Sport | Fußball
14.04.2017

Goran Djuricin: "Rapid-Trainer zu sein, ist nicht leicht"

Der neue Coach der Hütteldorfer ist demütig und lobt vor dem Altach-Spiel die Mannschaft

Donnerstagvormittag in St. Pölten: Lange Schlangen bilden sich im neuen Rapid-Fanshop. Ausgerechnet Christoph Schösswendter und Arnor Traustason geben Autogramme. Die Fans kaufen Fanartikel und stehen an, als wäre nichts passiert in den vergangenen Monaten.

„Der Ansturm in St. Pölten war ein Wahnsinn. Dieser Zuspruch tut allen sehr gut“, sagt Klubservice-Leiter Andy Marek. Das Interesse an und die Begeisterung für die Hütteldorfer dürfte sich von der sportlichen Entwicklung abgekoppelt haben. Das ist zum einen angenehm für die Verantwortlichen, weil diese Horror-Saison besser abgefedert werden kann.

Sogar nach neun sieglosen Partien sind 18.500 Karten für die Partie am Samstag gegen Altach verkauft.

Lage erkannt?

Andererseits kann diese Treue auch gefährliche Folgen haben. Wenn der Abstieg immer noch als „denkunmöglich“ weggeschoben wird. Von den Spielern wird heftig dementiert. „Wir wissen, dass wir in der Pflicht stehen. Mehr denn je“, wird als Losung für die drei anstehenden Heimspiele ausgegeben.
„Rapid wird in Wien gegen Altach immer Favorit sein. Die Fans werden die Mannschaft unterstützen, auf die Stimmung freuen wir uns auch“, sagt Altach-Coach Martin Scherb. „Aber wenn wir unseren Plan umsetzen können, wird es für Rapid schwer. Dann können wir in Österreich jede Mannschaft bis auf Salzburg schlagen. Wenn wir unser Spiel nicht durchziehen, wird es keine Punkte geben.“

Auf jeden Fall gibt es einige Fragezeichen: Wird die Trainingszeit für Rapid reichen, um den Wechsel von der ungeliebten Dreierkette zur Viererkette durchzuführen? „Das ist so ähnlich wie Fahrradfahren. Die Mannschaft kann das“, sagt der Goran Djuricin. Der Interimstrainer setzt (anders als Damir Canadi) auf Schösswendter: „Der kann nicht nur köpfeln. Er ist spielerisch stark und schnell, auch wenn das nicht alle glauben. Schössis Gesamtpaket ist sehr gut.“

Wie antwortet Scherb? Beim 0:0 in Wolfsberg hat Altach auf die übliche Dreierkette verzichtet. Co-Trainer Martin Bernhard, der „Altach in- und auswendig kennt“ sagt: „Wir trainieren auf beide Varianten hin und können kurzfristig reagieren.“

Zum Beispiel mit dem Comeback von Louis Schaub, der es zuletzt besonders schwer hatte. „Es ist jetzt Frische im Training zu spüren“, beobachtet Bernhard. Djuricin betont seinen Optimismus: „Der Abstiegskampf ist für mich jetzt kein Thema, weil wir genug Zeit haben. Mein Vertrauen in die Mannschaft ist groß. Sie ist so gut, dass wir das schaffen werden. Ich will künftig auch Spaß sehen.“

Abgrenzung

Djuricin grenzt sich klar von seinem Vorgänger ab, auch wenn er zum Trainerteam gehörte: „Ich bin Damir dankbar, denn ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier. Ich hatte einen guten Kontakt zu ihm, aber eigentlich sehr wenig. Uns verbindet nicht viel. Es wird eine andere Rapid-Mannschaft und einige Änderungen geben.“

Die „Demut“, die Sportdirektor Fredy Bickel nun verstärkt fordert, gibt es aber auch von Djuricin: „Rapid-Trainer zu sein, ist nicht leicht. Das hab’ ich seit November mitbekommen.“