Schwab leitete den Umschwung ein und ließ Rapid jubeln

© Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski

Europa League
09/15/2016

Zehn Wahnsinns-Minuten retten Rapid

Rapid dreht zum Auftakt in Hälfte zwei auf und besiegt Genk nach Rückstand noch mit 3:2.

von Alexander Huber, Florian Plavec

Rapid startet perfekt in die Europa League, besiegt Genk mit 3:2 und liefert ein Déjà-vu: 2015 hatte es zum Auftakt gegen Villarreal zur Pause ebenfalls einen 0:1-Rückstand gegeben. Gegen die Spanier gelangen mit einer starken Rapid-Viertelstunde nach der Pause zwei Tore zum Sieg. Gegen die Belgier waren es sogar drei.

Dabei hatte Rapid mit der Startelf vom 1:1 gegen Sturm einen nervösen Start hingelegt. Szanto hatte also doch den Vorzug gegenüber Grahovac bekommen. Weil auch die Gäste auf gepflegten Fußball setzten, entwickelte sich ein unterhaltsames, flottes und umkämpftes Spiel. Rapid kam zu ersten Möglichkeiten nach guten Flanken, Genk durch schnelle, flache Pässe. So wie in Minute 22, als Pozuelo Buffel schickte. Strebinger hielt bravourös.

Zwei Minuten später war die Führung ganz nah. Nach Flanke von Schrammel kam Schaub aus nur drei Metern frei zum Kopfball – drüber.

Gegentreffer nach Schösswendter-Patzer

Dass auf diesem Niveau Fehler schnell bestraft werden, erlebte Schösswendter in Minute 29: Auf der Mittellinie ließ er sich von Samatta düpieren. Der Konter landete bei Leon Bailey. Aus mehr als 20 Metern zog der 19-jährige Jamaikaner direkt, perfekt und unhaltbar ab – genau ins Kreuzeck. 2011 hatte der Flügelstürmer erfolglos ein Probetraining im Rapid-Nachwuchs absolviert.

Rapid reagierte engagiert, hatte noch mehr Ballbesitz und weil Gäste-Goalie Bizot der schwächste Mann auf dem Feld war, schien auch das 1:1 nahe. Noch gefährlicher waren aber die Konter. Strebinger musste abermals retten. Und tat dies gegen Samatta stark (43.).

Aus der Kabine kamen die Hütteldorfer wie verwandelt, weil viel aggressiver. Und mit mehr Spielwitz. Auf ein Gurkerl von Traustason folgte noch ein zu schwacher Abschluss von Joelinton. Das war der Auftakt zu zehn Minuten des Wahnsinns in dieser Nacht vor dem Vollmond.

Dreifacher Jubel nach dem Wiederanpfiff

51. Minute: Schaub dribbelt und passt zu Stefan Schwab. Direkt ins Eck zischt der Weitschuss – 1:1.

59. Minute: Joelinton setzt sich an der Mittelauflage gegen den starken Colley durch und zieht unwiderstehlich davon. Ebenfalls mit links, wieder ins Eck, aber mit mehr Gefühl verwandelt der Brasilianer zur Führung.

60. Minute: Colley spielt zurück zu Bizot. Doch ein Fehler im Rasen trickst den Goalie aus - er schlägt ins Leere, der Ball springt vorbei und zum 3:1 ins Netz.

Zur Absicherung kam Steffen Hofmann. Zur Begrüßung gab es Standing Ovations der 21.800 Zuschauer und die Kapitänsbinde von Schwab (62.). In Minute 90 verkürzte Bailey per Elfmeter noch auf 3:2. Zu spät.

Rapid Wien - KRC Genk 3:2

Wien, Allianz Stadion, 21.800 Zuschauer, SR Blom (Niederlande)

Tore: 0:1 (29.) Bailey, 1:1 (51.) Schwab, 2:1 (59.) Joelinton, 3:1 (60.) Colley (Eigentor), 3:2 (90.) Bailey (Elfmeter)

Rapid: Strebinger - Pavelic, Schößwendter, Dibon, Schrammel - Mocinic, Schwab - Schaub, Szanto (63. S. Hofmann), Traustason (79. Murg) - Joelinton (87. Kvilitaia)

Genk: Bizot - Walsh, Dewaest, Colley, Uronen - Heynen (78. Susic), Ndidi - Bailey, Pozuelo, Buffel (66. Trossard) - Samatta (78. Karelis)

Gelbe Karten: Schwab, S. Hofmann bzw. Pozuelo

Büskens: "Könntest einen Oscar gewinnen"

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Sie haben in der ersten Hälfte gezeigt, dass sie die Qualität haben, über ihre Spieler schnell umzuschalten. Wir hatten nicht so den Zugriff gegen den Ball, sie haben viele zweite Bälle gewonnen. Zur Pause haben wir gesagt, wir gehen da raus und drehen das Ding, das ist der Mannschaft gelungen. Wenn du ein Drehbuch schreiben möchtest für so einen Auftritt, dann ist es komplett und du könntest damit einen Oscar gewinnen. Es war wahnsinnig emotional, der Support war Weltklasse, es war nervenaufreibend und am Ende freuen wir uns über die drei Punkte."

Peter Maes (Genk-Trainer): "Die erste Hälfte war gut, wir haben Chancen kreiert, eine Reaktion gezeigt auf das Spiel gegen Standard Lüttich. Dann kamen aber die 15 Minuten, die alles durcheinandergebracht haben. Rapid hat in der Phase großen Druck ausgeübt, wir haben Ballverluste gehabt. In so einer Situation muss man das Tempo verlangsamen, das haben wir aber nicht gemacht. Dann war alles gelaufen. Ab der 60. Minute haben wir noch einmal Druck ausgeübt, aber es war zu spät. Wir haben eine junge, brave Mannschaft, die oft ihre Aufgaben noch vernachlässigt. Wir waren auch bei den Balleroberungen nicht die Besten, das wird dann bestraft. So ein Gegentor wie das dritte habe ich auch schon einmal erlebt, es ist nicht das erste Mal."