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21.04.2014

Ganz Köln feiert den "Aufstöger"

Der 1. FC Köln fixierte mit einem 3:1 über Bochum den Meistertitel in der zweiten deutschen Liga.

Da stand er nun, der Stöger Peter. Die Hände in den Hosentaschen, als ginge ihn das alles nichts an. Gleich war Schluss. 48 Jahre musste er alt werden, um das zu erleben. Das Werk war vollbracht, Bochum 3:1 besiegt und Aufstieg und Meistertitel fixiert. Der doppelte Peter. Vergangenes Jahr Meister mit der Wiener Austria, 2014 mit dem 1. FC Köln.

Gemeinsam mit seinem Freund, Vertrauensmann und Assistenten Manfred Schmid führte er den Traditionsklub in die erste deutsche Bundesliga. Dorthin, wo der Klub auch hingehört, meinen nicht nur die Kölner. 22.02 Uhr, dann war wirklich Schluss. Plötzlich brachen auch bei Peter Stöger die Dämme. Er ging in die Knie und schrie seine Freude raus. Wenige Sekunden später wurde er von einem Spieler geschultert, von einem weiteren mit einem Kölsch geduscht. Nur kurz durfte man sich freuen, dann floh man vor den eigenen Fans in die Kabine. Tausende jubelten auf dem Platz.

Erlösung

Der Montag war untypisch für Köln. Denn in der Vergangenheit vergeigte man angesagte Feste nicht selten. Diesmal kam es anders. Sogar Köln-Legende und Arsenal-Legionär Lukas Podolski war eigens aus London angereist. Auch er ließ sich die große Feier nicht entgehen, nahm in seiner persönlichen 77-Quadratmeter-Loge auf der Osttribüne Platz.

Schon den ganzen Ostermontag hatten sich die FC-Fans auf das Fest vorbereitet, ihre Stimmen mit ein paar Kölsch und den Eishockey-Kollegen der Kölner Haie vor dem Dom geölt. Man spürte, dass die ganze Stadt diesen Aufstieg wollte. Und sie sollte ihn bekommen. Aber davor mussten sie noch etwas leiden, denn Bochum mimte den Spielverderber und ging sogar mit 1:0 in Führung.

Köln feiert: Pressestimmen und Jubelbilder

1. FC Köln - VfL Bochum

1. FC Köln, Stöger…

1. FC Köln - VfL Bochum

1.FC Köln - VfL Bochum

1. FC Köln - VfL Bochum

Cologne's Stoeger and Nagasawa celebrate victory a

Köln…

Zitterpartie

Köln wirkte nervös, kam nicht recht auf Touren. Stöger reagierte zur Pause und brachte Risse. Und mit ihm den richtigen Mann, der zum Ausgleich traf. 50.000 drehten durch. Ein Tor noch, und der Titel ist gesichert. Foul an Helmes. Elfmeter. Die große Chance. Die Fans feierten schon vor der Ausführung. Helmes trat an – und traf im Nachschuss. Kölle alaaf! Kurz, nur ganz kurz, hob es das Dach vom Rheinenergie-Stadion.

Das Spiel lief vor sich hin, die Anhänger feierten auf den Tribünen. Der eingewechselte Ujah gab ihnen noch einen weiteren Grund dazu mit dem 3:1. Der Aufstieg war klar. Stöger grinste übers ganze Gesicht, umarmte zunächst Schmid, dann Sportdirektor Jörg Schmadtke. Die Fans sangen ihren sehnlichsten Wunsch in den Nachthimmel: „Zweite Liga, nie mehr!“ Ein Auftrag für die Klub-Verantwortlichen, ein Auftrag für Stöger. Den ersten in Köln hat er mit Bravour gemeistert. Die Belohnung: in der kommenden Saison wird Stöger den Herren Guardiola und Klopp die Hand schütteln.

Rückkehr zur Erstklassigkeit: 1. FC Köln

Mit mehr als 58.000 Mitgliedern ist der 1. FC Köln, der 1948 gegründet wurde, der größte Sportverein der Millionenstadt. Drei Mal durften sich die Geißböcke bereits Deutscher Meister nennen (1962, 1964, 1978), vier Mal gelang der Pokalsieg (1968, 1977, 1978, 1983).

Bis 1998 spielte das Gründungsmitglied der Bundesliga 35 Jahre lang ununterbrochen in der obersten Spielklasse, danach sollten fünf Abstiege folgen – zuletzt 2012. Seit Juni 2013 trainiert der Wiener Peter Stöger den Traditionsverein, der mit dem 3:1 gegen Bochum den Wiederaufstieg fixierte.

Peter Stöger (48 Jahre)

Geboren: 11. April 1966 in Wien

Familienstand: ledig, Freundin Uli Kriegler

Karriere als Spieler:

* 65 Länderspiele, 15 Tore

* WM-Teilnahme 1998 in Frankreich

* 418 Bundesliga-Partien: FavAC (1985/86), Vorwärts Steyr (1986/87), Vienna (1987/88), Austria Wien (1988-1994), FC Tirol Innsbruck (1994/95), Rapid (1995-1997), LASK (1997/98), Austria Wien (1998-2000), Admira Wacker Mödling (2000-2002), Untersiebenbrunn (2002-2004)

Größte Erfolge als Spieler:

* Meister: Austria 1991, 1992, 1993, Rapid 1996

* Cupsieger: Austria 1990, 1992, 1994

* Finale Europacup der Cupsieger: Rapid 1996

Bisherige Karriere als Trainer/Sportdirektor:

* Untersiebenbrunn: Sportdirektor 2004

* Austria Amateure: Sportdirektor 2004/05

* Austria: Trainer gemeinsam mit Frenkie Schinkels Mai 2005-Dezember 2005, Sportdirektor Dezember 2005-Oktober 2006

* Vienna: Sportdirektor Juli 2007-Juli 2010, Trainer zusätzlich ab Oktober 2007-April 2010

* GAK: Trainer November 2010-Juni 2011

* SC Wiener Neustadt: Trainer Juni 2011-Juni 2012

* Austria: Trainer von Juni 2012-Juni 2013

* 1. FC Köln: Trainer seit Juni 2013

Größte Erfolge als Trainer:

* Meister: Austria 2006, 2013

* Cupsieger: Austria 2005, 2006

* Aufstieg in deutsche Bundesliga: 1. FC Köln 2014

* Aufstieg in Erste Liga Österreich: Vienna 2009

Stögers Vorgänger in der deutschen Bundesliga

Peter Stöger ist der elfte österreichische Cheftrainer in der Geschichte der deutschen Fußball-Bundesliga. Ein Überblick über die bisherigen Amtszeiten der ÖFB-Coaches im deutschen Oberhaus:

Max Merkel: Max Merkel führte 1860 München 1963 in die neu gegründete Bundesliga, gewann 1964 mit den "Löwen" den Cup und 1966 den Meistertitel. 1965 verlor er mit den Münchnern das Europacupfinale der Cupsieger gegen West Ham 0:2. Im Anschluss gewann der Wiener auch mit dem 1. FC Nürnberg die Meisterschaft 1968. Weitere Stationen in Deutschland waren u.a. FC Schalke 04 und Karlsruher SC.

Robert Körner: Robert Körner gewann als Co-Trainer von Max Merkel mit dem 1. FC Nürnberg den Meistertitel 1968. Nach der Entlassung von Merkel stieg der Ex-Rapidler zum Chef auf, allerdings nur wenige Tage lang bis zur Trennung im April 1969.

Ernst Ocwirk: Vor Peter Stöger war Ernst Ocwirk der einzige österreichische Trainer in der Bundesliga-Historie des 1. FC Köln gewesen. Der langjährige Austrianer, der als Aktiver Kapitän der Weltauswahl war, stieß mit den Kölnern 1971 ins Cupfinale vor.

Franz Binder: Franz "Bimbo" Binder arbeitete in der Saison 1969/70 als Trainer von 1860 München. Der legendäre Ex-Stürmer von Rapid konnte jedoch den Abstieg der "Löwen" nicht verhindern.

Ernst Happel: Ernst Happel führte den Hamburger SV in den 1980er-Jahren zu den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte. Unter der Leitung des Wieners gewann der HSV zweimal den Meistertitel (1982, 1983), einmal den Cup (1987) sowie 1983 den Europacup der Landesmeister.

Helmut Senekowitsch: Weltenbummler Helmut Senekowitsch machte auch in Deutschland Station. 1982 gab Österreichs Ex-Teamchef ein Kurzgastspiel bei Eintracht Frankfurt.

Felix Latzke: Felix Latzke schaffte in der Saison 1987/88 mit Waldhof Mannheim den Klassenerhalt, im November 1988 wurde der ehemalige ÖFB-Teamchef dann entlassen.

Josef Hickersberger: Nach der WM-Teilnahme 1990 und der Färöer-Blamage als ÖFB-Teamchef war Fortuna Düsseldorf die nächste Trainer-Station von Josef Hickersberger. Die Amtszeit dauerte jedoch nur knapp acht Monate.

Peter Pacult: Nach dem Ende der Ära von Werner Lorant stieg Peter Pacult im Oktober 2001 vom Co- zum Chef-Trainer von 1860 München auf. Die "Löwen" beendeten die Saison im Mittelfeld auf Rang neun. Im März 2003 wurde der Wiener entlassen, 1860 stand zu diesem Zeitpunkt auf Tabellenrang acht.

Kurt Jara: Kurt Jara war für fast zehn Jahre Österreichs letzter Cheftrainer in der deutschen Bundesliga. Der Tiroler betreute den Hamburger SV (2001-2003) und den 1. FC Kaiserslautern (2004-2005). Mit dem HSV beendete er die Saisonen auf den Plätzen elf und vier. Nach einem schwachen Saisonstart wurde Ende Oktober 2003 die Trennung vollzogen. Bereits im Februar 2004 kehrte Jara in die Bundesliga zurück und übernahm Kaiserslautern. Jara schaffte als 15. den Klassenerhalt, die darauffolgende Saison durfte er nicht mehr zu Ende führen.

Peter Stöger: Gleich in seinem ersten Jahr als Cheftrainer des 1. FC Köln gelang Peter Stöger der Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga.