Sport | Fußball 28.01.2012

Glasner: "Das tägliche Brot ist die Liga"

Oliver Glasner musste abrupt mit dem Fußballspielen aufhören und startet in Salzburg seine zweite Karriere – als Manager.

Vor einem halben Jahr änderte sich das Leben von Oliver Glasner schlagartig.

Beim Abschlusstraining für ein Europacup-Spiel in Kopenhagen klagte der Ried-Kapitän über starke Kopfschmerzen, nachdem er sich vier Tag zuvor in der Bundesliga gegen Rapid eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hatte. In einem Krankenhaus wurde eine Blutung zwischen Gehirn und harter Hirnhaut diagnostiziert. Glasner überstand die Operation gut, beendete aber auf Anraten der Ärzte kurz danach seine Laufbahn als Fußballer.

Mitte Jänner startete der 37-Jährige seine Karriere nach der Karriere im Salzburger Management. Der KURIER bat Glasner im Trainingslager in der Türkei zu einem Gespräch.

KURIER: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Oliver Glasner: Sehr gut. Ich habe im Alltag überhaupt keine Einschränkungen. Nur wenn ich aufstehe, dann wird mir kurz schwindlig. Das kann sich noch eine gewisse Zeit hinstrecken. Mitte Februar habe ich noch eine Untersuchung, ob auch klinisch alles in Ordnung ist.

Sie waren fast 20 Jahre Profi-Fußballer. Wie ist das Gefühl, wenn man in der Früh aufwacht und weiß, nie wieder trainieren zu müssen?
Es ist relativ angenehm. Es gibt jetzt aber sehr viele andere interessante Sachen zu machen. Ich bin bei jedem Training dabei, aber halt als Zuschauer. Das macht mir auch sehr viel Spaß.

Wie würden Sie ihren Job in Salzburg beschreiben?
Ich bin das Bindeglied zwischen Mannschaft, Betreuerstab und Geschäftsführung. Ich soll schauen, dass wir intern einen sehr guten Kommunikationsfluss haben. Deswegen habe ich in der ersten Woche in meinem neuen Job mehr geredet und telefoniert als davor in Monaten. Ich bin auch gerade dabei, mir ein Bild von Innen zu machen. Bisher habe ich den Klub ja nur von Außen her gekannt.

Karrierestop: Glasner musste nach einer Gehirnblutung aufhören.
© Bild: APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Für was wollen Sie in ihrer neuen Funktion stehen?
Ich war immer ein Teamplayer, ehrlich und geradlinig. Ich werde mich nicht ändern. Ich habe immer das Gespräch gesucht. Das werde ich auch weiter machen.

Red Bull ist im siebenten Jahr in Salzburg engagiert, eine Philosophie ist aber immer noch nicht zu erkennen. In welche Richtung sollte es für Sie gehen?
Es ist keine Frage, was ich mir vorstelle, sondern was wir uns als Team vorstellen. Es hat keinen Sinn, wenn ich diese Vorstellung habe, das Trainerteam jene, die Geschäftsführung eine ganz andere, und wir können das nicht unter einen Hut bringen. Wir sind gerade dabei, eine gemeinsame Linie zu finden. Und wir sind schon auf einem guten Weg.

Gibt es von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz eine Vorgabe an sie und den neuen Geschäftsführer Peter Vogl?
Nein, es gibt diesbezüglich keine Vorgaben.

Es wurde spekuliert, dass Peter Vogl nicht Sie, sondern Stefan Reiter aus Ried mitbringen wird. Er gilt in Österreich als jener Manager, der aus seinen Möglichkeiten das meiste herausholt. Was haben Sie von ihm gelernt?
Er ist in gewisser Weise ein Vorbild. Seine Bereitschaft, mit den Spielern zu kommunizieren, ist eine Art des Arbeitens, die mit ein Faktor für seinen Erfolg ist. Ein wesentlicher Unterschied ist aber, dass er in Ried, zwar in Absprache mit dem Trainer, aber doch vieles alleine bestimmt und die Richtung vorgibt. Das ist in einem Konzern nicht möglich, sondern bei uns geht es nur im Teamwork. Stefan Reiter hat auch einmal vor 15 Jahren angefangen. Er hat sich sein Standing durch Erfolge und Kontinuität erarbeitet.

Red Bull Salzburg steht für vieles, aber nicht für Kontinuität. Wie wichtig ist diese in einem Fußballklub?
Für mich ist es wichtig, dass es in einem Klub eine Vorstellung gibt, welche Richtung man einschlagen will. Da muss man natürlich einen Trainer einbinden und diese ihm nicht aufs Auge drücken. Er muss sich damit identifizieren können und dahinter 100-prozentig stehen. Wir sind jetzt dabei, eine gemeinsame Linie zu finden. Und das soll dann die Red-Bull-Linie sein.

Ein heißes Thema ist in Salzburg der Einsatz von Eigenbauspielern. Momentan spielt nur Martin Hinteregger fix. Warum ist es für Talente so schwer, sich durchzusetzen?
Warum es bisher nicht geklappt hat, dazu kann ich nichts sagen, da habe ich noch zu wenig Einblick. Es muss verschiedene Wege geben, um den Sprung zu schaffen: direkt von der Akademie, über die Juniors, über ein Team in der 2. Bundesliga oder sich verleihen lassen. Diese vier Möglichkeiten wollen wir unseren Jungen bieten. Sie sind dann aber selber gefragt, was sie daraus machen.

Welche Ansprüche muss ein Klub wie Salzburg haben?
In Österreich immer ganz vorne dabei sein. International haben wir mit dem Einzug in die Europa-League-K.o.-Runde ein Ausrufezeichen gesetzt. Wenn man sieht, welche Klubs auch noch im Bewerb sind, ist das nicht selbstverständlich. Das soll aber nur unser Zubrot sein. Das tägliche Brot ist die Bundesliga.

Salzburg hat 29 Spieler im Kader. Ist das nicht zu viel?
Wir respektieren alle Verträge, die wir geschlossen haben. Wir schicken keinen Spieler weg, der noch Vertrag hat und bei uns bleiben will. In der täglichen Trainingsarbeit nicht ganz so einfach, deshalb werden wir den Kader ein bisserl verkleinern. Aber wir respektieren – wie gesagt – alle Verträge, wie wir auch von den Spielern erwarten, dass sie ihre Verträge einhalten.

Es stehen noch immer 18 Legionäre im Kader. Ist das wirklich notwendig?
Momentan ist die Kadersituation so. Natürlich denken wir nach, wie wir die Struktur verändern, aber gleichzeitig auch die Qualität heben können. Damit wir das zusammenbringen, deshalb sitzen wir jetzt ziemlich häufig zusammen. Ich will das sonst aber gar nicht kommentieren. Das steht mir nicht zu. Ich war von Außen Betrachter. Unser Ziel ist eine Strukturveränderung.

Wird es intern eine Regelung geben, dass eine gewisse Anzahl von Eigenbauspielern im Kader sein müssen?
Wir wollen so viele im Kader haben wie möglich. Am liebsten wären uns alle. Aber wir wissen, dass das unmöglich ist. Es liegt an den Spielern selbst. Wenn ein Junger aufzeigt, dann ist er nicht lange Nummer 25 im Kader, sondern bald Nummer 15.

Müssen sich nicht auch die Jungen mehr aufdrängen?
Man darf nicht immer die Schuld bei anderen suchen, sondern bei sich selbst anfangen. Man muss sich fragen, warum habe ich diese Kaderposition? Es ist egal, ob 18 Legionäre da sind. Ich muss irgendwann einmal vorbei. Die jungen Spieler wissen, dass bei uns die Ansprüche hoch sind und wir sehr viel Qualität im Kader haben. Aber sie wissen auch, dass sie bei uns die beste Ausbildung in Österreich genossen haben. Sie müssen den Schalter umlegen. Und ich glaube, dass viele dazu bereit sind.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Trainer Ricardo Moniz?
Ich verstehe die Sichtweise des Trainers, wir sind in sehr vielen Dingen auf einer Wellenlänge. Deshalb haben wir bei allen Entscheidungen ziemlich rasch einen Konsens gefunden.

Bei Leonardo kann man bis Mitte März eine Option ziehen, um ihn fix zu verpflichten. Ist schon eine Entscheidung gefallen?
Noch nicht endgültig. Jetzt war einmal Soriano akut, weil die Transferzeit bald endet. Bei Leonardo haben wir noch ein bisserl Zeit. Aber wir haben schon darüber gesprochen. Wir werden so rasch wie möglich eine Lösung finden.

Wird sich in der Transferzeit noch etwas tun?
Unsere Absicht ist, nichts mehr zu tun und mit diesem Kader in die Saison zu gehen. Aber ich habe mitbekommen, dass man nichts ausschließen darf.

Im Sommer laufen viele Verträge aus. Bis wann soll entschieden sein, wer bleiben darf und wer gehen muss?
Ich habe der Mannschaft kommuniziert, dass ich für Klarheit stehe. Ich weiß, dass das für Spieler sehr wichtig ist. Wir werden uns Anfang Februar zusammensetzen und die Kadersituation ganz genau analysieren. Wenn Entscheidungen gefallen sind, werde ich es den Spielern mitteilen – offen und ehrlich. Wir werden niemanden hinhalten.

Warum hat Red Bull Salzburg einen so schlechten Ruf?
Österreich ist halt sehr bekannt dafür, dass wir in einer Neidgesellschaft leben. Wo große finanzielle Mittel sind, da schauen wir sehr kritisch hin, aber hinterfragen das oft nicht, sondern sind sehr oberflächlich. Wir sagen, da steht ein Weltkonzern dahinter und damit muss automatisch der Erfolg da sein. Aber das ist nicht ganz so einfach.

Treue Seele: Der Rekord-Rieder

Der Fußballer Oliver Glasner wurde zwar am 28. August 1974 in Salzburg geboren, verbrachte aber bis auf einen Abstecher zum LASK seine Profi-Laufbahn in Ried. Von 1992 bis 2003 und von 2004 bis 2011 absolvierte er über 500 Ligaspiele für die Innviertler.

Der Manager Seit Mitte Jänner arbeitet Glasner für Salzburg – als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung. Gemeinsam mit Trainer Moniz, Geschäftsführer Vogl und Nachwuchschef Van Lierop ist Glasner für alle sportlichen Entscheidungen verantwortlich.

 

( Kurier ) Erstellt am 28.01.2012