Klares Zeichen: Der frühere Amateure-Trainer Zoran Barisic setzt bei Rapid auf die Jugend und will trotzdem Erfolg.

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Interview
10/20/2013

Jugendfreund Barisic

Der Rapid-Trainer erklärt, warum ältere Spieler auf der Bank landen.

von Alexander Huber

Nach sechs Monaten als Rapid-Chefcoach war Zoran Barisic erstmals an einem Trainingstag nicht bei der Mannschaft. Der 43-jährige Wiener beobachtete am Samstag Europa-League-Gegner Genk gegen Lierse. Vor dem Heimspiel gegen Sturm (Sonntag, 16.30 Uhr) spricht er im KURIER-Interview über Hofmann, Schaub und die „Experten“.

KURIER: Ihr Traum wäre es, den Trainerposten für kurze Zeit an einen Schimpansen übergeben zu können, weil alles perfekt eingespielt ist. Wie weit sind Sie nach sechs Monaten?
Noch nicht so weit. Ich würde jetzt auch nicht an den Affen übergeben, weil es Spaß macht und weil es eine große Herausforderung ist, eine Mannschaft zu entwickeln. Momentan gibt es noch große Schwankungen – oft innerhalb einer Partie.

Was waren bisher die Höhepunkte sowie die Tiefpunkte?
Das Erreichen des dritten Platzes nach der Übernahme. Dass die Mannschaft und die Fans wieder zur Einheit werden. Das internationale Auftreten und trotz des enormen Drucks in die Gruppenphase zu kommen. Für manche war das ja normal.

Wie meinen Sie das?
Für einige „Experten“ ist es selbstverständlich, dass wir griechische und georgische Klubs ausschalten. Die leben entweder noch in der Vergangenheit oder sie haben den Bezug zur Fußball-Realität verloren.

Und Ihre Tiefpunkte?
Negativ war die gesamte Situation des Vereins nach meinem Antritt im April.

Einzelne Spiele wie das 2:4 gegen WAC ...
... tun nur ein paar Tage weh. Es geht mir um das Grundsätzliche, den Inhalt, die Entwicklung. Aber bei vielen Fans und öffentlich zählt nur das nackte Ergebnis. Es fehlt in Österreich leider das Fußball-Verständnis. Mir geht es darum, ein Spiel zu entwickeln und durchzusetzen. Ergebnisse werden dann das logische Produkt.

Für die Zukunft zu arbeiten und dabei genug zu gewinnen, ist besonders bei Rapid ein heikler Spagat.
Ich könnte es mir einfacher machen. Aber wenn ich nur auf das Ergebnis spielen lasse, gibt es bald keine Weiterentwicklung mehr.

Das ist also für Sie eine Philosophiefrage.
Ja. Von dieser rücke ich nicht ab. Viele setzen im Zweifel auf den Alten, weil er weniger Fehler macht. Bei mir spielt der Junge. Und er darf Fehler machen. Es geht nur darum, ob die Geduld aufgebracht wird. Wenn nicht, ist klar: Mein Nachfolger wird sich freuen.

Wird Schaub dann schon um Millionen verkauft worden sein?
An ihm führt kein Weg vorbei. Dieser Bub kann gar nicht zu viel Ablöse kosten. Ein bosnischer Trainer war hospitieren und begeistert. Als er gehört hat, dass Louis erst 18 ist, war er fassungslos. Mit dem Nachnamen Schaubic und dem Pass eines Balkan-Staates wäre er schon zig Millionen wert.

Sie haben Hofmann gegen Kiew auf die Bank gesetzt. Wie wichtig ist für einen Trainer Mut?
Mir ist das Team als Ganzes wichtiger als eine Hierarchie. Wenn Steffen außer Form ist, kann auch er mal draußen bleiben. Aber: Ich halte von ihm als Fußballer und Mensch sehr viel. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

Durch seinen Vertrag wird er bis 2016 der Top-Verdiener sein. Kann das in der Mannschaft ein Problem werden?
Wenn er leistungsfähig ist, sicher nicht. Aber man darf nicht vergessen: Er hat dem Verein schon so viel gegeben – und wurde früher nie ausgetauscht, nie geschont, hat immer mit Schmerzen gespielt. Steffen hat Raubbau an seinem Körper betrieben.

Chef im 2. Anlauf

Der 43-Jährige kam am 22. Mai 1970 in Wien auf die Welt. Der Mittelfeldspieler und spätere Libero war 1999 das erste Gastarbeiterkind in Österreichs Nationalteam. Neben Rapid (Meister und Europacup-Finale 1996) spielte der Vater von zwei Töchtern für den Sportclub, FavAC, Mödling, FC Linz, Admira und besonders erfolgreich bei Innsbruck.

Der ehemalige Pacult-Assistent (2006–’09) sprang von April bis Mai 2011 als Chefcoach ein. Am 17. April folgte der Ex-Individualtrainer und Amateure-Coach Peter Schöttel als Cheftrainer.

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