Sport | Fußball
23.02.2015

Rasender Trend im Fußball

Ein Gemisch aus Natur- und Kunstrasen ergibt den besten Fußballplatz.

Sie können den besten Ball und tolle Fußballer haben. Aber wenn Sie keinen guten Rasen haben, dann gibt es kein gutes Fußballspiel", sagt Klaus Allofs.

Kein gutes, oder eben gar keines wie in Grödig. Fehlende Rasenheizungen und auch dadurch bedingt schlechte Plätze sorgen in Österreich für Diskussionen. In puncto Infrastruktur hinkt man Topligen noch weiter hinterher als im sportlichen Vergleich.

Was den Rasen betrifft, gelten englische Plätze seit jeher als Vorbild. Der neueste Schrei ist ein Gemisch aus Natur- und Kunstrasen, der so genannte Hybridrasen. Das Modell von "Desso Sports Systems" liegt heute in fast allen Stadien auf der Insel.

Das System besteht aus einem gesäten Naturrasen, in den über die gesamte Fläche alle zwei Zentimeter Kunstfasern 18 Zentimeter tief eingelassen werden. Über die gesamte Fläche ergibt das 20 Millionen Kunstfasern, die den Naturrasen verstärken.

Der positive Effekt ist leicht zu erklären. Die Wurzeln des Naturrasens wachsen um die Fasern herum, was für eine zusätzliche Verankerung unter der Erdoberfläche sorgt. Die ineinander verwachsene Rasenmischung bietet Stabilität. Die Spieler verursachen bei Sliding-Tacklings mit ihren Stollenschuhen auch bei Nässe keine Furchen. Das Spielfeld bleibt eben und visuell attraktiv.

Guardiolas Begehr

Auf Wunsch von Pep Guardiola haben sich auch die Bayern den Hybridrasen zugelegt. Karl-Heinz Rummenigge erinnert sich: "Wir hatten eigentlich einen Top-Rasen. Dann spielten wir in England gegen Manchester United, Arsenal und Manchester City und haben dieses Modell entdeckt", sagt der Vorstandsvorsitzende. "Hybridrasen ist sehr dicht, robust, aber auch teurer. Guardiola begrüßt, dass sich darauf ein noch schnelleres Passspiel aufziehen lässt."

Zu erkennen sind die Kunstfasern mit bloßem Auge nicht. Spürbar ist der Untergrund, der sich anfühlt wie ein normaler Rasen, auch für die Spieler nur bedingt. David Alaba erklärt: "Der Platz ist etwas härter. Aber man rutscht weniger, hat einen besseren Halt und findet nicht mehr diese Löcher wie auf herkömmlichen Plätzen."

Positiv ist auch die Beständigkeit gegen Regen und die damit reduzierte Verletzungsgefahr. Der Hybridrasen nimmt Wasser wesentlich schneller auf. "Durch Regen wird der normale Rasen sehr weich. Dadurch geht er auseinander, wird kaputt und die Verletzungsgefahr ist hoch", sagt Wolfsburgs Greenkeeper Mathias Eichner, der im Stadion und auf dem Trainingsplatz Hybridrasen pflegt.

 

Die Kunstfasern wirken wie kleine Regenrinnen, in denen das Wasser verschwindet. Auch deshalb ist der Hybridrasen belastbar wie ein Kunstrasen. Er verträgt 1000 Spielstunden pro Saison. Ein gewöhnlicher Rasen nur 300.

Auch der Prinzenpark von Paris SG und das Mailänder Meazza-Stadion sind schon damit ausgestattet. Österreichs Schiedsrichter Harald Lechner hat in Mailand im Herbst Inter gegen Stjarnan aus Island gepfiffen. "Ich wurde zwar vor dem Spiel darauf aufmerksam gemacht. Bemerkt hätte ich den Unterschied allerdings nicht."