Sport | Fußball
18.10.2017

Heynckes ist zurück: Disziplin statt Dolce Vita

Jupp Heynckes fordert die Bayern-Stars mehr als Carlo Ancelotti – heute kommt Celtic Glasgow nach München.

Zehn Tage ist Jupp Heynckes nun bei den Bayern im Amt. Einen (Pflicht-)Sieg gegen Freiburg hat der 72-Jährige bereits in der Tasche. Und auch heute sollte und darf gegen Celtic Glasgow (20.45 Uhr/live ORFeins, ZDF) nichts anbrennen, will man in Gruppe B der Champions League die Chancen auf den Gruppensieg wahren.

Der Trainer-Routinier soll den deutschen Rekordmeister wieder in die Spur und zum einen oder anderen Titel führen. Wie er das tun will, haben die Stars in München bereits zu spüren bekommen – auf und abseits des Trainingsplatzes.

Was er anders macht als Vorgänger Carlo Ancelotti?

Trainingsbeginn
Eine halbe Stunde früher aufstehen heißt es nun für David Alaba und seine Kollegen. Während das Training unter Ancelotti um 10.30 Uhr begann, startet Heynckes um 10.00 Uhr. Um 9.00 Uhr müssen sich die Spieler auf dem Trainingsgelände in der Säbener Straße einfinden.

Trainingsdauer
Heynckes lässt wie unter ihm gewohnt 90 Minuten trainieren. Bei Ancelotti waren die Spieler nur eine Stunde lang auf dem Trainingsplatz.

Aufwärmen
Für Carlo Ancelotti war das Aufwärmen offenbar eine lästige Pflicht. Nach drei bis fünf Minuten begann unter dem Italiener bereits der Hauptteil des Trainings. Auch das ist unter Jupp Heynckes anders. Das Aufwärmen dauert 20 Minuten.

Essen & Handy
Die richtige Ernährung ist für einen Sportler fast noch wichtiger als das Training an sich. Das weiß auch Heynckes. Unter ihm müssen die Spieler nach dem Training wieder gemeinsam am Trainingsgelände essen. Damit soll die Gemeinschaft gefördert, aber auch verhindert werden, dass sich die Spieler in Eigenregie weniger gesunde Mahlzeiten in die Figur werfen.

Neue Regeln gibt es auch für die Verwendung der Smartphones in der Kabine. Damit will Heynckes auch erreichen, dass die Spieler verstärkt miteinander reden.

Rauer Wind

Wer glaubt, dass die neuen Maßnahmen den großen Stars gegen den Strich gehen, der irrt. Alle merken, dass ein neuer Wind weht und dass es der Mannschaft mitunter gut tut, dass dieser etwas rauer ist als noch wenige Wochen zuvor.

Und Heynckes ist zufrieden mit seinen ersten Tagen. "Die Spieler waren wieder motiviert und bereit, die Dinge aufzunehmen. Ich glaube auch, dass die Änderungen in Sachen Disziplin gegriffen haben", sagte der Titelhamster zufrieden.

Heynckes wird von den Spielern darüber hinaus aufgrund seiner menschlichen Qualitäten geschätzt. Er spricht viel mit den Spielern, vorwiegend einzeln, und gibt jedem das Gefühl, eine wichtige Rolle einzunehmen.

Auch seine personellen Maßnahmen schienen zumindest gegen Freiburg zu greifen. Wie in der Triple-Saison 2012/’13 dürfte Javi Martinez unter Heynckes wieder voll und ganz im defensiven Mittelfeld eingeplant sein und nicht wie unter Guardiola und Ancelotti in der Innenverteidigung. Dort ist jetzt das Weltmeister-Duo Mats Hummels und Jerôme Boateng gesetzt. Neuzugang Niklas Süle muss sich wieder hinten anstellen. Doch angesichts der noch 14 Pflichtspiele bis Weihnachten wird Heynckes auch rotieren müssen.

Apropos Weihnachten. Für das frohe Fest und die Zeit davor hat die Merchandising-Abteilung der Bayern Geschenkartikel produzieren lassen. Darunter auch einen Schoko-Adventkalender. Das Pikante an der Süßigkeit: Darauf ist Ex-Trainer Carlo Ancelotti abgebildet, wie er mit David Alaba einen Truthahn verspeist. Die Produktion des Kalenders wurde eben vor dem Trainerwechsel in Auftrag gegeben. Doch die Bayern können auch improvisieren: Ein Heynckes-Bild zum Überkleben wird bereits produziert.