Fingerzeig: Walter Knaller soll der Admira den Weg zum Klassenerhalt weisen.

© APA/EXPA/THOMAS HAUMER

Interview
12/02/2013

Knaller-Effekt in der Südstadt

Trainer Walter Knaller, 56, über Admira, Abstiegssorgen, Alter und Anzüge.

von Philipp Albrechtsberger

Zehn Punkte in den jüngsten fünf Spielen. Das ist keine Bilanz eines Absteigers. Seit Walter Knaller den Cheftrainer-Posten bei der Admira übernommen hat (übernehmen musste, weil Oliver Lederer die nötige Trainerlizenz fehlt), herrscht wieder Hoffnung in der Südstadt. Daran kann selbst der Acht-Punkte-Abzug wegen Verstöße gegen die Lizenzbestimmungen nichts ändern. Knaller, 56 Jahre alt und eine Legende des Klubs, im Interview.

KURIER: Herr Knaller, sind Sie gerne Bundesliga-Trainer?

Walter Knaller: Ich weiß, worauf Sie anspielen. Meine Lebensplanung war nicht mehr darauf ausgerichtet. Aber es ging darum, der Admira zu helfen, meinem Verein.

Wie sieht die Arbeitsteilung mit Co-Trainer Lederer aus?

Eines war klar, als ich zum bestehenden Trainerteam gestoßen bin: Ich muss als Cheftrainer alle Entscheidungen vertreten können. Und wenn ich den Auftritt vertreten muss, dann will ich ihn auch beeinflussen. Ich überwache und geb’ die Richtung vor. Die Mannschaft braucht gerade jetzt Führung. Da kann ich mit meiner Erfahrung helfen.

Sie sind der älteste Trainer der Liga. Welche Rolle spielt das Alter im modernen Fußball?

Was Taktik, Trainingssteuerung und dergleichen betrifft, musst du wachsam bleiben. Aber: Im Alter wird man authentischer. Ich kümmere mich nicht mehr darum, wie ich auf der Trainerbank wirke. Was gesagt werden muss, das sage ich.

Tragen Sie auch deshalb Trainingsanzug statt feinem Zwirn auf der Betreuerbank?

Es ist sogar der blaue Trainingsanzug der Akademie. Er ist ein Zeichen: Er steht für die Philosophie des Klubs und dafür, dass wir die Ärmel aufkrempeln. Wir arbeiten hart, die Kleidung passt dazu.

Wie ist Ihr Eindruck von der Mannschaft?

Sie ist jung und übermütig. Die Spieler wollen immer aufs Ganze gehen – mit allen Vor- und Nachteilen.

Worauf lag der Fokus in den wenigen Wochen?

Wir werden nicht den Klassenerhalt schaffen, indem wir alle unsere Gegner ausspielen. Die Mannschaft hat die vielleicht einmalige Chance nach dem Punkteabzug erkannt: In solchen Situationen können Helden geboren werden.

Der Punkteabzug war demnach Thema in der Mannschaft?

Wir haben den Spielern gesagt, dass wir uns nicht ständig den gesamten Rückstand als Ballast aufladen. Wir orientieren uns an der alten Tabelle. In der sind wir Siebenter. Für mich ist das Urteil nicht verhältnismäßig.

Die Admira hatte zuletzt oft Probleme mit der Lizenz. Werfen Sie etwas der Klubführung vor?

Es war ein Formalfehler, aber eben doch ein Fehler. Das wissen die Verantwortlichen. Natürlich muss sich der Verein auch im administrativen Bereich stetig verbessern. Aber auch da sind uns finanziell und personell Grenzen gesetzt.

Nach über zwanzig Jahren im Verein müssten Sie mittlerweile daran gewöhnt sein, oder?

David gegen Goliath – so wird es hier immer sein. Aber David gegen Goliath geht nur, wenn du alle Kräfte bündelst. Das schafft die Admira-Familie sehr oft sehr gut. Honoriert wird das von der öffentlichen Hand, vom Land, leider nur selten.

Sie haben viele Jahre im Nachwuchsbereich, in den Akademien sowie beim ÖFB verbracht. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Wir gewinnen jetzt öfter, als wir verlieren. Jung sein allein reicht nicht mehr. Aber es geht noch immer mehr. Und das liegt nicht nur am Geld.

Sondern?

Das Verständnis von Professionalität ist in manchen Ländern noch etwas besser. In der Ukraine, wo ich hospitieren durfte, sind die Burschen noch fokussierter und dankbarer für die Chance.

Hat das nicht auch mit dem sozialen Umfeld zu tun?

Sicherlich. Aber ein gewisser Teil ist auch Einstellungssache und die müssen wir, die Vereine und der ÖFB, noch stärker von Spielern und Trainern einfordern.

Ein Jahrhundert-Admiraner

Walter Knaller wurde am 24. Oktober 1957 in Feldkirchen (Kärnten) geboren. Über St. Veit kam der Stürmer 1980 zur Admira, für die er mit kurzen Unterbrechungen (Blau-Weiß Linz, Mödling) bis 1992 spielte. In über 300 Spielen für die Niederösterreicher erzielte er 127 Liga-Tore und wurde später in die Jahrhundertelf des Klubs gewählt. Cheftrainer der Admira ist Knaller bereits zum dritten Mal nach 1992/1993 sowie 2002.

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