Hofmann: "Der Respekt muss da sein!"

Der Deutsche Steffen Hofmann, geboren am 9. 9. 1980, kam 2002 von Bayern zu Rapid (zwei Mal Meister, Liga-Schützenkönig 2009/2010), wo er seither mit einer Unterbrechung (2005/2006: 1860 München) spielt.
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Der Rapid-Kapitän spricht vor dem Derby über Pacult, Schöttel, Platzsturm und Stimmungsboykott.

KURIER: So wie Sie bei Rapid ist auch bei der Austria der Kapitän der beste Derby-Torschütze. Was zeichnet Roland Linz aus?
Steffen Hofmann: Linz ist sehr gefährlich. Man bemerkt ihn oft lange nicht, dann steht er da, bekommt den Ball und haut ihn rein. Ich sehe aber die gesamte Austria-Offensive als sehr spielstark und gefährlich an.

Könnte es bei Rapid einen Elfer-Streit wie zwischen Linz und Barazite geben?

Nein. Wenn ich mich gut fühle, werde ich ihn schießen. Wenn nicht, sage ich das auch. Dann würde wohl Salihi hingehen.

Austria hat die letzten beiden Saisonen vor Rapid abgeschlossen. Ist der Rivale besser?
Die Tabelle sagt viel aus. Jetzt haben wir das Potenzial, vor der Austria zu stehen. Dafür müssen wir das Derby gewinnen.

Ist es ein Vorteil, dass Sie am Donnerstag keine Europacup-Partie hatten?
Wir haben diesen Rhythmus zwei Jahre selbst erlebt. Zu Beginn der Saison sind die Strapazen noch gut verkraftbar, also wird das kein Problem für die Austria sein. Die Tagesverfassung und das erste Tor werden dieses Derby entscheiden.

Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Rolle unter Trainer Peter Schöttel?
Ich muss wesentlich mehr Defensivarbeit machen und lernen, dass ich mich nicht mehr in jede Offensivaktion einschalten kann. In Graz war ich manchmal schon zu müde, um Entscheidendes nach vorne zu machen.

Können Sie die Unterschiede der Trainer Pacult und Schöttel erklären?
Ich will die Trainer nicht direkt vergleichen. Was ich sicher sagen kann, ist, dass wir jetzt sehr gut arbeiten, stark auf die Taktik achten und mehr auf wissenschaftliche Methoden bauen. Ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Mit welchem Gefühl denken Sie an das letzte Derby?
Das war ein einschneidender Tag für uns alle. Genau so wie das, was danach passiert ist. Der Verein hätte eventuell anders reagieren können. Es wäre meiner Meinung nach besser gewesen, zuerst einmal alles sacken zu lassen.

Kann Ihrer Meinung wieder einmal ein Platzsturm passieren?
Schwer zu sagen. Der Unmut der Fans war verständlich, aber was passiert ist, war alles andere als optimal. Mit einem friedlichen Sitzstreik wäre ihre Botschaft viel besser ausgedrückt worden.

Dann wäre dieses Thema auch schneller erledigt gewesen ...
Ich finde es traurig, dass dieses Thema so lange präsent ist, obwohl es Wichtigeres als einen Platzsturm gibt. Wenn man an den Atomunfall in Japan denkt und wie wenig über den jetzt noch zu lesen ist, stimmt die Relation in den Medien nicht.

Sie haben als Kapitän Kontakt zu den organisierten Fans. Appellieren Sie noch an sie, Rapid wieder zu unterstützen?
Natürlich ist das unser Wunsch. Aber jetzt geht es bei diesem Protest nicht mehr um die Mannschaft, sondern um ganz andere Sachen. Und bis auf das letzte Spiel in Graz haben wir ja auch ohne Unterstützung ganz gut gespielt.

Gibt es aktuell wie in früheren Mannschaften Freundschaften zwischen Austrianern und Rapidlern?
Ich habe noch manchmal Kontakt zu Peter Hlinka. Als ich wie er früher auch eine Schambeinentzündung hatte, habe ich ihn öfters angerufen.

Können Sie es verstehen, dass Fans Spieler-Freundschaften nicht verstehen?
Wir sind zwar auf dem Platz Gegner, haben aber doch denselben Beruf und sind Kollegen. Der Respekt voreinander muss da sein! Aber es ist auch wichtig, Respekt vor den Fans zu haben und nicht unbedingt am Tag nach einem Derby gemeinsam in der Öffentlichkeit einen Kaffee zu trinken.

Stimmen die Voraussetzungen für ein packendes, erfreuliches Derby?
Erfreulich ist es dann, wenn wir gewinnen. Und davon gehe ich aus.

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(kurier / Interview: Alexander Huber, Peter Karlik) Erstellt am
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