Garger: "Bei uns steht der Spaßfaktor im Mittelpunkt."

© GEORG DIENER AGENTUR DIENER /DIENER / Philipp Schalber

Erste Liga
09/20/2013

"Hasstiraden sind bei der Vienna verpönt"

Vienna-Coach Kurt Garger spricht im KURIER-Interview über Ziele, Jubiläen und Fankultur.

Das erste knappe Drittel der Ersten-Liga-Saison verlief für die Vienna nicht gerade nach Plan. Weil Fristen im Lizenzierungsverfahren versäumt worden sind, lief der Traditionsverein mit einem Minus von drei Punkten bereits vor dem ersten Spieltag der Konkurrenz hinterher.

Nach drei Niederlagen in den ersten drei Spielen, elf Gegentoren und nur zwei erzielten Treffern musste Gerhard Fellner seinen Trainerstuhl frühzeitig an Kurt Garger abgeben.

Mittlerweile sind neun Runden absolviert, die Döblinger befinden sich noch immer auf dem vorletzten Tabellenplatz. Negative Schlagzeilen schrieb die Vienna aber auch, weil sie einigen Ex-Spielern Geld schulden soll. Die Vereinigung der Fußballer droht jedenfalls mit einer Klage. Vienna-Coach Kurt Garger blickt dennoch optimistisch in die Zukunft und spricht über seine Ziele, die traditionsreiche Fankultur und das wichtige Spiel gegen den TSV Hartberg.

KURIER: Die Vienna liegt nach neun gespielten Runden nur auf dem vorletzten Tabellenplatz. Machen Sie sich Sorgen?
Kurt Garger: Nein, ich finde das nicht wirklich beunruhigend. Der Saisonstart ist uns mit drei Niederlagen in drei Spielen leider überhaupt nicht geglückt. Man darf aber nicht vergessen, dass wir unseren alten Trainer Alfred Tatar, der großartige Arbeit geleistet hat, an Mattersburg verloren haben. Außerdem sind wir mit einem Minus von drei Punkten in die Meisterschaft gestartet, weil wir gewisse Dokumente zu spät bei der Liga eingereicht haben. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir unser Saisonziel noch erreichen können.

Welches Ziel ist das?
Unser größtes Ziel ist es, eine gefestigte Mannschaft in der Ersten Liga zu werden. Deshalb versuchen wir auch Spieler längerfristig zu binden, damit sich eine gute Mannschaft entwickeln kann. Was die Tabellensituation betrifft ist auf jeden Fall ein Platz im gesicherten Mittelfeld realistisch.

Was muss sich ändern, damit die Vienna eine Erfolgsserie startet?
Ich denke, dass sich innerhalb der Mannschaft nicht wirklich viel verändern muss, weil sie intakt ist und mittlerweile auch guten Fußball spielt. Aber es reicht nicht aus, nur die sportliche Komponente zu betrachten. Ich bin davon überzeugt, dass sich langfristig auch das Umfeld der Vienna verändern muss, um in absehbarer Zeit wieder sportliche Erfolge einfahren zu können.

Was meinen Sie damit konkret?
Die Vienna braucht mehr Sponsoren, mehr helfende Hände im Umfeld und eine breitere Vereinsstruktur um wie ein Spitzenverein der Ersten Liga aufgestellt zu sein. Wir müssen unseren Marketingbereich verstärken, um Sponsoren noch stärker zu begeistern und sie längerfristig zu binden. Im Unterschied zu manch anderem Verein können wir nicht davon ausgehen öffentliche Gelder zu erhalten. Deshalb müssen wir selbst kreativ werden.

Mit PayLife hat die Vienna einen großen Hauptsponsor. PayLife-Geschäftsführer Peter Neubauer hat kürzlich gesagt, dass fast alle Fußballbegeisterten die Vienna gut leiden können und sie sympathisch finden. Warum ist die Vienna so beliebt?
Die Vienna ist, so wie auch der Wiener Sportklub, ein absoluter Traditionsverein. Beide Mannschaften dürfen sich über eine sehr menschliche, soziale Fankultur freuen. Die Fans stehen hinter dem Verein, auch wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Das ist nicht bei allen Vereinen selbstverständlich.

Das Verspotten gegnerischer Mannschaften ist bei der Vienna tabu?
Ja. Hasstiraden gegen gegnerische Mannschaften und Fans, aber auch gegen Schiedsrichter sind bei der Vienna absolut verpönt. Bei uns steht der Spaßfaktor im Mittelpunkt. Die Fans betrachten es als Event, wenn die Vienna an Freitagabenden auf der Hohen Warte spielt.

Die Vienna als Familienverein?
Das könnte man so sagen. Das Umfeld ist auf jeden Fall familiär. Viele Vienna-Fans bleiben noch lange nach Abpfiff auf der Hohen Warte, um sich untereinander, aber auch mit den Spielern und dem Trainer auszutauschen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm.

Im nächsten Jahr feiert die Vienna ihren 120. Geburtstag. Wie wird man den begehen?
Wir befinden uns noch in der Planungsphase. Fest steht jedoch schon, dass wir ein besonderes Dress entwickeln werden, in dem die Mannschaft die nächste Saison spielen wird. Dieses Trikot wird an jenes erinnern, in welchem die Vienna zuletzt österreichischer Fußballmeister geworden ist. (Anm. d. Red. 1955). Wir planen auch zwei bis drei Jubiläumsspiele. Die Gegner stehen zwar noch nicht fest, es werden aber auch namhafte Mannschaften dabei sein.

Sie haben die Vienna als Trainer mittlerweile durch sechs Ligaspiele geführt. Wie lässt sich Ihre Fußballphilosophie beschreiben?
Zunächst ist es wichtig, dass eine Mannschaft am Werk ist, die konditionell und physisch intakt ist. Ich bin auf jeden Fall auch ein Trainer, dem die spielerische Note wichtig ist. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuche ich auch den Offensivfußball zu forcieren. Das ist jetzt aber nicht speziell meine Fußballphilosophie, sondern die vieler Trainer.

Mit acht Treffern hat die Vienna trotzdem die zweitwenigsten der Liga erzielt.
Stimmt. Nach unserem misslungenen Saisonstart mit elf Gegentoren in drei Spielen, mussten wir zunächst an der Baustelle Defensive arbeiten. Das geschah natürlich auf Kosten unseres Offensivspiels. Momentan befinden wir uns in einer Phase, in der wir daran arbeiten die richtige Balance zu finden. Ich glaube, dass uns das in den nächsten Wochen gelingen wird.

Wie sehr schmerzt der Wechsel von Stürmer Markus Pink zum SV Mattersburg?
Markus Pink war natürlich ein sehr wichtiger Spieler für die Vienna. Ein Topscorer, der bei vielen Toren seine Füße im Spiel hatte. Die Vienna bemüht sich den Spagat zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg zu schaffen. Wenn so ein Angebot, wie das von Mattersburg kommt, müssen wir es natürlich annehmen. Mit Alexander Aschauer, der von Liefering gekommen ist, haben wir aber guten Ersatz gefunden.

Im nächsten Spiel gegen den TSV Hartberg treten sie gegen Ihren ehemaligen Arbeitgeber auf. Ein besonderes Spiel für Sie?
Nein, es ist ein Spiel wie jedes andere. Wenn man die aktuelle Tabellensituation betrachtet, sollten wir das Spiel tunlichst gewinnen. Das ist das Einzige worauf ich mich konzentriere.

Laut Buchmachern ist die Vienna Favorit. Sehen Sie das auch so?
Nein, denn wir befinden uns auf dem neunten Tabellenplatz, Hartberg ist hingegen Dritter. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Qualität der beiden Teams so weit auseinanderliegt, wie es die Tabelle vermuten lassen könnte. Ich gehe von einem ausgeglichenen Spiel aus, das durch die aktuelle Tagesverfassung der Mannschaften entschieden werden wird.

Trotzdem wurde das Hinspiel mit 1:4 relativ hoch verloren.
Das Hinspiel war vom Ergebnis her eindeutig, deshalb sind wir jetzt natürlich unter Zugzwang. Zu Beginn der Saison sind wir davon ausgegangen, dass Hartberg ein Konkurrent im unteren Tabellendrittel sein wird, die Mannschaft befindet sich derzeit aber in einer guten Form. Die Saison hat aber auch gezeigt, dass die Vienna gegen gut platzierte Mannschaft punkten kann. Wir können jedem anderen Ligaverein wehtun. Was uns im nächsten Spiel zu Gute kommt ist die Sperre von Günter Friesenbichler, der bestimmt für 70 bis 80 Prozent der Hartberger Tore verantwortlich ist.

Sie arbeiten vorläufig als Interimstrainer bis zum Ende der Herbstsaison. Könnten Sie sich vorstellen die Vienna langfristig zu trainieren?
Darüber möchte ich mir jetzt noch keine Gedanken machen. Mein Ziel ist es die Vienna bis zum Winter so zu stabilisieren, dass wir unser Saisonziel erreichen. Alles andere wird sich später entscheiden.

Interview: Kordian Prokop

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.