Sport | Fußball
05.12.2011

Harnik: "Sind eine echte Einheit"

Interview: Die Fremdarbeiter prägen derzeit das Nationalteam - zu sehen beim Test in Klagenfurt gegen die Slowakei.

Österreich setzt am Mittwoch im Länderspiel gegen die Slowakei (20.30 Uhr) wieder auf einige Deutschland-Legionäre.

Vor allem sie verkörpern das neue Wir-Gefühl im Team und strotzen vor Selbstvertrauen. Der KURIER bat das Trio Christian Fuchs (Schalke), Martin Harnik (Stuttgart) und Julian Baumgartlinger (Mainz) zum Kaffee-Plausch.

KURIER: Herr Fuchs, was raten Sie Neo-Legionär Julian Baumgartlinger?
Christian Fuchs: Die Erfahrungen in Deutschland muss er selbst machen. Da kann ich ihm erzählen, was ich will. Aber in Mainz ist er gut aufgehoben.
Julian Baumgartlinger: Außerdem hat mir der Ivanschitz Andi am Beginn geholfen. Es ist gut, wenn ein Landsmann schon beim Verein ist.

Was lernt man in Deutschland, was man in Österreich nicht lernt?
Fuchs: Der einzig gravierende Unterschied ist das Tempo. Das ist im Durchschnitt viel höher. Das heißt aber nicht, dass ein Spieler aus Österreich nicht mithalten kann. Es braucht nur eine Gewöhnungszeit.
Baumgartlinger: Wir sind ein Ausbildungsland, das muss allen bewusst sein.
Martin Harnik: Ich kann den Vergleich kaum ziehen, da ich in Deutschland aufgewachsen bin und in Österreich nie aktiv war. Die professionelle Ausbildung habe ich erst bei Werder Bremen genossen. Aber ich denke, dass ich diese Entwicklung vielleicht auch in Österreich hätte nehmen können.

Sie sind mit 13 Jahren zu 1860 München gegangen. Hätten Sie sich in Österreich genauso entwickelt?
Baumgartlinger: Schwer zu sagen. Zu diesem Zeitpunkt war die Ausbildung dort eben für mich besser. Heute haben die Akademien in Österreich ebenso einen hohen Standard.
Fuchs: Heute bekommen die jungen Spieler bei den Vereinen mehr Chancen
als in der Vergangenheit. Nur so werden sie attraktiv für ausländische Vereine.

Das letzte Spiel gegen Deutschland war Ihre Fahrkarte zu Mainz.
Baumgartlinger: Das kann schon sein, dass es einen großen Teil dazu beigetragen hat.
Fuchs: Ganz sicher sogar. Bei mir war es 2008 genauso.

Wären Sie in Mattersburg geblieben, welche Entwicklung hätten Sie genommen?
Fuchs: Du reifst im Ausland 100-mal schneller als Person. Du bist beruflich und privat auf dich allein gestellt. Du musst ja dort überleben.

Ein gutes Nationalteam braucht gute Legionäre.
Harnik: Jetzt ist auch für österreichische Fußballer der beste Zeitpunkt, nach Deutschland zu wechseln. Weil der Respekt gestiegen ist. Vor vier Jahren wurde ich noch belächelt und verarscht. Das hat sich verändert. Der Augenblick ist günstig.
Fuchs: Wichtig ist eben, dass jetzt viele von uns bei ihren Klubs spielen. Darunter sind auch Leistungsträger. Man gewöhnt sich an Tempo und Niveau. Und das bringt das Team weiter.
Harnik: Die letzte Saison war so etwas wie unser Durchbruch in Deutschland, weil einige zu Führungsspielern wurden.
Baumgartlinger: Und du spielst Woche für Woche gegen Stars, auf die du auch mit dem Nationalteam treffen kannst.

Waren die letzten Leistungen des Teams deswegen gut?
Harnik: Ja. Weil wir Selbstvertrauen, eine Selbstverständlichkeit und eine besser Körpersprache haben. Und auch, weil wir erst jetzt als Team eine Einheit sind.

Erst jetzt?
Harnik: Ja, das war ein Selbstreinigungsprozess, wie ich ihn auch bei Stuttgart erlebt habe. Auch hier im Team ist er von der Mannschaft ausgegangen. Wir hatten eine Gruppenbildung, die nicht dienlich war.

Wie kann und soll es weitergehen?
Harnik: Wir müssen die letzten Leistungen als Maßstab nehmen. Laufbereitschaft und Einstellung müssen bei uns ohnehin immer stimmen, weil wir werden nie die Deutschen, die Brasilianer oder die Spanier sein, dass wir einen Gegner nur mit spielerischen Mitteln bezwingen können.

Herr Fuchs, Sie haben den Sprung zu einem großen Verein geschafft: Wie trainiert es sich so mit einem Superstar wie Raul?
Fuchs: Er ist ein super Fußballer und ein toller Mensch. Aber umgekehrt für mich auch ein Arbeitskollege, um den sich bei jedem Training alles dreht. Aber seine Klasse erkennt man an einer ganz anderen Sache.

Woran?
Fuchs: Daran, dass Schalke auf der Rückseite seiner Autogrammkarte die Erfolge abkürzen hat müssen, sonst wären nicht alle draufgegangen. Das sagt alles.

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