pflicht. "Wenn der Kapitän (Anm.: Marc Janko) sagt, dass er jetzt unter Koller endlich weiß, wie er laufen muss... - ein größeres Armutszeugnis kann sich ein Fußballer, der im Team für Intelligenz steht, nicht ausstellen - ohne Worte! Wenn`s schwierig wird, sind die Spieler oft die Ersten, die abbiegen", sagte der engere Landsmann von Koller-Vorgänger Dietmar Constantini.

Erstellt am 22.12.2011